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19.10.2015

08:35 Uhr

Wahl in Kanada

Harper fürchtet seinen smarten Kontrahenten

Kanada kann bei der Parlamentswahl eine Zeitenwende einläuten: Harper muss nach fast zehn Jahren als Regierungschef um seine Macht fürchten. In Umfragen führt der Liberale Trudeau. Der will eine Familientradition fortführen.

Stephen Harper droht der Machtverlust. ap

Wahlkämpfer

Stephen Harper droht der Machtverlust.

TorontoNach fast zehn Jahren an den Schalthebeln der Macht muss Stephen Harper um seinen großen kanadischen Traum bangen. Seine Wiederwahl als Premierminister ist akut gefährdet – und damit sein Ziel, das Image seiner Heimat als liberale Bastion vollends zu zertrümmern. Denn vor der Parlamentswahl an diesem Montag führt sein smarter Kontrahent Justin Trudeau knapp in den Umfragen. Und der kommt aus einer Familie, die sich mit der Macht bestens auskennt: Sein Vater ist der verstorbene Premier Pierre Trudeau, der als einer der charismatischsten Politiker Kanadas galt.

Es könnte also eng werden für Harper. Dabei ist dem 56-Jährigen nach seinem Amtsantritt 2006 gelungen, was viele Beobachter für unmöglich hielten: Mit seiner Konservativen Partei holte er drei Wahlsiege hintereinander und lenkte das politisch traditionell Mitte-links stehende Kanada nach rechts. Schritt für Schritt senkte Harper die Mehrwert- und Unternehmenssteuer, wich Klimaschutzgesetzen aus und unterstützte zulasten der Umweltschützer die Ölindustrie sowie die konservative israelische Regierung. Themen wie Gesundheitsversorgung und Multikulturalismus, die viele Kanadier mit Stolz erfüllen, maß der Premierminister hingegen weniger Bedeutung zu.

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Mit Harper ist Kanadas Gesicht über die Jahre konservativer geworden. Nicht zuletzt deshalb wäre eine Niederlage für ihn eine persönliche Katastrophe. Ehemalige Kollegen schildern, es gehe ihm langfristig um nichts weniger als eine Neudeutung dessen, was Kanadischsein bedeute. Für ihn gelte es, die lange vorherrschende Sicht aus der Welt zu schaffen, dass die Liberalen - die Partei der langjährigen Regierungschefs Trudeau und Jean Chrétien - ganz selbstverständlich Kanadas parteipolitische DNA prägten. „Sein ganzes Wesen dreht sich darum, die Liberalen zu zerstören“, sagt Geschichtsprofessor Robert Bothwell über Harper.

Die Liberale Partei konnte ihre Führung in den Umfragen zuletzt um mehr als sieben Prozentpunkte ausbauen. Laut einer Erhebung von CTV, „Globe and Mail“ und Nanos kommt sie derzeit auf 37,1 Prozent, die Konservativen um Harper auf 29,4 Prozent. Die Neuen Demokraten, die sich im Streben nach einem ersten Wahlerfolg von links in die Mitte orientiert haben, lägen bei 23,7 Prozent. Die Fehlermarge der Umfrage unter 1200 Bürgern betrug 2,8 Prozentpunkte.

Bleibt es dabei, ist das wahrscheinlichste Szenario in dem 338 Sitze umfassenden Parlament in Ottawa eine Minderheitsregierung, ganz egal welche Partei die meisten Mandate auf sich vereint. Damit wäre die Partei mit den meisten Stimmen für die Verabschiedung von Gesetzen auf die Unterstützung einer anderen angewiesen.

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