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01.04.2012

14:05 Uhr

Wahlen in Birma

Aung San Suu Kyi zieht ins Parlament ein

Jahrzehntelang hat sie auf diesen Moment gewartet: Ersten Gerüchten zufolge ist die Widerstandskämpferin Aung San Suu Kyi in Birmas Parlament eingezogen. Allerdings schlagen Wahlbeobachter bereits Alarm.

Aung San Suu Kyi zieht ins Parlament ein

Video: Aung San Suu Kyi zieht ins Parlament ein

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RangunBirmas jahrelang eingesperrte Freiheitsikone Aung San Suu Kyi hat nach Angaben ihrer Partei einen haushohen Sieg bei der Nachwahl zum Parlament errungen. Die 66-Jährige hat nach Angaben der Nationalliga für Demokratie (NLD) in ihrem Wahlkreis Kawhmu am Sonntag in 112 von 129 Wahllokalen die meisten Stimmen bekommen. Erste offizielle Ergebnisse wurden frühestens am Montag erwartet.

Sollten sich die Zahlen bestätigen, wäre Suu Kyis Einzug in das Parlament in Naypyidaw gesichert. Nach Angaben der NLD waren auch zahlreiche andere NLD-Kandidaten erfolgreich; sie gehe davon aus, dass 30 NLD-Mitglieder den Sprung ins Parlament schaffen, teilte die Partei mit. Andere Parteimitglieder erklärten, die NLD habe voraussichtlich alle 44 Parlamentssitze errungen, um die sie sich bewarb. Vor der Parteizentrale in Rangun versammelten sich hunderte Anhänger und feierten Suu Kyi.

In Suu Kyis ländlichen Wahlkreis Kawhmu standen die Wähler schon am frühen Morgen vor den Wahllokalen Schlange. „Ich werde für Mutter Suu stimmen, weil ich sie liebe und schätze“, sagte die Wählerin San San Win. Suu Kyis Anhänger standen stundenlang in der sengenden Hitze, um einen Blick auf die Kandidatin zu erhaschen. Die 66-Jährige, die in den vergangenen Tagen gesundheitlich angeschlagen war, zeigte sich am Sonntag in einem roten Kleid und schien erholt.

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Bei der Wahl ging es um 45 Mandate: 37 im Unterhaus, sechs im Oberhaus und zwei in Regionalversammlungen. Diese wurden frei, nachdem Abgeordnete nach der umstrittenen Wahl vom November 2010 in Regierungsämter wechselten. Die NLD bewirbt sich um 44 dieser 45 Mandate.

Es ist Suu Kyis erste Kandidatur für einen Parlamentssitz. Sie saß zwischen 1990 und 2010 die meiste Zeit im Gefängnis oder stand unter Hausarrest. Die NLD hatte die Parlamentswahl 1990 gewonnen, doch verhinderte die Militärjunta damals die Regierungsübernahme der Partei. Kurz nach den umstrittenen Wahlen im November 2010 wurde Suu Kyi freigelassen.

Die herrschende Militärjunta löste sich Monate später auf und übergab die Macht an eine formal zivile Regierung unter dem früheren General Thein Sein, die zur Überraschung von Beobachtern eine Reihe von Reformen eingeleitet. So ließ die Regierung politische Gefangene frei, nahm Gespräche mit ethnischen Rebellen auf und erlaubte Suu Kyi und ihrer NLD, bei den Nachwahlen anzutreten.

Die Nachwahl wird die breite Parlamentsmehrheit der birmanischen Führung nicht gefährden. Sie gilt aber als wichtiger Test dafür, ob die Regierung die Reformen ernst meint.

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