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19.12.2012

06:43 Uhr

Wahl in Südkorea

Kandidaten setzen auf Dialog mit Nordkorea

Die konservative Politikerin Park Geun Hye könnte die erste Frau an der Spitze Südkoreas werden. In den Umfragen liegt sie mit einem zarten Vorsprung vorn. 40 Millionen Südkoreaner sind wahlberechtigt.

Konfuzianische Gelehrte in traditioneller Kleidung bei der Stimmenabgabe. dapd

Konfuzianische Gelehrte in traditioneller Kleidung bei der Stimmenabgabe.

SeoulIn Südkorea hat am Mittwoch die Präsidentenwahl begonnen. Trotz eisiger Temperaturen zeichnet sich eine rege Beteiligung ab. Sieben Stunden nach Öffnung der Wahllokale lag die durchschnittliche Beteiligung bei 45,3 Prozent und damit deutlich höher als bei der Wahl 2007, wie die staatliche Wahlkommission mitteilte. Nach der Schließung der Wahllokale um 18.00 Uhr (10.00 Uhr MEZ) werden erste Trends auf der Grundlage von Wählerbefragungen veröffentlicht.

Mehr als 40 Millionen Menschen sind aufgerufen, vor dem Hintergrund eines zunehmend selbstbewusst auftretenden Nordkoreas und einer Wirtschaftsflaute im eigenen Land ein neues Staatsoberhaupt zu bestimmen. Präsident Lee Myung Bak kann nicht wiedergewählt werden. Er muss das „Blaue Haus“ in Seoul Ende Februar nach fünfjähriger Amtszeit verlassen. In Umfragen führte die konservative Politikerin Park Geun Hye, Kandidatin der regierenden Saenuri-Partei, mit hauchdünnem Vorsprung vor Moon Jae von der Demokratischen Einheitspartei (DUP). Die Tochter des einstigen Militärmachthabers Park Chung Hee könnte als erste Frau an die Staatsspitze rücken.

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Die beiden Hauptkandidaten riefen bei der Abgabe ihres Stimmzettels ihre Landsleute auf, zur Wahl zu gehen. „Falls sie mit den vergangenen fünf Jahren unzufrieden gewesen sind, verändern sie die Welt durch ihre Stimme“, sagte Moon in der südlichen Küstenstadt Pusan. „Ich hoffe, die klugen Menschen werden eine neue Ära für die Republik Korea einläuten“, sagte die langjährige Abgeordnete Park nach Angaben der nationalen Nachrichtenagentur Yonhap in Seoul.

Park setzt auf Dialog mit dem weitgehend isolierten Nordkorea. Die Führung des kommunistischen Landes hatte erst vor wenigen Tagen mit dem Start einer Rakete Sorgen vor einer Destabilisierung der Region geschürt. Ihren Landsleuten verspricht die 60-jährige Park ein rasches Wirtschaftswachstum und neue Jobs.

Das ABCD des koreanischen Erfolgs

A wie Agilität

„Ppali-ppali“ (sprich balli-balli) nennen die Koreaner diesen Charakterzug, der sich am besten als dalli-dalli übersetzen lässt. Ein deutscher Firmenchef drückt seine Erfahrung so aus: Die Koreaner würden fünf mal auf dem Weg die Richtung ändern, wären aber am Ende doppelt so schnell am Ziel wie deutsche Unternehmen. Das Erstaunliche: Die Koreaner paaren dabei Tempo und Qualität. Der Nachteil: Wenn es schiefläuft, rennen sie mit Volldampf gegen die Wand.

B wie Benchmarking

Hierunter versteht Professor Moon die Kunst des Kopierens. Dabei handelt es sich allerdings nicht um stupendes Abkupfern. Vielmehr haben die Koreaner den Ehrgeiz, durch Imitation den Meister zu übertreffen.

C wie Convergence (Konvergenz)

Hierunter versteht Moon die gezielte Schaffung von Synergien. Pangyo ist ein Beispiel für den nächsten Entwicklungssprung, die Chaebol für die Vergangenheit. Da sie so breit aufgestellt waren, konnten sie sich gegenseitig Aufträge zuschanzen. Und durch den internen Kreislauf konnten die Konzerne rasch Kapital und Technik akkumulieren.

D wie Dedication (Einsatz und Hingabe)

In Südkorea verbinden sich Fleiß mit extremen Leistungsdruck paart. „Juk-gi-sal-ki-ro“, Tod oder Leben, ist das Motto in der Firma wie in der Schule. Mit 2193 geleisteten Arbeitsstunden ist Korea Spitzenreiter in der OECD. Und fast alle Schüler verbringen ihre Abende in Paukschulen, um die Aufnahmeprüfung für Eliteschulen oder -universitäten zu bestehen. Wer das Tempo nicht mithält, fliegt.

Der linksorientierte Rivale Moon Jae In verspricht ein 18 Milliarden Dollar schweres Paket für mehr Arbeitsplätze sowie eine Anhebung der Mindestlöhne. Dem Norden will der frühere Menschenrechtsanwalt ohne Bedingen Hilfe zukommen lassen.

Im Umgang mit dem kommunistischen Nordkorea haben beide Kandidaten ähnliche Pläne. Der Grund: Viele Wähler sind unzufrieden mit der unnachgiebigen Haltung von Präsident Lee gegenüber dem Regime in Pjöngjang. Beide wollen Kontakte mit dem nordkoreanische Staatschef Kim Jong Un aufnehmen, allerdings hat Park mehr Bedingungen dafür gestellt.

Die Wähler zeigten sich auch besorgt über die Entwicklung der südkoreanischen Wirtschaft und die Verwicklung von engen Beratern Lees in Korruptionsskandale.

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