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03.05.2012

08:09 Uhr

Wahlduell in London

Die „blonde Bombe“ muss für Cameron gewinnen

VonMatthias Thibaut

Nicht nur für London eine Schicksalswahl: Bei den Bürgermeisterwahlen soll Amtsinhaber Boris Johnson, genannt die „blonde Bombe“, für Premier Cameron die Kohlen aus dem Feuer holen. Sonst droht den Tories eine Krise.

Londons Bürgermeister Boris Johnson. Reuters

Londons Bürgermeister Boris Johnson.

Nach vier Wochen teilweise erbittertem Wahlkampf zwischen der „blonden Bombe“ Boris Johnson und „Red Ken“ Livingstone entscheiden am heutigen Donnerstag 6 Millionen wahlberechtigte Londoner, wer ihr neuer Bürgermeister werden soll. Der Amtsinhaber, der konservative  Johnson, hat Umfragen zufolge beste Aussichten auf eine zweite Amtszeit.

Allerdings kann Johnson die Wiederwahl nur gelingen, wenn die Londoner den Urnengang nicht für eine Abstrafung der Tory Partei nutzen, wie vermutlich in gleichzeitig stattfindenden Kommunalwahlen in England und Wales. „Die Wahlen werden ein Referendum über die Koalitionsregierung und die Koalitionsparteien werden Prügel beziehen“, prophezeit der Politologe Simon Lee von der Uni Hull. Tory Parteistrategen wie der Minister für Kommunen, Eric Pickles, spielte die Erwartungen bereits herunter. „Wir werden landesweit mindestens 700 Sitze verlieren. Das ist normal für amtierende Regierungen“.

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Der Londoner Wahl kommt eine umso größere Bedeutung zu. Johnson muss für Premier David Cameron die Kohlen aus dem Feuer holen. Verliert Johnson, wird das umgehend zu einer Krise in der Tory Partei und neuen Spannungen in der Koalition führen. Das unterstrich Premier David Cameron selbst, als er am Mittwoch sagte. „Boris hat ein großes Herz. Man muss kein Tory sein, um ihn zu wählen“.

Nach einer Serie von steuerpolitischen Fehlentscheidungen, vor allem der Senkung des Spitzensteuersatzes im neuen Haushalt, können sich die Tories nicht mehr auf den bisherigen Konsens zu ihrer Sparpolitik verlassen. Ihr Slogan, „wir alle sitzen im gleichen Boot“, wurde für viele Wähler unglaubwürdig. Zum ersten Mal seit der Unterhauswahl hat Labour einen klaren Vorsprung.

Livingstone kann in der Londoner Persönlichkeitswahl davon aber nicht profitieren. Er liegt in bis zwölf Prozentpunkte hinter Boris Johnson. Angeschlagen ist er, weil er erst Johnson des Steuerdumpings bezichtigte und sich dann selbst weigerte, volle Einsicht in seine eigene Steuererklärung zu geben. Johnson gab freimütig zu, dass er in den letzten vier Jahren durch Nebenarbeiten als Journalist 1,7 Millionen Pfund verdiente, wies aber nach, dass er darauf die volle Steuer bezahlte. Nun präsentiert sich der volkstümliche „Boris“ als Kandidat des Vertrauens.

Die Wahl wird wegen der wachsenden Rivalität zwischen Johnson und Cameron mit Aufmerksamkeit verfolgt. Johnson, ehemaliger Mitschüler Camerons im Elite-Internat Eton, gilt als aussichtsreichster Herausforderer Camerons, sollte es zu einer Krise bei den Tories kommen. Er hat sich immer wieder von Cameron abgesetzt und bei Themen von Bankergehältern  bis zur Einsparung von Polizisten kompromisslose Tory-Positionen vertreten – anders als der durch Koalitionspolitik eingeengte Cameron. Erst recht nach einem weiteren Wahlsieg wird er als Wortführer der Tory Parteibasis gelten.

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