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10.01.2010

20:25 Uhr

Wahlen

Sozialdemokrat wird neuer Präsident in Kroatien

Ivo Josipovic ist laut Prognosen neuer Präsident Kroatiens. Er setzte sich in einer Stichwahl mit geringer Wahlbeteiligung gegen den langjährigen Bürgermeister von Zagreb durch. Die Bekämpfung der Korruption steht ganz oben auf der Agenda von Josipovic

Ivo Josipovic ist neuer Präsident Kroatiens. Quelle: dpa

Ivo Josipovic ist neuer Präsident Kroatiens.

ZAGREB. Der 52-jährige Jura- und Musikprofessor habe laut Medienberichten bei der Stichwahl 64,6 Prozent der abgegebenen Stimmen erreicht. Sein Herausforderer, der langjährige Zagreber Bürgermeister Milan Bandic (54), kam danach auf 35,3 Prozent der Stimmen.

Diese Nachwahlbefragungen waren schon im ersten Wahlgang vor zwei Wochen dem erst nach Mitternacht veröffentlichten offiziellen Ergebnis äußerst nahe gekommen. Das aus den Anfängen der kroatischen Demokratie stammende überholte Wahlgesetz erlaubt die Bekanntgabe solcher Ergebnisse erst nach Mitternacht. „Wir brauchen nicht auf die offiziellen Resultate zu warten, denn nach diesen Prognosen kann man sagen, dass Josipovic neuer Präsident ist“, sagte der SDP-Abgeordnete Nenad Stazic.

„Die Wahl ist gelaufen“, jubelten nach Bekanntgaben der Prognosen auch andere sozialdemokratische Politiker. In seiner Stadt werde bis in den frühen Montagmorgen der Wahlsieg von Josipovic gefeiert, kündigte der Bürgermeister der Hafenstadt Rijeka, Vojko Obersnel, an.

Josipovic will die grassierende Korruption im Land bekämpfen. Er wolle gegen die zwielichtigen Unternehmer vorgehen, die während des Bürgerkrieges (1991-1995) mit windigen Geschäften in dem eigentlich armen Land unvorstellbar reich geworden waren, hatte er im Wahlkampf angekündigt. Es müsse faire Chancen für jeden geben, von seiner ehrlichen Arbeit zu leben.

Auch die zweite Wahlrunde war auf nur geringes Interesse der Wähler gestoßen. Bis 16.00 Uhr hatten erst 38 Prozent der 4,5 Millionen Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben, teilte die staatliche Wahlkommission mit. Das waren zwar vier Prozent mehr als im ersten Durchgang vor zwei Wochen. Doch damals hatte die Beteiligung am Ende mit 44 Prozent einen neuen Minusrekord erbracht.

Die oppositionellen Sozialdemokraten haben seit langer Zeit erstmals wieder eine wichtige Wahl gewonnen - trotz des Wahlrechts für die Auslandskroaten im benachbarten Bosnien-Herzegowina. Die dortigen meist nationalistisch orientierten Landsleute besitzen auch das Wahlrecht in Kroatien und wählen traditionell konservativ. Sie haben nach Beobachtung von Wahlforschern fast unisono für Milan Bandic gestimmt. Die SDP will das Doppelstimmrecht für Kroaten in Bosnien-Herzegowina abschaffen. Die konservative Regierungspartei HDZ, die auch die letzten Parlamentswahlen auf diesem Wege gewonnen hatte, will es beibehalten.

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