Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

10.05.2014

16:13 Uhr

Wahlen in Südafrika

Gewaltsame Ausschreitungen gegen Sieg des ANC

Die Partei Nelson Mandelas muss leichte Verluste verkraften, der ANC bleibt aber stärkste Kraft im südafrikanischen Parlament. Bei gewaltsamen Protesten gegen das Wahlergebnis nahm die Polizei 59 Menschen fest.

Der alte wird wohl auch der neue Präsident von Südafrika: Jacob Zuma vom ANC. Reuters

Der alte wird wohl auch der neue Präsident von Südafrika: Jacob Zuma vom ANC.

JohannesburgDer Afrikanische Nationalkongress (ANC) hat die Parlamentswahl in Südafrika klar gewonnen. Wie die Wahlkommission am Freitagabend nach Auszählung aller Stimmen mitteilte, kam der ANC von Präsident Jacob Zuma auf 62,2 Prozent. Damit eroberte die Partei Nelson Mandelas trotz Stimmenverlusten wieder eine absolute Mehrheit. Bei gewaltsamen Protesten gegen das Wahlergebnis in einem Stadtteil von Johannesburg nahm die Polizei fast 60 Menschen fest.

Während der ANC fast vier Prozentpunkte gegenüber der Wahl 2009 einbüßte, konnte die oppositionelle Demokratische Allianz (DA) mehr als fünf Punkte zulegen. Sie kam nach Angaben der Wahlkommission auf 22,2 Prozent. Die neue radikale Partei des ehemaligen ANC-Jugendführers Julius Malema, die Kämpfer für wirtschaftliche Freiheit (EFF), landete mit 6,4 Prozent der Stimmen überraschend auf dem dritten Platz. An vierter Stelle landete die Inkatha-Freiheitspartei (IFP) des Zulu-Führers Mangosuthu Buthelezi mit 2,4 Prozent.

Südafrika – Land der Gegensätze

Die Regenbogennation...

... wird Südafrika genannt, weil das Land mit seinen gut 50 Millionen Einwohnern ethnisch sehr gemischt ist. Das führt und führte immer wieder zu Konflikten zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen, etwa zwischen der nichteuropäischen Mehrheitsbevölkerung und den europäischstämmigen, meist weißen Einwanderern.

Der Wirtschaftsmotor...

... des gesamten afrikanischen Kontinents ist Südafrika. Mit einem Bruttoinlandsprodukt von etwa 400 Milliarden US-Dollar ist das Land die größte Volkswirtschaft Afrikas und gehört der G8+5 an. Die Staatsverschuldung lag 2012 bei 43,3 Prozent des BIP – also vergleichsweise niedrig, die Inflationsrate betrug fünf bis sechs Prozent.

Die Kehrseite der Medaille...

... sind noch immer massive Unterschiede beim Wohlstand. Der Gini-Koeffizient als Maß für das Ungleichgewicht bei Einkommen und Konsum gehören jeweils zu den höchsten weltweit. Die Arbeitslosigkeit liegt weit über 20 Prozent. Noch immer sind Schwarze, wenn auch nicht mehr rechtlich, benachteiligt. Die Armutsquote steigt. Viele Fachkräfte, insbesondere Ärzte und Ingenieure, wandern aus.

Die Apartheid...

... hat die Nation an der Südspitze Afrikas massiv geprägt. Eingeführt wurde sie nach ihrem Wahlsieg 1948 von der National Party, der Partei der meist niederländischstämmigen Buren. Die massive Diskriminierung, Benachteiligung und Herabwürdigung der schwarzen Bevökerung existierte bis 1990. Nach mehr als 40 Jahren meist friedlichem Kampf der benachteiligten Bevölkerungsmehrheit unter politischen Führern wie Nelson Mandela brach das System schließlich zusammen.

Das Ende des autoritär geführten Systems...

... mündete 1994 in die ersten Parlamentswahlen mit einem gleichen Wahlrecht für alle Bürger und veränderten das politische Leben im Land grundlegend. Nelson Mandela wurde am 27. April 1994 zum zum ersten schwarzen Präsidenten des Landes gewählt. Er starb 2013.

Die Weißen...

... machen nur knapp neun Prozent der Bevölkerung aus, die hauptsächlich sind es Nachfahren niederländischer, deutscher, französischer und britischer Einwanderer sind, die ab Mitte des 17. Jahrhunderts nach Südafrika immigrierten. Die Zahl der europäischstämmigen Bevölkerung nimmt sinkt kontinuierlich. Fast eine Million Weiße haben seit den 90er-Jahren haben das Land verlassen.

Die Schwarzen...

... stellen knapp 80 Prozent der gesamten Bevölkerung und teilen sich in verschiedene Volksgruppen auf, etwa die Zulu, Xhosa, Basotho, Venda, Tswana, Tsonga, Swazi und Ndebele.

Knapp neun Prozent...

... machen die sogenannten Coloureds (Farbige) aus. Sie sind meist die Nachkommen der ersten europäischen Siedler, deren Sklaven und der ursprünglich in Südafrika lebenden Völker, zu einem kleineren Teil auch von eingewanderten Asiaten.

Asiaten...

... machen 2,5 Prozent der Bevölkerung aus. Der Großteil kommt ursprünglich aus Indien und ist Mitte des 19. Jahrhunderts ins Land geholt worden, um auf den Zuckerrohrfeldern zu arbeiten.

Die Wahl am Mittwoch war die fünfte seit dem Ende der Rassentrennung vor 20 Jahren. Erstmals durften viele Südafrikaner abstimmen, die nie selbst die Apartheid erlebten. Die Wahlbeteiligung lag den Angaben zufolge bei 73,4 Prozent. Das offizielle Endergebnis will die Wahlkommission am Samstagabend veröffentlichen. Dann will der ANC im Zentrum von Johannesburg auch seinen Sieg feiern.

Das neue Parlament soll am 21. Mai als erstes Präsident Zuma für weitere fünf Jahre im Amt bestätigen. Dieser sieht sich seit geraumer Zeit mit Vorwürfen der Korruption und Misswirtschaft konfrontiert.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×