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17.05.2011

01:03 Uhr

Währungskrise

Europa setzt Griechenland unter Druck

Die Geduld mit dem Pleitekandidaten Griechenland nähert sich dem Ende. Der Eurogruppen-Chef Juncker schließt die Einbeziehung von Privatgläubigern nicht mehr aus.

Eine EU-Fahne weht über der Akropolis in Athen. Quelle: dpa

Eine EU-Fahne weht über der Akropolis in Athen.

BrüsselDer Pleitekandidat Griechenland muss nach dem Willen der Euro-Partner im laufenden Jahr mehr Tempo beim Sparen machen. Die Regierung in Athen muss unter anderem das Privatisierungsprogramm richtig ins Rollen bringen. „Die Privatisierung in Griechenland ist in Verzug, das muss sich ändern“, sagte die französische Wirtschaftsministerin Christine Lagarde am späten Montagabend nach Beratungen mit den Euro-Kassenhütern in Brüssel.

Eine „sanfte“ Umschuldung des Landes werde nicht mehr ausgeschlossen, sagte der Vorsitzende der Euro-Finanzminister, Luxemburgs Jean-Claude Juncker. Dazu können laut Diplomaten Laufzeitverlängerungen für Kredite oder Zinsverbilligungen gehören. Eine Umschuldung im größeren Stil, bei der auch private Gläubiger auf ihre Forderungen verzichten müssen, sei nicht debattiert worden, sagte Juncker.

Der luxemburgische Premier hält auch ein neues Hilfspaket für möglich. Zu Beträgen äußerte er sich nicht; in der Debatte sind 30 bis 60 Milliarden Euro. Konkrete Beschlüsse fielen nicht - die Juni-Sitzung der obersten Kassenhüter dürfte mehr Klarheit bringen. Juncker und EU-Währungskommissar Olli Rehn richteten einen dramatischen Appell an Athen, den Ernst der Lage zu erkennen. „Wir brauchen eine parteienübergreifende Vereinbarung, wie in Portugal“, sagte Juncker.

Die Minister hatten zuvor ein Hilfspaket von 78 Milliarden Euro für Schuldensünder Portugal unter Dach und Fach gebracht. Die ersten Hilfen sollen bereits Ende Mai nach Lissabon fließen. Im Club der mächtigen Minister werden inzwischen radikale Maßnahmen zu Griechenland debattiert. So fordern einige Ressortchefs die Einschaltung einer unabhängigen Agentur bei den Privatisierungen.

Auch soll ein Gesetz in Athen verabschiedet werden, um die private Kapitalflucht zu unterbinden. Athen kommt nach neuesten Zahlen im laufenden Jahr auf ein Defizit von 9,5 Prozent der Wirtschaftsleistung, das im kommenden Jahr nur geringfügig sinken soll. Juncker äußerte sich betroffen über die Festnahme von IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn in New York wegen Vorwurfs der Vergewaltigung. „Das macht mich sehr traurig.“ Der Franzose sei ein guter Freund. Die Minister debattierten auch den Rettungsfonds ESM, der von 2013 an für die Rettung klammer Eurostaaten bereitstehen soll.

Es ging auch um den derzeitigen Fonds EFSF, der aufgestockt werden soll. Ein Ergebnis soll - wie ursprünglich geplant - bis Ende Juni vorliegen. Der Euroclub nominierte auch den italienischen Notenbankchef Mario Draghi als neuen Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB). Die Französin Lagarde forderte, dass EZB-Ratsmitglied Lorenzo Bini Smaghi nun „mit Eleganz“ seinen Platz für einen Franzosen räumen sollte. Es sei nicht logisch, dass zwei Italiener - Draghi und Bini Smaghi - in dem Spitzengremium vertreten seien. Amtsinhaber Jean-Claude Trichet aus Frankreich scheidet Ende Oktober aus.

Von

dpa

Kommentare (7)

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Alfred_H

17.05.2011, 06:37 Uhr

Hört, hört!! "Europa setzt Griechenland unter Druck." Da können die Griechen enspannt weiter Ouzo trinken. Denn wie fühlt man sich unter Druck gesetzt, wenn man weiß dass der Euro immer rollt? Egal ob Griechenland spart oder nicht. Der Druck der EU auf Griechenland lautet folgendermaßen: "Entweder ihr spart oder wir Überweisen trotzdem regelmäßig die Euros an euch!" Einfach lächerlich diese korrupte Politikerbande.

Leibniz

17.05.2011, 09:01 Uhr

Griechenland wäre nie in den Euro gekommen, wenn nicht Goldman Sachs nachgeholfen hätte. Jetzt sind ca. 50000 Unternehmen pleite gegangen und der Lebensstandard ist um 25 % gesunken. Griechenland ist am Ende, soll aber die Schulden der privaten Spekulanten weiter bezahlen, welche mit den Rettungsgeldern schon längst in Rohstoffe und Lebensmittel spekulieren. Bei der Spekulation muß man ansetzen: Trennbankensystem wird in den USA schon diskutiert (H.R. 1489, Nancy Kaptor) - wann in Europa?

Account gelöscht!

17.05.2011, 09:05 Uhr

Griechenland wird erpresst. Entweder Verkauf allen Eigentums an ausländische Banken und damit die Reichen der Welt oder ... Griechenland sollte sich für den anderen Weg entscheiden.

Was bei der Verscherbelung des Landesbesitzes herauskommt sehen wir bei uns. Alles verramscht, Stromnetze, Gasnetze, Telefonnetze sogar die Bahn. Die Preise für die Bürger explodieren, die Infrastruktur wird immer schlechter.
Und der Staat und die Kommunen sind trotzdem Pleite.

Privatisierung ist ein Irrweg. Er stillt kurz die Gier der Banken, aber eben nur kurz.

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