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02.01.2008

13:31 Uhr

Wahl in Pakistan verschoben

„Einziger glaubwürdiger Staatsmann, der übrig ist“

Die Wahlkommission in Pakistan hat die Parlamentswahlen auf den 18. Februar verschoben. Die Opposition kündigte umgehend Proteste gegen die Verschiebung an. Dabei könnte die Zeit helfen, eine neue Führungsperson zu finden. Denn die eine ist tot und die andere darf nicht zur Wahl antreten.

Nawaz Sharif ist der Hoffnungsträger der Opposition. Foto: AP ap

Nawaz Sharif ist der Hoffnungsträger der Opposition. Foto: AP

HB ISLAMABAD. Die Parlamentswahlen in Pakistan finden am 18. Februar statt. Wie die Wahlkommission am Mittwoch in der Hauptstadt Islamabad mitteilte, werde die ursprünglich für den 8. Januar geplante Abstimmung um knapp sechs Wochen verschoben. Nach dem Mord an Oppositionsführerin Benazir Bhutto am vergangenen Donnerstag waren bei landesweiten Ausschreitungen ihrer Anhänger auch zahlreiche Wahlbüros verwüstet und Wahlunterlagen vernichtet worden. Am 8. Februar endet der islamische Monat Muharram, der von Schiiten und Aleviten als Trauermonat begangen wird.

Die beiden großen Oppositionsparteien haben gefordert, dass die Wahl wie ursprünglich geplant am 8. Januar stattfinden soll. Sie werfen der Regierung vor, mit der Verschiebung eine sonst zu erwartende Niederlage abwenden zu wollen. Viele Beobachter rechnen damit, dass die Pakistanische Volkspartei (PPP) des Attentatsopfers Bhutto bei einer Wahl in der nächsten Woche von einem Sympathieschub profitieren könnte.

„Wir lehnen diese Verschiebung ab“, sagte Senator Babar Awan von der PPP. Wenn die Wahl torpediert werde, sei mit neuen Protesten und Unruhen zu rechnen. Bei den dreitätigen Unruhen im Anschluss an den Mordanschlag der vergangenen Woche kamen 58 Menschen ums Leben.

Die Wahlkommission begründet die Verschiebung mit organisatorischen Problemen, weil bei den Unruhen auch Büros der Kommission der Provinz Sindh angegriffen und zerstört worden seien. Der Vorsitzende der Wahlkommission, Qazi Mohammed Farooq , sagte auf einer Pressekonferenz, Provinzregierungen und regionale Wahlkommissionen hätten sich für eine Verschiebung der Wahlen ausgesprochen. Die Entscheidung sei auch in Abstimmung mit den politischen Parteien des Landes getroffen worden.

Nach dem Mord an Oppositionsführerin Benazir Bhutto am vergangenen Donnerstag waren bei landesweiten Ausschreitungen ihrer Anhänger auch zahlreiche Wahlbüros verwüstet und Wahlunterlagen vernichtet worden. Allein in der südlichen Provinz Sindh seien Einrichtungen der Wahlkommission in 13 der insgesamt 23 Distrikte niedergebrannt worden. Unter diesen Umständen sei es unmöglich gewesen, die Wahlen wie geplant abzuhalten, teilte Farooq weiter mit.

Für die PPP ist es wichtig, schnellstmöglich einen neuen Spitzenkandidaten zu finden. Nach dem Mord an Benazir Bhutto ist die pakistanische Opposition praktisch führungslos. Bhuttos 19-jähriger Sohn Bilawal kann vorerst nur als symbolischer Chef der Pakistanischen Volkspartei (PPP) betrachtet werden. Ihr Witwer Asif Ali Zardari ist von Korruptionsaffären zu belastet, um eine bedeutende politische Rolle zu spielen. Das dadurch entstandene Vakuum könnte Nawaz Sharif ausfüllen. „Er ist der einzige glaubwürdige Staatsmann, der noch übrig geblieben ist“, urteilt Rasul Bakhsh Rais, Politologe an der Universität von Lahore.

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