Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

28.01.2010

10:09 Uhr

Wahl in Sri Lanka

Herausforderer wittert nach Niederlage Wahlbetrug

VonHelmut Hauschild

Bei der Präsidentschaftswahl in Sri Lanka hat Amtsinhaber Mahinda Rajapaksa einen klaren Sieg errungen. Obwohl die Wahl selbst weitgehend friedlich verlief, deutet bisher nichts darauf hin, dass sie dem kriegsgebeutelten Staat endlich die erhoffte Stabilität bringen wird.

Amtsinhaber Mahinda Rajapaksa hat bei der Präsidentschaftswahl einen klaren Sieg errungen. Reuters

Amtsinhaber Mahinda Rajapaksa hat bei der Präsidentschaftswahl einen klaren Sieg errungen.

NEU-DELHI. Nach Angaben der amtlichen Wahlkommission haben 57,9 Prozent der Wähler für Rajapaksa gestimmt, 40,2 Prozent für seinen Herausforderer Sarath Fonseka, den ehemaligen Armeechef des Landes. Die Wahlbeteiligung lag bei rund 70 Prozent. Fonseka erhob gestern Abend den Vorwurf des Wahlbetrugs und kündigte mehrere Beschwerden bei der Wahlkommission an.

Soldaten umstellen Fonsekas Hotel

In der Hauptstadt Colombo umstellten schwer bewaffnete Soldaten in der Nacht zum Mittwoch das Hotel, in dem sich Fonseka aufhielt. Er fürchte seine Verhaftung, sagte Fonseka der Nachrichtenagentur Reuters per Telefon. Ein Armeesprecher wies dies zurück. Fonseka könne sich frei bewegen, sagte er. Aber unter seinen in dem Hotel versammelten rund 400 Anhängern seien viele Armeeangehörige und womöglich Deserteure, die einen Staatsstreich planen könnten.

Im Krieg gegen die für ihre Brutalität berüchtigte tamilische Separatistenorganisation Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) waren Rajapaksa und Fonseka enge Verbündete gewesen. Nur wenige Monate nach der blutigen Endoffensive, bei der auch tausende Zivilisten zwischen den Fronten starben, wurden sie jedoch zu erbitterten Feinden. Fonseka verließ die Armee und erklärte im November seine Kandidatur, die von einem bunten Bündnis programmatisch sehr unterschiedlicher Oppositionsparteien unterstützt wurde.

Unabhängige zivilgesellschaftliche Gruppen in Sri Lanka teilten gestern Fonsekas Vorwurf des Wahlbetrugs. Die Stimmenauszählung könne manipuliert worden sein, sagten die Vertreter zweier Organisationen dem Handelsblatt. Aus Angst vor Repressalien wollten sie nicht namentlich zitiert werden. Die EU und die UN hatten keine Wahlbeobachter nach Sri Lanka entsandt.

Ein anderer Grund für den hohen Sieg Rajapaksas könnte freilich auch die einseitige Wahlkampfwerbung für ihn in den staatlichen Medien gewesen sein. Der Präsident, seit 2005 im Amt, hat rund 350 Familienmitglieder und Freunde auf Schlüsselpositionen in Regierung, Staatsbetrieben und Medien gehievt und dadurch das Land massiv unter seine Kontrolle gebracht.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×