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27.04.2013

14:30 Uhr

Wahlen

Machtwechsel in Island gefährdet EU-Beitritt

Nach Umfragen könnte die bürgerliche Opposition eine absolute Mehrheit erreichen. Eine Regierungsübernahme hätte weitreichende Folgen: Der geplante EU-Beitritt des Landes wäre in Gefahr.

Islands Parlamentsgebäude in Reykjavik. Fünf Jahre nach der Bankenkrise steht Island vor einem Machtwechsel. dpa

Islands Parlamentsgebäude in Reykjavik. Fünf Jahre nach der Bankenkrise steht Island vor einem Machtwechsel.

ReykjavikBei den Wahlen in Island hat sich am Samstag ein klarer Sieg der bürgerlichen Opposition abgezeichnet. Diese will den geplanten EU-Beitritt stoppen. Konservative und Liberale können nach der letzten Umfrage des Gallup-Institutes für den Sender RUV mit einer absoluten Mehrheit von 52,6 Prozent rechnen. Dagegen wurden der Regierungskoalition von Ministerpräsidentin Jóhanna Sigurdardóttir (70) nur 24,6 Prozent der Stimmen vorausgesagt.

Sozialdemokraten und den Linksgrünen standen damit vor der Halbierung ihrer Stimmenzahl von 2009, als sie die Regierung ein halbes Jahr nach dem Kollaps der isländischen Banken übernahmen. Unzufriedenheit unter den 320 000 Bürgern mit der Verteilung der Krisenlasten galt als ausschlaggebend für die erwartete Niederlage von Mittelinks.

Die skurrilsten Fakten über Island

Hej Du!

Gerade einmal 320.000 Menschen leben auf Island. Man kennt sich – und duzt sich. Und: Isländer sprechen sich mit dem Vornamen an. Auch das Telefonbuch ist anders als in Deutschland nach Vornamen sortiert.

Island bebt

Auf Island bebt jeden Tag die Erde. Etwa 30 Vulkansysteme sind hier aktiv. Die Insel driftet aufgrund der Aktivität des Bodens pro Jahr ein bis zwei Zentimeter auseinander, denn die Hälfte des Landes liegt auf der nordamerikanischen, die andere auf der eurasischen Erdplatte.

Insel ohne Bäume

Auf Island wachsen von Natur aus keine Bäume. Für den Hausbau haben die ersten Siedler angeschwemmtes Material verwendet und daraus eine Art Skelett gebaut, dass dann mit Lehm und Gras überdeckt wurde.

Alte Sprache

Die isländische Sprache hat sich seit dem Mittelalter kaum verändert. Die erhaltenen Sagas aus der Zeit können die Menschen heute noch problemlos lesen. Die Sagas sowie die nordischen Heldenlieder sind die ältesten Schriftsätze, die in Europa erhalten geblieben sind.

Kein Bahnhof in Sicht

Die Hauptstadt Reykjavik hat keinen, die zweitgrößte Stadt Kopavogur auch nicht – und Hafnarfjördur sowieso nicht: Auf Island gibt es keine Bahnhöfe, da es schlicht keinen Schienenverkehr gibt. Dafür gibt es fünf Flughäfen und 19 Häfen. Und: Das Straßennetz beträgt eine Länge von 13.004 Kilometern Jedoch sind davon nur 4331 Kilometer asphaltiert. Die restlichen Straßen sind eher als Schotterwege zu bezeichnen.

Das Land der Erneuerbaren Energien

Der Strom auf Island wird zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien erzeugt (75 Prozent Wasserkraft, 25 Prozent Geothermie). Die Gebäudebeheizung wird zu 90 Prozent geothermisch betrieben.

Was können die Isländer besser als die Deutschen?

Geländewagen fahren. Das isländische Hochland ist geprägt von Schotterstraßen, die unter Geländefahrern als beliebtes Reiseziel gelten. Offroad-Fahren, also Fahren abseits der „Straßen” ist zum Schutze der empfindlichen Vegetation jedoch verboten.

Im Fall der Regierungsübernahme will der konservative Spitzenkandidat Bjarni Benediktsson (43) die Beitrittsverhandlungen Islands mit der EU abbrechen. Seine Unabhängigkeitspartei lag in der Gallup-Umfrage mit 27,9 Prozent vor der liberalen Fortschrittspartei mit 24,7 Prozent. Die auf der Atlantikinsel traditionell dominierenden Konservativen mussten 2009 als politisch Hauptverantwortliche für das Bankendesaster in die Opposition wechseln.

Krisen-Verursacher liegen bei Wahl vorne: Islands Tanz auf dem Vulkan

Krisen-Verursacher liegen bei Wahl vorne

Islands Tanz auf dem Vulkan

Das Land im Atlantik ist bekannt für unterirdische Vulkane, Geysire - und den Crash der Kaupthing-Bank. Eine neue Regierung hatte das Land nach 2008 aus der Krise geholt. Doch jetzt drohen die Retter abgewählt zu werden.

Im Mittelpunkt des Wahlkampfes standen vor allem die hohen Schulden isländischer Privathaushalte als Folge der Bankenkrise. Um die 63 Sitze im „Althing“ in Reykjavik bewarben sich 15 Parteien. Das Ergebnis wird am Sonntagmorgen erwartet.

Von

dpa

Kommentare (28)

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Beitritt

27.04.2013, 15:08 Uhr

na wer will den schon der EU beitreten ? Entwederman ist total blöd oder man braucht Geld, das die EU ja grosszügig verteilt......

Freidenker

27.04.2013, 15:25 Uhr

Die EU ist ein einziges Wirtschaftskonstrukt und dient nur dem Kapital!!

Ausserdem ist diese Krise nicht mehr zu lösen!!! Kein Land der Welt kann seine Schulden mehr abbauen! Das Papiergeldsystem bricht zusammen. Und wenn die bürgerlichen Schichten wieder aggressiv nach unten treten, haben wir bald überall in Europa den Faschismus! Ansätze sind genug vorhanden...man denke nur an Ungarn.

Zu Island gab es mal eine sehr gute Doku auf Arte!! Der Club der unbestechlichen...Island wurde bewusst in die Krise getrieben. das geht mittels Geldsystem wunderbar. Es geht dabei einzig und alleine NUR UM DIE ROHSTOFFE!! NÄMLICH UM DAS ALUMINIUM, welches in Island noch reichlich vorhanden ist!

http://www.noz.de/deutschland-und-welt/kultur/fernsehen/58354865/schon-gesehen-der-club-der-unbestechlichen

http://videos.arte.tv/de/videos/der_club_der_unbestechlichen_ausschnitt_3_3_--4233978.html


Das Video auf Arte und Youtube hat die Herrschende Klasse natürlich löschen lassen.

Brunhilde

27.04.2013, 15:27 Uhr

"Machtwechsel in Island gefährdet EU-Beitritt"

Angemessener wäre eher:

"Machtwechsel in Island gegünstigt EU-Abstinenz"

Welcher Insulaner will schon nach den Erfahrungen der Zyprioten noch in diesen Verein, wenn er noch seinen gesunden Menschenverstand benutzt?

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