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06.03.2017

03:43 Uhr

Wahl in Frankreich

Konservative wollen gegen Fillon putschen

Führende französische Konservative wollen ihre Chance auf das Präsidentenamt wahren – und François Fillon stürzen. Der sieht sich nach einer Großkundgebung gestärkt. Ex-Premier Juppé sorgt mit einem Tweet für Aufregung.

Französischer Präsidentschaftskandidat

Trotz fehlender Unterstützung aus eigenen Reihen will Fillon nicht zurücktreten

Französischer Präsidentschaftskandidat: Trotz fehlender Unterstützung aus eigenen Reihen will Fillon nicht zurücktreten

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ParisMit einer Großkundgebung hat sich der angeschlagene französische Präsidentschaftskandidat François Fillon gegen Rücktrittsforderungen aus dem eigenen Lager gestemmt. Vor Zehntausenden Anhängern prangerte der Konservative in Paris das Verhalten seiner Kritiker als „Fahnenflucht“ an. In einem Fernsehinterview bekräftigte Fillon am Sonntagabend, dass er sich nicht zurückziehen werde.

Wichtige Parteikollegen forderten einen „Ausweg aus der Krise“. Der ehemalige Premierministers Alain Juppé, den einige als möglichen Ersatzkandidaten ins Spiel gebracht hatten, kündigte für Montagvormittag eine Erklärung an. Er werde sich am Montag um 10.30 Uhr in Bordeaux vor der Presse äußern, erklärte Juppé am Sonntagabend auf Twitter, ohne ein Thema oder Details zu nennen. Juppé war in den vergangenen Tagen immer wieder als möglicher Ersatzkandidat der französischen Konservativen gehandelt worden, falls der angeschlagene Fillon sich zurückziehen sollte. Dieser hatte allerdings kurz vor Juppés Tweet am Sonntag nochmals erklärt, dass er dies nicht vorhabe.

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Immer mehr Konservative in Frankreich rücken von François Fillon ab. Doch der setzt auf ein starkes Zeichen der Basis – sein Team hofft auf Zehntausende Unterstützer bei einer Demonstration in Paris.

Fillon steht seit Wochen wegen des Verdachts einer Scheinbeschäftigung seiner Frau auf Parlamentskosten unter Druck, er selbst weist die Vorwürfe zurück. Nun wollen führende Politiker der Konservativen mit einem Putsch gegen den angeschlagenen Kandidaten in letzter Minute die Chancen auf das Präsidentenamt retten. Bis zu einem Krisentreffen der Partei am Montagmorgen werde man einen „alternativen Weg zu Fillon” vorschlagen, sagte der Bürgermeister von Nizza, Christian Estrosi, am Sonntag. Das einfachste sei, wenn der Zweitplatzierte bei der Vorwahl, Ex-Regierungschef Alain Juppé, übernehme. „Ich weigere mich, unsere Anhänger und Wähler in den kollektiven Suizid zu führen“, sagte er dem Sender BFMTV.

„Niemand kann mich daran hindern, Kandidat zu sein“, betonte Fillon im Sender France 2 unter Verweis auf seinen Sieg bei der Vorwahl der bürgerlichen Rechten im November. Er sei zu Gesprächen bereit, aber: „Das ist meine Entscheidung.“ Ich glaube fest, dass ein Rückzug dieser Kandidatur meine politische Familie in eine Sackgasse bringen würde“, sagte Fillon, der am Samstag 63 Jahre alt wurde. Nur sein stramm konservatives Programm ermögliche es, sich der Rechtspopulistin Marine Le Pen entgegenzustellen.

Fillon sah sich durch die Demonstration seiner Anhänger in der Nähe des Eiffelturms gestärkt: Sie habe bewiesen, dass die Wähler der bürgerlichen Rechten weiter hinter ihm stünden. Die Veranstalter sprachen von 200 000 Teilnehmern, der Sender BFMTV meldete unter Berufung auf eine Polizeiquelle dagegen 35.000 bis 40.000 Menschen.

Wichtige Konservative erhöhten den Druck weiter: „Ich weigere mich, unsere Anhänger und Wähler in den kollektiven Suizid zu führen“, sagte der wichtige Regionalpolitiker Christian Estrosi dem Sender BFMTV. „Wir haben keine Zeit für Debatten darüber, wer der Talentierteste ist.” Estrosi kündigte für die kommenden Stunden eine Initiative an, die von ihm und weiteren Parteischwergewichten unterstützt werde. Estrosi ist auch Abgeordneter in der Nationalversammlung und einflussreicher Politiker der Republikaner. Die Zeit drängt: Am 17. März läuft die Frist ab, bis zu der alle Präsidentschaftskandidaten formell bestätigt sein müssen. Nach Angaben der französischen Nachrichtenagentur AFP hatten sich am Wochenende auch Juppé und Ex-Staatspräsident Nicolas Sarkozy über die Lage abgestimmt.

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