Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

17.04.2014

09:13 Uhr

Wahlen

Algerische Desillusion

Überschattet von Boykottaufrufen der Opposition hat in Algerien die Präsidentenwahl begonnen. Präsident Bouteflika ist der klare Favorit. Aber die Unzufriedenheit mit dem erstarrten System wächst.

Präsidentschaftswahlen in Algerien

Algeriens Präsident bewirbt sich um vierte Amtszeit

Präsidentschaftswahlen in Algerien: Algeriens Präsident bewirbt sich um vierte Amtszeit

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

AlgierEs ist Wahltag in Algerien. Aber er findet ohne eine Gruppe der Studenten statt, die sich am Vorabend der Abstimmung über den nächsten Präsidenten zum Fußballspielen auf einer Promenade am Meer in Algier getroffen haben. Die jungen Leute wollen Wohnungen und Jobs, wenn sie mit ihrem Studium fertig sind, und sie haben kein Vertrauen zu einem politischen System, das von einem gebrechlichen alternden Mann geleitet wird - derart gesundheitlich angeschlagen, dass er sich auf keiner einzigen Wahlkampfveranstaltung sehen ließ.

Die Haltung der Studenten spiegelt die vieler junger Menschen im Land bei dieser Präsidentenwahl wider, die der 77-jährige Amtsinhaber Abdelaziz Bouteflika schon vor Öffnung der Wahllokale in der Tasche zu haben schien. Mit der Staatsmaschinerie, dem mächtigen Militär und Geheimdienst im Rücken galt er als klarer Favorit, trotz seiner augenfälligen Abwesenheit im Wahlkampf. Aber unter den jüngeren Algeriern hat sich zunehmend Desillusion breitgemacht, Unzufriedenheit mit einem erstarrten politischen System, das wenig dafür tut, ihre Generation miteinzubeziehen.

Gastbeitrag: Algerien, der nächste Problemfall

Gastbeitrag

Algerien, der nächste Problemfall

Ägypten hat es hinter sich, in Algerien steht ein Führungswechsel unmittelbar bevor. Nach der langen Abwesenheit von Präsident Bouteflika ist der unvermeidbar. Doch weder das Regime noch Europa sind auf ihn vorbereitet.

Und das ist ein großer Teil der Bevölkerung. 80 Prozent der etwa 37 Millionen Einwohner des Landes sind jünger als 45 Jahre. Wie viele von ihnen ihren Protest in Form eines Wahlverzichts äußern, ist einer der spannenderen Apsekte dieser Wahl. „Wenn wir unser Studium abgeschlossen haben, gibt es nur Arbeitslosigkeit, man braucht Verbindungen, um einen Job zu kriegen“, sagt Redouane Baba Abdi, der vor dem Fußballspiel auf einer Bank an der Promenade sitzt. „Die meisten Leute wollen keine vierte Amtsperiode für Bouteflika, er ist so etwas wie ein lebender Toter.“

Bouteflika hat seit einem Schlaganfall im vergangenen Jahr erhebliche Probleme beim Sprechen und Gehen. Im dreiwöchigen Wahlkampf ließ er sich auf Kundgebungen von seinen Ministern und anderen engen Gefolgsleuten vertreten. Fernsehauftritte waren sorgfältig choreographiert. 2008 hatte Bouteflika die Verfassung geändert, um Präsident bleiben zu können. Aber eine vierte Amtszeit geht denn doch so manchen zu weit, auch in einem Land, das von den prodemokratischen Aufständen des Arabischen Frühlings kaum berührt worden ist.

So musste eine Reihe von Kundgebungen für Bouteflika abgebrochen werden, nachdem sie durch Demonstrationen gestört worden waren. Das hat Befürchtungen ausgelöst, dass ein weiterer Wahlsieg größere Unruhen auslösen könnte. Seit sich Algerien 1989 einem pluralistischen System zuwandte, ist das Land von jener Generation geführt worden, die im Krieg von 1958 bis 1962 für die Unabhängigkeit von Frankreich kämpfte und siegte. Und diese zeigt wenig Interesse daran, die Macht mit anderen zu teilen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×