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21.03.2017

06:25 Uhr

Wahlkampf-Debatte in Frankreich

Macron gewinnt, Fillon kommt zurück

VonThomas Hanke

Le Pen gegrillt, Macron gewinnt, Fillon zurück im Rennen: Im französischen Präsidentschaftswahlkampf hat die erste TV-Debatte Aufschlussreiches geliefert. Vor allem, dass Neuling Emmanuel Macron keine Nerven zeigt.

Emmanuel Macron und Francois Fillon am Montagabend während der Aufzeichnung beim Privatsender TF1: Die Diskussion war eine Premiere, denn noch nie in der Geschichte Frankreichs haben sich die Kandidaten bereits vor dem ersten Wahlgang in einer Fernsehsendung aneinander gemessen. AFP; Files; Francois Guillot

Macron / Fillon

Emmanuel Macron und Francois Fillon am Montagabend während der Aufzeichnung beim Privatsender TF1: Die Diskussion war eine Premiere, denn noch nie in der Geschichte Frankreichs haben sich die Kandidaten bereits vor dem ersten Wahlgang in einer Fernsehsendung aneinander gemessen.

ParisMarine Le Pen war die Schnellste. Allerdings nur bei der Vorbesichtigung des Studios: Vor allen anderen Kandidaten ließ sich die Präsidentschaftsbewerberin des rechtsextremen Front National den Ring aus Acrylglas-Pulten zeigen, den der Privatsender TF1 am Montagabend als Rahmen für eine Debatte der fünf derzeit bestplatzierten Politiker aufgebaut hatte. Die Diskussion war eine Premiere: Noch nie in der Geschichte der Französischen Republik haben sich die Kandidaten bereits vor dem ersten Wahlgang in einer Fernsehsendung aneinander gemessen.

Vier starke, in zahlreichen Wahlkämpfen, teils in Vorwahlen gestählte Redner – der Konservative Francois Fillon, der Linke Jean-Luc Mélenchon, der Linkssozialist Benoit Hamon und Le Pen trafen auf einen Novizen, Emmanuel Macron. Sechs weitere vom Staatsrat bestätigte Kandidaten waren nicht eingeladen: TF1 wurde dafür von drei der Teilnehmer kritisiert, auch wenn es der Flüssigkeit und Intensität der Debatte zweifellos gedient hat.

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Die Medien erwarteten einen Kampf aller gegen Macron, weil der als unabhängiger Kandidat mit den derzeit – neben Le Pen – besten Umfragewerten die Kreise aller anderen stört. Doch am Abend musste sich Marine Le Pen zunächst der heftigsten Angriffe erwehren. „Sie provozieren“, „sie hetzen die Franzosen gegeneinander auf“, „sie machen aus dem Misstrauen gegen Muslime ihre politische Handelsware“, warfen ihr Mélenchon, Macron und Hamon vor.

Einer, mit dem man angesichts seiner Skandale um Scheinbeschäftigung von Familienangehörigen kaum noch gerechnet hatte, machte eine eher starke Figur: Fillon. Er hatte offensichtlich die beste Strategie gewählt, gab den ruhenden Pol, stellte seine eigenen Vorschläge deutlich dar, griff die Gegenspieler nur selten, aber dann treffsicher an, etwa Le Pen, als sie Verteidigungsausgaben in Höhe von drei Prozent der Wirtschaftsleistung in Aussicht stellte: „Das kann man nicht ernst nehmen, Sie versprechen hier Geld, das sie nicht haben.“

Überlegen wirkte Fillon auch, als er Le Pen bei ihrem schwächsten Punkt packte, der Forderung nach dem Euro-Austritt, den sie von sich aus in drei Stunden nicht thematisierte: „Sie reden hier von Kaufkraft, dabei wollen sie das Land mit ihrem Euro-Austritt in den wirtschaftlichen K.o. schicken, sie wollen den Ruin der französischen Sparer und der Schuldner gleichzeitig.“ Fillon hatte außerdem unerwartetes Glück: Keiner seiner Gegner stellte ihn wegen seiner Skandale zur Rede.

Kommentare (18)

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Herr Holger Narrog

21.03.2017, 08:16 Uhr

Macron hatte Fr. Merkels Einwanderungspolitik öffentlich gelobt. Deshalb wird dieser französische Präsidentschaftskandidat in den hiesigen Qualitätsmedien stark bejubelt was man in jeder Zeile des Artikels spürt. Sachlich gesehen steht Macron für eine Weiterführung der aktuellen Politik womit Frankreich sicherlich nicht gedient wäre.

Fillon verspricht verspricht eine konservativ, liberale Wirtschaftspolitik. Er steht für den einen wirtschaftlichen Wandel der Frankreich sehr gut tun könnte sofern Fillon diese auch durchzusetzen versteht. Für Frankreich sicherlich eine gute Wahl.

Fr. Le Pen ist für die Qualitätsmedien ein Teufel in Person. Fr. Le Pen steht für eine an den Interessen Frankreichs orientierte Einwanderungspolitik. Die Wirtschaftspolitik bedarf der Justierung.

Frau ke Schludewig

21.03.2017, 08:36 Uhr

Ich bin für eine neue Fernsehshow.
Die Kandidaten für das Präsidentenamt müssten im schlimmsten Viertel von Marseille 3 Tage überleben.
Der Gewinner ist dann geeignet für das Amt - sollte noch einer übrig sein.

Herr Hans Mayer

21.03.2017, 08:53 Uhr

Hat wirklich jemand eine andere Berichterstattung erwartet, also ich nicht.
Bei 40 % unentschlossenen einen Herrn Macron als Sieger auszurufen ist wieder einmal mehr als blamabel, aber auch hier enttäuscht Herr Hanke wieder einmal nicht den geneigten Leser.

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