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09.05.2017

19:45 Uhr

Wahl in Südkorea

Favorit Moon wird neuer Präsident

Nach neun Jahren konservativer Regierungen erlebt Südkorea eine Wende. Der Linksliberale Moon Jae In will das Land nach den jüngsten politischen Krise einen. Der Korruptionsskandal hat die Südkoreaner gespalten.

Moon Jae In, hier mit seiner Frau Kim Jung-suk nach ihrer Stimmenabgabe, erklärte sich am Dienstag nach der Wahl zum Sieger. dpa

Wahlen in Südkorea

Moon Jae In, hier mit seiner Frau Kim Jung-suk nach ihrer Stimmenabgabe, erklärte sich am Dienstag nach der Wahl zum Sieger.

SeoulZwei Monate nach der Absetzung ihrer konservativen Staatschefin Park Geun Hye haben sich die Südkoreaner bei der vorgezogenen Präsidentenwahl für einen Machtwechsel entschieden. Der linksliberale Politiker Moon Jae In erklärte sich nach der Wahl am Dienstag zum Sieger. Er wolle ein „neues Land aufbauen“ und Präsident für alle Südkoreaner sein, rief der frühere Menschenrechtsanwalt zahlreichen Anhängern auf dem Gwanghwamun-Platz im Zentrum von Seoul zu. Nach Auszählung von knapp 80 Prozent der abgegebenen Stimmen sei Moon der Sieg sicher, berichteten südkoreanische Sender Der 64-Jährige lag demnach mit fast 40 Prozent der Stimmen weit vor seinen Mitbewerbern.

Die Wahl stand unter dem Eindruck des Korruptionsskandals um eine enge Vertraute Parks sowie der wachsenden Spannungen im Atomstreit mit der kommunistischen Führung in Nordkorea. Moon will wieder an die Politik der aktiven Annäherung an Pjöngjang unter Südkoreas früheren liberalen Präsidenten anknüpfen.

Mit der Wahl Moons zum neuen Staatsoberhaupt sei die Zeit ohne eine legitimierte politische Führung im Land endlich vorbei, sagte der Vorsitzende der deutsch-koreanischen Parlamentariergruppe des Bundestags, Hartmut Koschyk (CSU). „Dies ist von größter Bedeutung, damit man Südkoreas Stimme im Ringen um Entspannung und Frieden auf der koreanischen Halbinsel endlich wieder deutlich wahrnehmen kann.“

Die wichtigsten Kandidaten für die Präsidentenwahl in Südkorea

Moon Jae In

Für den linksliberalen Oppositionspolitiker stehen die Chancen nicht schlecht, im zweiten Anlauf Präsident des Landes zu werden. Der 64-Jährige konnte seine Führung in den letzten Umfragen vor der Wahl behaupten. Der frühere Menschenrechtsanwalt hatte die Wahl Ende 2012 gegen seine konservative Rivalin Park verloren. Moon ist ein Befürworter eines aktiven Annäherungskurses zur kommunistischen Führung in Nordkorea. Er betonte immer wieder, wie wichtig die Allianz Südkoreas mit den USA ist, kündigte aber auch für den Fall seines Siegs an, eine ausgeglichenere Beziehung zu Washington schaffen zu wollen. Moon will sich für eine gerechtere Verteilung des Wohlstands einsetzen. 

Ahn Cheol Soo

Der Millionär, Arzt und frühere Software-Entwickler von der kleineren Volkspartei galt lange Zeit als politischer Shooting-Star. Der als gemäßigt geltende Ahn sagt, er wolle das Land einen, das von einer korrupten Elite von Politikern und Unternehmern geführt werde. Unter anderem will der 55-Jährige die großen Familienkonzerne reformieren. Er spricht sich grundsätzlich für die Aufnahme eines Dialogs mit Nordkorea aus, will aber an den harten Sanktionen gegen die Führung in Pjöngjang festhalten, um diese im Streit über ihr Atomprogramm zum Einlenken zu bewegen. 

Hong Jun Pyo

Die Ansichten des rechtskonservativen früheren Staatsanwalts zu Fragen der Außen- und Sicherheitspolitik kommen denen von Park am nächsten. Hong geht für die Freiheitspartei Koreas ins Rennen. Der 62-Jährige steht hinter der umstrittenen Stationierung des neuen US-Raketenabwehrsystems THAAD in Südkorea, die unter Park beschlossen wurde. Auch steht er für eine harte Sanktionspolitik gegenüber Nordkorea. 

Sim Sang Jung

Die Links-Abgeordnete der Partei der Gerechtigkeit und frühere Aktivistin für die Stärkung der Arbeitsrechte lag zuletzt in den Umfragen abgeschlagen hinter Moon, Ahn und Hong. Sim spricht sich für einen Dialog mit Nordkorea aus. Auch will die 58-Jährige die eingestellten wirtschaftlichen Kooperationsprojekte mit dem Nachbarland wieder in Gang bringen. 

Yoo Seong Min

Der Ökonom und Mitte-Rechts-Abgeordnete der kleineren Bareun Partei setzt in seinen außen- und sicherheitspolitischen Ansichten auf eine starke Allianz mit den USA. Der 59-Jährige unterstützt wie Hong die Idee, wieder taktische Atomwaffen der USA nach Südkorea zu verlegen. Im Zentrum seiner Wirtschaftspolitik steht die Stärkung kleiner und mittelgroßer Unternehmen.

Moon war für die oppositionelle Demokratische Partei angetreten. Er setzte sich den Hochrechnungen zufolge deutlich gegen seine schärfsten Widersacher durch: Der konservative Hong Jun Pyo von der Freiheitspartei Koreas - der umbenannten Park-Partei Saenuri - kam danach auf 25,6 Prozent und der Zentrumspolitiker Ahn Cheol Soo auf 21,4 Prozent der Stimmen.

Hong hatte schon nach den ersten Prognosen praktisch seine Niederlage eingestanden. Er sei bei der vorhersehbaren Zustimmung von über 20 Prozent froh, „die zusammengebrochene Partei wiederaufgebaut zu haben“, sagte er. Nach neun Jahren Regierung unter konservativen Regierungen erlebt Südkorea damit wieder einen Linksrutsch. Es war Moons zweiter Anlauf für das höchste Staatsamt. Er hatte bei der Präsidentenwahl 2012 gegen Park verloren. Der neue Präsident soll am Mittwoch ohne die übliche zweimonatige Übergangszeit die Amtsgeschäfte aufnehmen.

Notwendig geworden war die Wahl nach der Amtsenthebung Park Geun Hyes durch das Verfassungsgericht am 10. März. Der Skandal hatte die Menschen des Landes monatelang aufgewühlt und dem liberalen Lager eine höhere Zustimmung eingebracht. Park muss sich wegen Bestechlichkeit, Machtmissbrauchs und anderer Vorwürfe vor Gericht verantworten. Im Zentrum der Affäre steht ihre Freundin Choi Soon Sil. Diese soll ihre Beziehungen zu Park benutzt haben, um Sponsorengelder für ihre Organisationen einzutreiben, und sich in die Staatsgeschäfte eingemischt haben.

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Neben dem wirtschafts- und sozialpolitischen Kurs in den nächsten fünf Jahren ging es bei der Wahl auch um den Umgang mit Nordkorea, das schwierige Verhältnis zu Japan und die Zusammenarbeit mit dem Bündnispartner USA. US-Präsident Donald Trump hatte mehrfach mit Alleingängen im Atomstreit mit Nordkorea gedroht und auch einen Militärschlag nicht ausgeschlossen. Moon setzt im Konflikt mit dem Norden auf ein gefestigtes Bündnis mit den USA, will aber wieder stärker auf Pjöngjang zugehen. Er machte aber klar, dass ein Dialog schwierig sein werde, sollte Pjöngjang einen weiteren Atomtest unternehmen. Etwa 42,5 Millionen Wahlberechtigte waren bei der Wahl aufgerufen, ihre Stimme abzugeben. Die Beteiligung lag nach Angaben der staatlichen Wahlkommission bei 77,2 Prozent.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Herr Marc Hofmann

09.05.2017, 15:17 Uhr

Endlich wieder ein Kerl wie Trump, Putin und Erdogan.
Bei uns leider.........Zauderraute.......

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