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07.05.2015

12:03 Uhr

Wahl in Großbritannien

Wieso es Banker als Politiker schwer haben

VonKatharina Slodczyk

Wer die Banken reformieren will, braucht auch Banker in der Politik: So denken einige Ex-Banker, die jetzt für die Parlamentswahlen in Großbritannien kandidieren. Doch die Bevölkerung hat wenig Vertrauen in die Spezies.

Nach Ausbruch der Finanzkrise galt Barclays als das „inakzeptable Gesicht des Bankwesens“. AFP

Demonstranten gegen Barclays

Nach Ausbruch der Finanzkrise galt Barclays als das „inakzeptable Gesicht des Bankwesens“.

LondonAn guten Tagen öffnen sich die Türen, wenn er klingelt. Doch meist sind es dann nur die Kinderbetreuer, mit denen er reden kann – nicht die Bewohner, mit denen er eigentlich das Gespräch sucht. An vielen Tagen macht ihm gar keiner auf. Oder die Türen werden schnell wieder zugeschlagen, sobald er sich vorstellt.

Von diesen Erfahrungen hat Allen Simpson der englischen Zeitung „Guardian“ berichtet. Der 32-Jährige kandidiert im Südosten von England für die Labour-Partei. In seinem Wahlkreis liegen die Kandidaten der konservativen Tories und der Liberal-Demokraten aber in Umfragen deutlich vor ihm. Man müsse schon sehr viel Selbstbewusstsein und eine positive Einstellung mitbringen, um das auf sich zunehmen, räumt er daher ein.
Doch das ist nicht die einzige Hürde für Simpson bei den Parlamentswahlen an diesem Donnerstag. Erschwerend kommt hinzu: der Mann ist Banker.

Das sind die Parteien in Großbritannien

Neues Parlament wird gewählt

In wenigen Tagen wird in Großbritannien ein neues Parlament gewählt. Dabei werden sich Premierminister David Cameron und der Labour-Chef Ed Miliband voraussichtlich ein Kopf-an-Kopf-Rennen liefern. Traditionell wünscht man sich einen klaren Sieger, eine Partei, die absolute Mehrheit im Unterhaus hat. Stattdessen sich alle möglichen Kombinationen denkbar. Das sind die Parteien in Großbritannien:

Die Konservativen

Weniger Arbeitslose und eine gute Konjunktur, Senkung des Haushaltsdefizits um ein Drittel – eigentlich müsste Premierminister David Cameron die Wahl entspannt angehen. Die Konservative Partei (Conservative Party) liegt derzeit bei 33 Prozent, wie aus einer Umfrage des Instituts YouGov hervorgeht. Ein Sieg könnte zu einer Niederlage für Europa werden.

Labour Partei

Im Gegensatz zu Cameron bekennt sich sein größter Herausforderer Labour Parteichef Ed Miliband klar zur EU. Die Sozialdemokraten kommen aktuell auf 34 Prozent. Sollte er bei der Unterhauswahl neuer Premierminister werden, will Miliband kein Referendum über einen Verbleib Großbritanniens in der EU abhalten.

Ukip

Die UK Independence Party ist eine EU-skeptische und rechtspopulistische Partei, deren Hauptziel der Austritt des Vereinigten Königreiches aus der EU ist. Parteivorsitzender ist Nigel Farage. Die EU-Gegner der Ukip liegen der Umfrage zufolge bei 14 Prozent.

Die Liberaldemokraten

Die Liberaldemokraten (Liberal Democrats), mit denen David Cameron bei einem Sieg koalieren würde, liegen bei acht Prozent. Vorsitzender ist Nick Clegg. Er warnte zum Beispiel vor den schwerwiegenden Folgen eines EU-Ausstiegs für die britische Wirtschaft.

Die schottischen Nationalisten (SNP)

Die schottischen Nationalisten (Scottish National Party) setzen sich für ein unabhängiges Schottland ein. Die schottische Regierungschefin, Nicola Sturgeon, wirbelt derzeit Großbritanniens Politik durcheinander. Die Partei kommt auf nur vier Prozent.

Die Grünen

Wenn es nach den Plänen der britischen Grünen (Green Party) geht, soll die Monarchie abgeschafft werden, die Mitgliedschaft in Terrororganisationen strafffrei sein und Drogen legalisiert werden. Im Wahlprogramm der Vorsitzenden Natalie Bennet geht es natürlich um den Umweltschutz. Die Grünen liegen der Umfrage zufolge bei fünf Prozent.

Andere Parteien

Außerdem stellen sich zur Wahl: die walisische Regionalpartei Plaid Cymru sowie die nordirischen Parteien Democratic Unionist Party, Social Democratic and Labour Party, Alliance Party und Unabhängige und die katholische nordirische Partei Sinn Féin. Laut der YouGov-Umfrage liegen diese Parteien insgesamt bei drei Prozent.

Er arbeitet bei Barclays – der Großbank, der der ehemalige britische Wirtschaftsminister Peter Mandelson nach Ausbruch der Finanzkrise als das „inakzeptable Gesicht des Bankwesens“ bezeichnet hat. Später gehörte Barclays zu den ersten Geldhäusern, gegen die Aufsichtsbehörden wegen der versuchten Manipulation des wichtigen Zinssatzes Libor ein Millionenbußgeld verhängten.

Skandale wie diese haben die Reputation der Branche massiv beschädigt. Noch nicht mal ein Drittel der Briten sieht Banker nach einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Ipsos Mori als vertrauenswürdig an.
Politiker schneiden allerdings noch schlechter ab. Gerade mal 16 Prozent der Befragten gaben an, ihnen zu trauen. Das hat eine ganze Reihe von Bankern dennoch nicht davon abgehalten, jetzt den Wechsel in die Politik zu versuchen.

Dazu gehört auch Will Martindale. Er kandidiert ebenfalls für Labour. Im Süden von London versucht er einen Sitz wiederzugewinnen, den Labour 2010 an die Tories verloren hat. Martindale hat nach dem College zunächst für die US-Investmentbank JP Morgan gearbeitet. Zwischendurch ist er ausgestiegen, um einer Labour-Politikerin im Wahlkampf zu helfen, bevor er in die Finanzbranche zurückkehrte und für die französische Bank BNP Paribas arbeitete. Dann hat er sich erneut verabschiedet, um für eine Initiative der Vereinten Nationen und für die Hilfsorganisation Oxfam zu arbeiten.

Über seine Zeit in der Finanzindustrie, der britische Politiker seit der Krise mit strengerer Regulierung Grenzen zu setzen versuchen, sagte er der Nachrichtenagentur Bloomberg: „Man kann nicht versuchen, die Bankenbranche zu ändern, wenn man nicht Leute einbindet, die dort mal gearbeitet haben.“

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