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08.04.2015

11:44 Uhr

Waffenlieferungen an Militärkoalition

Saudi-Arabien kommt zügiger an US-Waffen

Eine internationale Allianz um Saudi-Arabien kämpft gegen die Huthi-Rebellen im Jemen. Nun bekommen die Kämpfer neue Waffen. Die USA beschleunigen ihre Lieferungen – und wollen mit Geheimdienstinformationen helfen.

Der stellvertretende US-Außenminister sagt den Saudis die Unterstützung der USA zu. AFP

Antony Blinken

Der stellvertretende US-Außenminister sagt den Saudis die Unterstützung der USA zu.

RiadDie USA beschleunigen die Waffenlieferungen an Saudi-Arabien und die mit dem Königreich verbündeten Staaten, die im Jemen Luftangriffe auf schiitische Aufständische fliegen. Washington stelle außerdem zusätzliche Geheimdienstinformationen zur Verfügung, sagte der stellvertretende US-Außenminister Antony Blinken in der saudi-arabischen Hauptstadt Riad. Außerdem sei eine gemeinsame Arbeits- und Planungsgruppe gebildet worden, die im saudi-arabischen Operationszentrum die Angriffe betreue.

Blinken hatte am Dienstag mit wichtigen Mitgliedern der saudischen Königsfamilie gesprochen und auch Jemens Präsident Abed Rabbo Mansur Hadi getroffen. Dieser ist vor den vorrückenden Huthi-Rebellen ins Ausland geflohen. Blinken sagte, die USA und die sechs Staaten des Golf-Kooperationsrates müssten eng zusammenarbeiten und alle Parteien zu einer politischen Lösung drängen. Bei den Kämpfen kamen nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation mindestens 560 Menschen um, mehr als 1700 wurden verletzt, etwa 100.000 sind auf der Flucht.

Krieg im Jemen: Eine Chronologie

Januar 2011

Im Land beginnen, inspiriert durch den Arabischen Frühling, Massenproteste gegen Langzeitherrscher Salih. Das Regime geht mit Gewalt gegen Demonstranten vor. (Quelle: dpa)

Januar 2012

Ex-Präsident Ali Abdullah Salih gibt seine Macht an seinen Vize Abed Rabbo Mansur Hadi ab. Nach offiziellen Angaben starben in dem ein Jahr andauernden Widerstand mehr als 2000 Demonstranten.

März 2013

Ein nationaler Dialog soll den Übergang zur Demokratie ermöglichen. Mehrere politische Gruppen, darunter auch die Huthis, arbeiten an einer neuen Verfassung. Als es zu Gefechten zwischen salafistischen Gruppen und Huthis im Norden des Landes kommt, distanziert sich der Stamm Anfang 2014 vom Ergebnis der Konferenz.

September 2014

30.000 Huthi-Anhänger belagern die Hauptstadt Sanaa und übernehmen wichtige Regierungsgebäude. Im Oktober erzwingen die Rebellen von Präsident Hadi eine Regierungsumbildung, im Osten und Süden des Landes rücken sie weiter vor.

Januar 2015

Die Huthi umstellen in Sanaa den Präsidentenpalast mit Panzern. Hadi und mehrere Regierungsmitglieder werden unter Hausarrest gestellt, der Präsident bietet seinen Rücktritt an.

Februar 2015

Hadi flieht ins südjemenitische Aden und ernennt seinen Fluchtort zur neuen Hauptstadt. Die Rebellen beginnen mit ihrem Marsch gen Aden.

März 2015

Mit Hilfe von Getreuen des Ex-Präsidenten Salih erobernd die Huthis die letzten Militärbasen vor Aden. Hadi bittet seine arabischen Nachbarn um eine Intervention, er selbst taucht unter.

Das sunnitische Saudi-Arabien und seine Verbündeten fliegen seit zwei Wochen Luftangriffe auf die Rebellen. Die Gruppe aus dem Norden des Landes hatte im Januar bereits die Hauptstadt Sanaa vollständig unter ihre Kontrolle gebracht. Riad wirft dem Iran vor, die Huthis zu unterstützen, doch gibt es dafür bisher nur wenige Belege. Mit den Luftangriffen sollte nun der Vormarsch der Miliz auf die südliche Hafenstadt Aden gestoppt werden.

Doch die Huthis haben sich bislang nicht aufhalten lassen. Deswegen gibt es Spekulationen, dass bald Bodentruppen eingesetzt werden. Die Geheimdienstinformationen könnten Saudi-Arabien helfen, Angriffsziele im Jemen besser zu identifizieren.

Tote im Jemen: Angst vor humanitärer Katastrophe

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Internationale Hilfsorganisationen warnen davor, dass der Konflikt im Jemen zu einer humanitären Katastrophe sondergleichen werden könnte. Die Weltgesundheitsorganisation veröffentlicht alarmierende Zahlen.

US-Verteidigungsminister Ashton Carter äußerte sich derweil besorgt, dass die Dschihadistengruppe Al-Kaida auf der Arabischen Halbinsel (Aqap) das aktuelle Chaos im Jemen nutzt, um ihr Einflussgebiet auszuweiten. Carter kündigte an, dass die USA weiter gegen die Bedrohung durch die Extremisten vorgehen würden, auch wenn dies mit einer funktionierenden Regierung natürlich einfacher sei. Die USA fliegt seit Jahren Drohnenangriffe auf Aqap-Mitglieder. Der Gruppe gelang es angesichts der aktuellen Kämpfe, das Armeehauptquartier und den Hafen von Al-Mukalla zu erobern.

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