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09.07.2012

06:17 Uhr

Wahl in Libyen

Vorsprung für liberale Allianz

Bei der ersten demokratischen Wahl in Libyen zeichnet sich ein Vorsprung für die liberale Allianz ab. Deren Führer Mahmud Dschibril hat jetzt die politischen Parteien des Landes zur Einheit aufgerufen.

Mahmud Dschibril, Führer der Allianz der Nationalen Kräfte. Reuters

Mahmud Dschibril, Führer der Allianz der Nationalen Kräfte.

TripolisErstmals nach der Ära Gaddafi haben die Libyer ein demokratisches Parlament gewählt. Bei der Auszählung der Stimmen zeichnete sich am Sonntag ein deutlicher Vorsprung für die liberale Allianz von Mahmud Dschibril ab. Die Gruppierung des ehemaligen Übergangsministerpräsidenten habe in der Hauptstadt Tripolis und in Bengasi die meisten Stimmen erhalten, meldeten Wahlbeobachter nach Wählerbefragungen. Die islamistische Muslimbruderschaft belegte demnach den zweiten Platz. In den Nachbarländern Ägypten und Tunesien hatten sich nach jahrzehntelanger Unterdrückung bei Wahlen islamistische Parteien durchgesetzt. Offizielle Ergebnisse sollen erst in den nächsten Tagen veröffentlicht werden.

Ein Vertreter der liberalen Allianz gab sich äußerst optimistisch. „Die Ergebnisse der Allianz sind im ganzen Land gut, aber das sind inoffizielle Zahlen, die wir jetzt noch nicht veröffentlichen können“, sagte Salah al-Bischari, Koordinator des Bündnisses in Bengasi, im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa. Er berief sich dabei auf Zwischenergebnisse. Optimistisch zeigte sich auch die Muslimbruderschaft. „Aber egal wie die Ergebnisse ausfallen, wir werden sie ebenso respektieren wie die Entscheidung des libyschen Volkes“, sagte Mohamed Bair, Leiter der Islamisten-Vertretung in Bengasi.

Der Führer des liberalen Bündnisses Allianz der Nationalen Kräfte, Mahmud Dschibril, hat die politischen Parteien des Landes zur Einheit aufgerufen. Er wolle einen "nationalen Dialog", damit die politischen Parteien "in einer Koalition, unter einem Banner zusammenkommen" könnten, sagte Dschibril in der Nacht zum Montag. Ziel sei es jetzt, einen Kompromiss zu finden, eine Verfassung auszuarbeiten und eine neue Regierung zu bilden.

Bei der Wahl am Samstag habe es "keine Verlierer oder Gewinner gegeben", betonte Dschibril: "Wer immer gewinnt, Libyen ist der wahre Sieger dieser Wahl." Dschibril sagte, sein Bündnis werde die Veröffentlichung der offiziellen Wahlergebnisse abwarten. Zuvor hatte die rivalisierende islamistische Partei für Recht und Aufbau erklärt, die Allianz der Nationalen Kräfte liege in der Hauptstadt Tripolis und der zweitgrößten Stadt Bengasi deutlich in Führung. Mit ersten zuverlässigen Ergebnissen der Wahl wird für Montag oder Dienstag gerechnet.

Der neu gewählte Allgemeine Nationalkongress in Tripolis löst den Übergangsrat ab, den Funktionäre und Aktivisten während der Revolution informell gebildet hatten. Die 200 Abgeordneten sollen eine Übergangsregierung ernennen und die Wahl eines Rates vorbereiten, der eine Verfassung für das nordafrikanische Land schreiben soll. Bei der ersten demokratischen Wahl seit Jahrzehnten gaben am Samstag rund 63 Prozent der 2,8 Millionen registrierten Wähler ihre Stimme ab.

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