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28.12.2011

10:52 Uhr

Währungsstreit

USA verzichten auf Sanktionen gegen China

Die Amerikaner ärgern sich schon lange über den unterbewerteten Yuan. Allerdings gibt sich das Finanzministerium der USA nachsichtig: Gezielte Manipulation wirft es den Chinesen nicht vor – zum Verdruss der US-Industrie.

Wechselstube in Hongkong: Amerika ärgert sich über den Yuan. ap

Wechselstube in Hongkong: Amerika ärgert sich über den Yuan.

WashingtonIm langjährigen Währungsstreit mit China verzichten die USA auf Sanktionen gegen den aufstrebenden Konkurrenten. Eine gezielte Währungsmanipulation könne der Volksrepublik nicht vorgeworfen werden, schrieb das Finanzministerium in seinem am Dienstagabend veröffentlichten Halbjahresbericht an den Kongress. Das wäre die Voraussetzung für gezielte Sanktionen, wie sie von Industrieverbänden gefordert wird. Allerdings lasse die Regierung in Peking ihren Yuan viel zu langsam und „nicht ausreichend“ aufwerten. Der Industrieverband Alliance for American Manufacturing kritisierte die Einschätzung und verlangt ein härteres Vorgehen gegen China.

„Chinas Währung ist noch immer enorm unterbewertet“, sagte Verbandschef Scott Paul. „Ich bin enttäuscht, dass Präsident Obama nun schon sechs Mal darauf verzichtet hat, China der Währungsmanipulation zu beschuldigen, denn diese Praxis hat zum Verlust Hunderttausender Jobs in der amerikanischen Industrie beigetragen.“ Dem Exportweltmeister wird seit Jahren vorgeworfen, den Wechselkurs des Yuan künstlich niedrig zu halten und sich so Vorteile auf den internationalen Märkten zu verschaffen.

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Durch ein Devisenabkommen verpflichtet sich China indirekt zu einer Währungsreform.

In diesem Jahr hat der Yuan um vier Prozent im Vergleich zum US-Dollar aufgewertet. Das Peterson Institute for International Economics hält die Währung aber immer noch für 24 Prozent unterbewertet. Auch deshalb dürfte das Defizit der USA im Handel mit der Volksrepublik in diesem Jahr einen Rekordwert erreichen: Allein von Januar bis Oktober übertrafen die Importe aus China die Exporte dorthin um 245,5 Milliarden Dollar. „Das Finanzministerium wird das Tempo der Aufwertung genau verfolgen und auf eine andere Verfahrensweise drängen, die eine größere Flexibilität der Wechselkurse, eine Gleichbehandlung und einen dauerhaften Wechsel hin zu einer von der Binnennachfrage bestimmten Wachstum ermöglichen“, schrieb das Finanzministerium.

Der Senat hat bereits die Geduld mit dem Konkurrenten um die politische und wirtschaftliche Vorherschafft verloren. Er hat in diesem Jahr erstmals Strafzölle gegen chinesische Produkte verlangt. Präsident Barack Obama hatte China im November ebenfalls in ungewohnt scharfer Form attackiert. „Genug ist genug“, sagte Obama bei der Abschlusspressekonferenz des asiatisch-pazifischen Wirtschaftsforums (Apec) in Honolulu. Die Volksrepublik müsse sich endlich wie eine „erwachsene Volkswirtschaft“ benehmen und aufhören herumzuspielen.

Die beiden weltgrößten Volkswirtschaften sind aufeinander angewiesen. Für Exportweltmeister China sind die USA der wichtigste Kunde. Umgekehrt ist China der größte ausländische Gläubiger der USA.

Fakten zu den Weltwährungen

Noch dominiert der Dollar

Der Dollar hat derzeit noch den größten Anteil an den internationalen Währungsreserven (61,4 Prozent). Darauf folgt der Euro mit 27,0 Prozent Anteilen. Das Pfund besitzt 4,1 Prozent Anteile an den internationalen Währungsreserven, der Yen 3,6 Prozent und 3,9 Prozent teilen sich sonstige Währungen.

Devisentransaktionen

85 Prozent aller Devisentransaktionen entfielen 2010 auf den Dollar. Damit hat die US-Währung an Bedeutung verloren - vor zehn Jahren war der Dollar an 90 Prozent aller Transaktionen beteiligt. Auf den Euro entfielen 2010 39 Prozent aller Transaktionen, der Yen kam auf 19 Prozent, das Britische Pfund auf 13 Prozent.

(Anmerkung.: die Zahlen summieren sich auf 200 Prozent, da bei jeder Transaktion zwei Währungen beteiligt sind, Quelle: Bank für Internationalen Zahlungsausgleich)

Schuldenberge

Die Staatsschulden Chinas betragen seit fünf Jahren kontinuierlich um die 20 Prozent des BIP. Die Schulden Europas und der USA steigen hingegen an. 2010 lagen sie zwischen 80 und 90 Prozent des BIP.

Schuldenabbau durch Inflation

52.000 Milliarden Dollar beträgt die Gesamtverschuldung von Unternehmen, Staat und Bürgern der USA, das entspricht rund 355 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Ökonomen vermuten, Amerika werde die Staatsschulden durch Inflation abschmelzen. Die Folge wäre ein Dollar-Crash.

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

28.12.2011, 14:05 Uhr

Wie großzügig von dem US-Scheriff Obama. Wurde ihm jetzt endlich mitgeteilt, dass die USA eigentlich den Chinesen gehören???
Danke

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