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05.09.2014

11:40 Uhr

Waffenlieferung in den Irak

Bundeswehr fliegt mit russisch-ukrainischer Maschine

Um die militärische Ausrüstung für die Kurden in den Irak zu bringen, muss die Bundeswehr Transportflugzeuge chartern. Pikant: Verleiher ist eine russisch-ukrainische Firma. Sie steht Nato- und EU-Staaten zu Diensten.

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Die Bundeswehr chartert ein Transportflugzeug des russisch-ukrainischen Gemeinschaftsunternehmens Ruslan Salis mit Sitz in Leipzig. Die Maschine des Modells Antonow An-124 brachte am Freitag vom Flughafen Leipzig-Halle Lebensmittel und Sanitätsmaterial in die Kurdenmetropole Erbil.

Die Entladung der Maschine mit rund 9500 militärischen Ausrüstungsgegenständen werde etwa zwei Stunden dauern. Teile der Fracht sollen noch im Laufe des Tages den kurdischen Streitkräften (Peschmerga) übergeben werden. Wegen der politischen Befindlichkeiten in Bagdad hatte die Maschine dort zwischenlanden müssen. Gegen Mitternacht war die Frachtmaschine in Deutschland gestartet.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Bundesregierung ein Flugzeug bei dem russisch-ukrainischen Unternehmen chartert. Seit der Gründung von Ruslan Salis im Jahr 2006 hat das Unternehmen mehr als 300 Flüge für die Bundesregierung ausgeführt. Nicht nur Deutschland nimmt die Dienste des Unternehmens in Anspruch: Ruslan Salis übernimmt Charter-Flugdienste für die EU und Nato-Partnerstaaten mit Flugzeugen des Typs AN-124-100 für friedenserhaltende und humanitäre Einsätze. Die Antonows haben eine Ladekapazität von bis zu 150 Tonnen, was den Transport von verschiedenen Arten der Ladungen ermöglicht.

Die einflussreichsten Rebellengruppen in Syrien

Islamische Front

Sie ist ein Zusammenschluss aus sechs großen islamistischen Gruppen. Die Islamische Front ist vermutlich die größte Rebellenallianz in Syrien und verfügt über 40.000 bis 50.000 Kämpfer. Ihre Mitglieder sind sunnitische Extremisten, die einen islamischen Staat in Syrien errichten wollen. Die Haltung der Islamischen Front gegenüber den Extremisten von IS ist ambivalent. Teile der Gruppe unterstützen aber den Kampf gegen sie.

Nusra-Front

In der einflussreichen Rebellengruppe sind sowohl syrische als auch ausländische Extremisten aktiv. Sie ist von Al-Kaida offiziell als Ableger in Syrien anerkannt. Die Nusra-Front hat als erste Gruppierung in Syrien Selbstmord- und Autobombenanschläge in Stadtgebieten verübt. Sie kämpft für einen islamischen Staat, hat zwischen 7000 und 8000 Anhänger und arbeitete bislang eng mit der Islamischen Front zusammen.

Islamischer Staat

Die Gruppe wurde von abtrünnigen Mitgliedern der Nusra-Front gebildet und vereinigte sich mit dem Al-Kaida-Ableger im Irak. Früher nannte sie sich Islamischer Staat im Irak und der Levante (Isil). Angeführt wird IS von Abu Bakr al-Baghdadi, der die Forderung der Al-Kaida ignorierte, den Schwerpunkt der Aktivitäten auf den Irak zu legen. Anfang des Jahres kappte Al-Kaida die Verbindungen zur IS, die als die militanteste Extremistengruppen in Syrien gilt.

Zunächst hatte die Gruppierung unter anderem wegen ihrer strikten Haltung gegen Plünderungen einen Großteil der syrischen Bevölkerung auf ihrer Seite. Dies änderte sich, als sie begann, Kritiker zu entführen und zu töten.

Derzeit kämpft IS an mehreren Fronten - gegen rivalisierende Rebellen in Syrien und gegen die Kurden im Nordirak. Die Gruppe soll über 6000 bis 7000 Kämpfer verfügen. Im Irak wird sie durch Zehntausende Kämpfer sunnitischer Stämme unterstützt, die von der Zentralregierung in Bagdad enttäuscht sind.

Syrische revolutionäre Front

Die Allianz aus weitgehend nicht ideologisch geprägten Rebellen-Einheiten formierte sich im Dezember. Das Rückgrat der Gruppe bildet die Syrische Märtyrer-Brigade, eine einst einflussreiche Gruppe aus der nördlichen Provinz Idlib unter Führung von Dschamal Maruf. Ihm war von rivalisierenden Rebellengruppen vorgeworfen worden, für den Aufstand bestimmtes Geld in die eigene Tasche gesteckt zu haben. Die Anhänger der revolutionären Front sind weitgehend moderate Islamisten. Finanziell unterstützt wird die Gruppe vermutlich von Golfstaaten wie Saudi-Arabien.


Mudschaheddin-Armee

Sie bildete sich zu Jahresbeginn aus acht syrischen Gruppen und startete eine Offensive gegen die Extremisten von IS. Die Allianz ist moderat islamistisch und hat nach eigenen Angaben rund 5000 Mitglieder.


Höchstes Militärkommando

Es handelt sich um eine moderate, nicht ideologische Gruppe. Sie wird von westlichen Ländern wie den USA unterstützt. Auch die Türkei und die arabischen Golfstaaten stehen auf ihrer Seite. Sie hat niemals den Eindruck ausräumen können, dass ihre Führung aus dem Ausland kommt.

Dass auf die russisch-ukrainischen Dienste zurückgegriffen werden muss, liegt daran, dass Flugzeuge dieser Größe bei den westlichen Verbündeten fehlen. Die Nato vereinbarte daher im Jahr 2006 das Transportprogramm mit Ruslan Salis, um die Zeit zu überbrücken, bis der europäische Transportflieger A400M von Airbus zur Verfügung steht. Dessen Auslieferung ist um Jahr verzögert.

Normalerweise sind die riesigen Frachtflugzeuge für die Bundeswehr im Einsatz, um beispielsweise Material aus Afghanistan nach Deutschland zurückzubringen. Während sich im Osten der Ukraine prorussische Separatisten und ukrainische Regierungstruppen heftige Gefechte liefern, klappt die Kooperation in Leipzig aus Sicht der Bundeswehr „sehr unkompliziert“, wie ein Sprecher der Luftwaffe sagt.

Die erste Maschine mit deutscher Militärausrüstung für den Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) bringt neben Schutzwesten und Gefechtshelme auch Geräte zur Minensuche und zur Munitionsbeseitigung nach Erbil. Der Termin für die erste Lieferung deutscher Waffen in den Irak steht indes noch nicht fest. Es ist aber geplant, diese noch im September nach Erbil zu schicken.

Kommentare (3)

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Herr Klaus - Peter Schrön

05.09.2014, 12:07 Uhr

Gott sei Dank ist es so. Pikant wäre es ehr umgedreht.
Vernunft ist auch da noch vorhanden.

Herr Johannes-Norbert Lüpke

05.09.2014, 12:11 Uhr

Warum sollte es auch Probleme geben? Verträge werden weiterhin mit Russland beidseitig eingehalten und etwas Ruhe in Klein-Asien kommt den Russen auch zurecht. Die Antonow ist auch bei der Wirtschaft sehr beliebt, wenn eben große Maschinenteile in die Welt geflogen werden müsssen, dort hin wo Häfen nicht angefahren werden können oder die Entladung nicht möglich wäre.
Also ist das nun nichts besonderes oder pikantes.

Frau Margrit Steer

08.09.2014, 17:20 Uhr

Na das geht doch aber gar nicht. Putin ist doch so böse, da kann man doch nicht ein Flugzeug von ihm fliegen
(Ironie aus)

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