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12.04.2012

14:25 Uhr

Wahlkampf in Frankreich

Hollande will Finanzmärkten Zügel anlegen

Der französische Präsidentschaftskandidat François Hollande will Spekulanten keinen Platz lassen. Damit reagierte der Sozialist auf Warnungen der französischen Konservativen.

Präsidentschaftskandidat Francois Hollande sieht keinen Platz für Spekulanten. Reuters

Präsidentschaftskandidat Francois Hollande sieht keinen Platz für Spekulanten.

ParisDer französische Präsidentschaftskandidat François Hollande will im Falle eines Wahlsieges den Finanzmärkten die Zügel anlegen. Spekulanten werde er „keinen Platz“ lassen, sagte Hollande am Donnerstag dem Fernsehsender France 2. Der konservative Amtsinhaber Nicolas Sarkozy und weitere führende Konservative hatten gewarnt, Spekulanten würden Frankreich bei einem Sieg des Sozialisten Hollande an den Finanzmärkten erneut ins Visier nehmen.

„Ich will, dass wir gemeinsam zeigen, in Frankreich, aber auch in Europa, dass den Finanzmärkten die Zügel angelegt werden“, sagte Hollande in dem Fernsehinterview. Er warf den Konservativen vor, „Unruhe“ verbreiten zu wollen, weil er den Umfragen zufolge klar als Sieger aus der Stichwahl am 6. Mai gegen Sarkozy hervorgehen werde.

Hollande erinnerte daran, dass es Sarkozy gewesen sei, in dessen Amtszeit die öffentliche Verschuldung auf 600 Milliarden Euro gestiegen sei und Frankreich die Bestnote AAA für die Kreditwürdigkeit verloren habe. „Das einzige Risiko, das ich für mein Land sehe, wäre, die gescheiterte Politik fortzusetzen“, sagte Hollande. Wenn Sarkozy die Märkte für seine Wiederwahl zu Hilfe rufe, dann sei das nicht im Interesse des Landes.

Außenminister Alain Juppé hatte am Mittwoch vor „fürchterlichen Turbulenzen“ auf den Finanzmärkten gewarnt, falls Hollande gewählt werden sollte. Sarkozy sprach von einer „Vertrauenskrise“, die durch eine Machtübernahme der Sozialisten ausgelöst würde und die Frankreich „in die Knie“ zwingen könnte.

Hollandes Wahlkampfleiter Pierre Moscovici kritisierte die „unwürdigen Anschuldigungen“ des Sarkozy-Lagers. Auch Grünen-Chefin Cécile Duflot wandte sich gegen die Äußerungen der Regierung. „Da sind wir auf einem ähnlichen Niveau angekommen wie bei der Warnung vor russischen Panzern auf der Place de la Nation vor dem Wahlsieg von François Mitterrand“, sagte Duflot im Sender Public Sénat.

Frankreich, dessen Haushaltsdefizit im vergangenen Jahr bei 5,2 Prozent des Bruttoinlandsproduktes lag, hatte im Januar seine Bestnote AAA verloren. Sarkozy hatte sich in der Finanzkrise eng an Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) angeschlossen, die seine Wiederwahl unterstützt. Gemeinsam mit ihr setzte Sarkozy den EU-Fiskalpakt für mehr Haushaltsdisziplin durch, zu dem sich 25 der 27 EU-Staaten bekannten. Hollande will den Fiskalpakt im Falle seiner Wahl „nachverhandeln“, um eine Wachstumskomponente hinzuzufügen.

Der Sozialist bekräftigte am Mittwochabend in einer Fernsehrunde mit vier weiteren Präsidentschaftskandidaten sein Vorhaben. An dem Fernsehauftritt zehn Tage vor der ersten Wahlrunde am 22. April nahm auch die rechtsextreme Kandidatin Marine Le Pen teil. Am Donnerstagabend sollen die anderen fünf Kandidaten folgen, darunter Präsident Sarkozy und Linkskandidat Jean-Luc Mélenchon.

Sarkozy liegt in Umfragen in der ersten Runde etwa gleichauf mit Hollande. Für die zweite Runde am 6. Mai sagen die Meinungsforscher einen Sieg Hollandes mit einem Vorsprung von mehr als sieben Prozentpunkten voraus.

Von

afp

Kommentare (3)

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MIRO

13.04.2012, 03:03 Uhr

Frankreich ist defacto genau so Pleite wie Griechenland oder die anderen Piks Staaten.Sarkozy hat sich nur so "eng"
an Merkel angelehnt, weil mit der Rettung Griechenlands vor allem französische Großbanken gerettet werden sollten.
Ein Sieg von Hollande wird am zusammenbruch Frankreich nichts ändern.Im Gegenteil, er wird die Staatspleite Frankreichs nur beschleunigen.Hollande ist ein politischer
Träumer, der den Franzosen jetzt einredet sie brauchen nicht zu sparen. In einer Fernsehdiskusion hat er angekündigt er werde als Präsident zuerst den Mindestlohn,die Mindestrente und Sozialhilfen auf ein Niveau von monatlich 1700,- Euro anheben.Bezahlen will er dies mit Hilfe von eingeführten Eurobonds, für die natürlich Deutschland haften soll.In Deutschland muss man endlich einmal zur kenntnis nehmen,dass Frankreich seit über 30 Jahren seine Renten und Pensionen über Kredite finanziert. Weiter kündigt Hollande an, dass er es ablehnt eine Schuldenbremse in die Verfassung aufzunehmen.Für die
Franzosen ist es deshalb kein Problem Hollande zu wählen,
denn die interesieren Staatsschulden nicht im geringsten,Hauptsache der Monatsscheck kommt pünktlich zum 1.des Monats.Sollen doch die dummen " Boschs "(Deutsche) bezahlen.Also liebe Franzosen, wählt euren Sozialisten Hollande und das Problem Euro ist vom Tisch.Je schneller um so besser, besonders für Deutschland.

Account gelöscht!

13.04.2012, 07:42 Uhr

Es wäre schön, wenn Sie genauere Informationen verbreiten würden...
Den Mindestlohn auf 1700€ zu erhöhen ist keine Maßnahme, die Hollande vorgesehen hat, sondern die Extrem-Linken.
Dazu sollten Sie die Augen öffnen : die Schuldenbremse, die Deutschland in der Verfassung stehen hat, sieht die Fälle vor, bei denen diese Regel außer Kraft gesetzt werden kann. Gibt es dann einen Sinn eine solche Regel zu haben ? Es kommt auf den politischen Wille an, nicht auf eine Rege, die widerrufen sein kann.
Ich glaube kaum Hollande sei ein politischer Träumer, im Gegenteil. Die Welt, wie sie Merkel versteht, geht unter. Das haben Sie noch nicht verstanden.

Account gelöscht!

13.04.2012, 13:03 Uhr



.. immer wieder lustig, diese Grand Nation.
Wallstreet, Singapur und London ziehen schon die Augenklappen hoch.

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