Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

03.07.2014

12:25 Uhr

Währungskontrolle

China lockert die Fesseln des Yuan

Der Wechselkurs der chinesischen Währung darf ab sofort von Banken mit Kunden ausgehandelt werden. Damit hat China die Kontrolle des Yuan etwas gelockert. Dies betrifft aber nur einen kleinen Teil des Währungsgeschäfts.

Ein chinesischer Bankangestellter zählt US-Dollar hinter einem Bündel chinesischer Yuan-Noten. Die sinkende Inflationsrate in China sorgt für neue Hoffnung. dpa

Ein chinesischer Bankangestellter zählt US-Dollar hinter einem Bündel chinesischer Yuan-Noten. Die sinkende Inflationsrate in China sorgt für neue Hoffnung.

PekingChina lockert die Kontrolle des Wechselkurses der chinesischen Währung ein Stück weiter. Banken wird mit sofortiger Wirkung erlaubt, den Wechselkurs des Yuan (auch Renminbi) gegenüber dem US-Dollar mit Kunden auf der Grundlage der Marktnachfrage auszuhandeln. Das berichtete die Nachrichtenagentur Xinhua in der Nacht zum Donnerstag unter Berufung auf die Währungsaufsichtsbehörde.

Der Wechselkurs wird allerdings weiter maßgeblich vom Interbankenmarkt geleitet, wo die Zentralbank jeweils mittags einen Wert festlegt, um den der Kurs nur um jeweils zwei Prozent nach oben oder unten schwanken darf. Die Handelsspanne war im März von einem Prozent verdoppelt worden.

Beobachter wiesen darauf hin, dass die Lockerung vor allem kleinere Kunden der Banken betrifft. Für Privatkunden gelten aber noch weiter Beschränkungen, wie viele US-Dollar im Jahr gekauft werden dürfen. Große Unternehmenskunden bekommen ohnehin schon den Wechselkurs am Interbankenmarkt.

Die deutsch-chinesischen Wirtschaftsbeziehungen

Handelsvolumen

China ist der nach Frankreich und den Niederlanden der größte Handelspartner Deutschlands. 2013 wurden Waren im Wert von mehr als 140 Milliarden Euro ausgetauscht. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) geht davon aus, dass China in etwa zehn Jahren zum Handelspartner Nummer eins aufsteigen wird.

Exporte

Die Exporte nach China summierten sich 2013 auf rund 67 Milliarden Euro. Exportschlager sind Maschinen, Fahrzeuge und chemische Produkte. Für Unternehmen wie Audi ist China bereits der wichtigste Absatzmarkt.

Importe

Die Chinesen schickten 2013 Waren im Wert von gut 73 Milliarden Euro hierher und damit etwa viermal so viel wie 2000. Vor allem Computer, Handys und Elektronik liefert der Exportweltmeister nach Deutschland. Weitere Verkaufsschlager sind Bekleidung und elektrische Ausrüstungen.

Investitionen

Mehr als 26,5 Milliarden Euro haben deutsche Unternehmen bislang in China investiert. Etwa 4000 Firmen sind dort aktiv. Allein 2012 stiegen die deutschen Investitionen in der Volksrepublik um 28,5 Prozent auf 1,45 Milliarden Dollar. Umgekehrt zieht es immer mehr Chinesen nach Deutschland. 98 Unternehmen siedelten sich 2012 hierzulande neu an - China ist damit Auslandsinvestor Nummer drei, nach den USA und der Schweiz. 2000 Unternehmen sind inzwischen hier ansässig.

„Von den zehn Milliarden US-Dollar an täglichem Handelsvolumen im großen chinesischen Interbankenmarkt stammt nur ein kleiner Anteil von der Nachfrage durch individuelle Kunden“, sagte der Experte Liu Dongliang von der China Merchants Bank dem „Wall Street Journal“.

Die Lockerung ist dennoch ein weiterer Schritt auf dem Weg zur angestrebten marktwirtschaftliche Liberalisierung des bisher streng kontrollierten Wechselkurses. Ein größerer Spielraum für Chinas Währung soll zu dem erklärten Ziel der neuen Führung beitragen, die Ressourcen in China durch Marktkräfte effizienter zu verteilen.

Zwar klagen die USA immer wieder über einen unterbewerteten Yuan, mit dem China seine Ausfuhren künstlich verbillige, doch hob eine Denkfabrik der Bank of China laut Xinhua hervor, dass der Wechselkurs inzwischen ein ausgewogenes Niveau erreicht habe. Zu dem Ergebnis sei das Internationale Finanzforschungsinstitut in einem Vergleich zwischen Handelsdefizit und Wirtschaftsleistung gekommen.

Die Leistungsbilanz im Vergleich zur Bruttoinlandsprodukt sei von 10 Prozent 2007 auf 2,1 Prozent im vergangenen Jahr gefallen. Ein Wert von 3 Prozent werde allgemein als ausgeglichen betrachtet, hieß es.

Von

dpa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×