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19.12.2012

15:57 Uhr

Wahlergebnis

Diktatorentochter wird Südkoreas erste Präsidentin

Die Konservative Park Geun Hye hat die Präsidentenwahl in Südkorea gewonnen. Damit wird der Tigerstaat zum ersten Mal von einer Frau regiert - die jedoch alles andere als fortschrittlich ist.

Südkoreas Wahlsiegerin Park Geun Hye. Reuters

Südkoreas Wahlsiegerin Park Geun Hye.

SeoulHistorische Wahl in Südkorea: Asiens viertgrößte Wirtschaftsmacht wird erstmals von einer Präsidentin geführt. Die 60-jährige Kandidatin der regierenden Saenuri-Partei, Park Geun Hye, setzte sich bei der Präsidentenwahl am Mittwoch gegen den linksliberalen Oppositionspolitiker Moon Jae In durch.

Nach Auszählung von 80 Prozent der Stimmen war ihr der Sieg sicher, berichtete der Fernsehsender KBS. Auf die Tochter des früheren Militärdiktators Park Chung Hee entfielen danach 51,5 Prozent der Stimmen. Der ehemalige Menschenrechtsanwalt Moon von der Demokratischen Einheitspartei (DUP) käme danach auf 48 Prozent.

Parks Vater, der das Land von 1961 bis 1979 mit eiserner Faust regiert hatte, wird in großen Teilen der Bevölkerung wegen des wirtschaftlichen Aufstiegs während seiner Herrschaft noch sehr verehrt. Das hat der Kandidatin der Saenuri nach Ansicht von Beobachtern besonders unter den Wählern der älteren Generation und in konservativen Kreisen geholfen.

Park wollte noch am späten Abend (Ortszeit) in Seoul eine Erklärung abgeben, hieß aus der Partei. In einem Autokonvoi wurde sie von ihrem Wohnhaus in das Parteihauptquartier gefahren.

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Die Clans der Großindustrie haben Südkorea reich gemacht. Doch vor der Präsidentschaftswahl an diesem Mittwoch setzt sich die Erkenntnis durch, dass ihre Zeit vorbei ist. Schlau statt stark lautet das neue Rezept.

Zu den Prioritäten Parks werden die Ankurbelung der Wirtschaft, eine Stärkung der Sozialpolitik sowie die Lösung des Konflikts um Nordkoreas bedrohliche Atomwaffen- und Raketenprogramme sein. Zum kommunistischen Nachbarland, das zuletzt mit einem Raketenstart für neue Spannungen in der Region gesorgt hat, will Park Vertrauen aufbauen.

Allerdings verlangt sie ähnlich wie Präsident Lee Myung Bak eine Entschuldigung Pjöngjangs für frühere militärische Provokationen. Unter anderem will Park, dass sich Pjöngjang für den Beschuss der zu Südkorea gehörenden grenznahen Insel Yonpyong durch Nordkoreas Küstenartillerie im November 2010 entschuldigt.

Das ABCD des koreanischen Erfolgs

A wie Agilität

„Ppali-ppali“ (sprich balli-balli) nennen die Koreaner diesen Charakterzug, der sich am besten als dalli-dalli übersetzen lässt. Ein deutscher Firmenchef drückt seine Erfahrung so aus: Die Koreaner würden fünf mal auf dem Weg die Richtung ändern, wären aber am Ende doppelt so schnell am Ziel wie deutsche Unternehmen. Das Erstaunliche: Die Koreaner paaren dabei Tempo und Qualität. Der Nachteil: Wenn es schiefläuft, rennen sie mit Volldampf gegen die Wand.

B wie Benchmarking

Hierunter versteht Professor Moon die Kunst des Kopierens. Dabei handelt es sich allerdings nicht um stupendes Abkupfern. Vielmehr haben die Koreaner den Ehrgeiz, durch Imitation den Meister zu übertreffen.

C wie Convergence (Konvergenz)

Hierunter versteht Moon die gezielte Schaffung von Synergien. Pangyo ist ein Beispiel für den nächsten Entwicklungssprung, die Chaebol für die Vergangenheit. Da sie so breit aufgestellt waren, konnten sie sich gegenseitig Aufträge zuschanzen. Und durch den internen Kreislauf konnten die Konzerne rasch Kapital und Technik akkumulieren.

D wie Dedication (Einsatz und Hingabe)

In Südkorea verbinden sich Fleiß mit extremen Leistungsdruck paart. „Juk-gi-sal-ki-ro“, Tod oder Leben, ist das Motto in der Firma wie in der Schule. Mit 2193 geleisteten Arbeitsstunden ist Korea Spitzenreiter in der OECD. Und fast alle Schüler verbringen ihre Abende in Paukschulen, um die Aufnahmeprüfung für Eliteschulen oder -universitäten zu bestehen. Wer das Tempo nicht mithält, fliegt.

Präsident Lee konnte sich aus verfassungsrechtlichen Gründen nicht wiederwählen lassen. Er scheidet nach fünf Jahren an der Staatsspitze Ende Februar aus dem Amt. Die Wahlbeteiligung unter den rund 40,5 Millionen Stimmberechtigten war mit 75,8 Prozent hoch, wie die staatliche Wahlkommission mitteilte. Vor fünf Jahren hatte der Anteil bei 63 Prozent gelegen.

Als Präsidentin warten auf Park dringende Probleme wie ein verlangsamtes Wirtschaftswachstum, steigende Sozialkosten in einer der am schnellsten alternden Gesellschaften der Welt sowie die anhaltenden Spannungen mit Nordkorea.

Viele Koreaner haben Park noch als First Lady in bester Erinnerung - eine Rolle, die sie nach der Ermordung ihrer Mutter bis zum Attentat auf ihren Vater im Jahr 1979 ausübte.

Kommentare (3)

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Erfurter

19.12.2012, 13:56 Uhr

"Damit wird der asiatische Tigerstaat zum ersten Mal von einer Frau gewählt." in der Überschrift. Liebes HB-Team - bitte lest Eure Artikel bevor Ihr sie online stellt. Danke!

esm

19.12.2012, 15:26 Uhr

ach du meine Güte. Jetzt hat die CDU nahe Prinzessin es also doch geschafft. Dann sind wir mal gepannt ob die Bahnstrecke Wunder vom Hang-gang bis zum Wunder vom Rhein tatsächlich realisiert wird.

Muss nur noch der Milchbubi weg.

Alessandra-Mussolini

20.12.2012, 12:31 Uhr

Alice Schwarzer möchte von Walter Leisler-Kiep, Dr. Helmut Kohl, Wolfgang Schäuble und Franz Josef jung wissen wo die Spendenbescheinigung üer die 500 Kilo Euro geblieben sind die sie anonym gespendet hat (Die lagen in Rainer Pfeiffers Schreibtisch-Schublade).

http://www.bundestag.de/bundestag/parteienfinanzierung/fundstellen50000/2012/index.html

http://central.banktunnel.eu/20121220-schwarz-spenden.jpg
http://central.banktunnel.eu/spenden-merkel.jpg

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