Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

28.02.2012

12:23 Uhr

Wahlkampf in Frankreich

Präsidentschaftskandidat will Millionäre schröpfen

Der sozialistische Bewerber um das französische Präsidentenamt, Francois Hollande, will Millionäre drastisch besteuern. Er schlug eine Abgabe von 75 Prozent auf Jahreseinkommen von über einer Million Euro vor.

Francois Hollande Reuters

Francois Hollande

ParisIm Falle seines Wahlsieges will der sozialistische Präsidentschaftskandidat François Hollande eine Reichensteuer von 75 Prozent in Frankreich einführen. Der Steuersatz solle für Einkommen ab einer Million Euro im Jahr gelten, kündigte Hollande im Fernsehen an. Der 57-Jährige, der in Umfragen deutlich vor Präsident Nicolas Sarkozy liegt, löste mit seinem Vorschlag empörte Reaktionen beim politischen Gegner aus.

Ein Spitzensteuersatz von 75 Prozent sei ein Zeichen des „Patriotismus“, sagte Hollande am Dienstag bei einem Besuch der Landwirtschaftsmesse in Paris. „Das ist ein Signal, eine Botschaft des sozialen Zusammenhalts, wir müssen eine Anstrengung unternehmen.“ Er fügte hinzu: „Das ist Patriotismus, wenn man akzeptiert, eine Zusatzsteuer zu zahlen, um das Land wieder aufzurichten.“ Der Sozialist hatte am Montagabend im Sender TF1 erstmals von der Reichensteuer gesprochen. Dabei verwies er auf die immens hohen Einkommen französischer Spitzenmanager. Hollandes Wahlprogramm sieht bisher einen Spitzensteuersatz von 45 Prozent für Einkommen über 150.000 Euro vor. Hollande hatte aber bereits bei der Vorstellung seines Programms Ende Januar gesagt, er wolle die Mittelschicht schützen. Geld müsse von den Besserverdienenden kommen, die bisher von „Steuergeschenken“ in Milliardenhöhe profitiert hätten.

Frankreichs Finanzminister François Baroin sprach von „Hemmungslosigkeit“ und warnte vor einer „Beraubung“ bestimmter Bürger. „Vielleicht wird der nächste Vorschlag 110 Prozent für Einkommen über zwei Millionen sein“, fügte er im Sender France Inter ironisch hinzu. Die Maßnahme mache keinen Sinn, sie sei vor allem „symbolisch“. Auch andere Vertreter der konservativen Regierungspartei UMP hielten Hollande vor, diese Steuer sei ein reines Wahlkampf-Manöver und bringe nur wenig Geld ein. Nach Angaben der Sozialisten wären zwischen 7.000 und 30.000 Menschen von der Reichensteuer betroffen.

Der Zentrumspolitiker François Bayrou, der ebenfalls als Kandidat bei der Präsidentschaftswahl Ende April und Anfang Mai antritt, lehnte Hollandes Vorschlag rundweg ab. Die Spitzenverdiener würden dann ins Ausland abwandern, sagte er dem Sender BFMTV-RMC. „Es fehlt an Logik, Stimmigkeit, Tiefe, Vision“, warf er dem Sozialisten vor. Die rechtsextreme Kandidatin Marine Le Pen nannte den Vorschlag im Sender France 2 „komplett absurd und ideologisch“.

Hollande gilt als Favorit für die Präsidentschaftswahl. Zuletzt konnte Amtsinhaber Sarkozy in den Umfragen aber zulegen. Nach einer Befragung des Meinungsforschungsinstituts Ipsos vom Dienstag gewann Sarkozy zwei Punkte und lag bei 27 Prozent im ersten Wahlgang, während Hollande leicht verlor und bei 31,5 Prozent landete. In der Stichwahl in der zweiten Runde käme der Sozialist aber auf 58 Prozent, Sarkozy auf 42 Prozent.

Einer Ifop-Fiducial-Umfrage vom Dienstag zufolge wäre der Abstand im ersten Wahlgang sogar noch geringer: 28,5 Prozent für Hollande und 27 Prozent für Sarkozy. In der zweiten Runde läge Hollande mit 56,5 Prozent aber weiterhin deutlich vor Sarkozy mit 43,5 Prozent.

Kommentare (12)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

zarakthuul

28.02.2012, 10:47 Uhr

75%? Das gibt dann aber einen mächtigen Zuwachs der Einwohnerzahl Monacos.
Populismus in Reinkultur!

muunoy

28.02.2012, 10:54 Uhr

Den Sozialismus in seinem Lauf halten weder Ochs noch Esel auf.

Account gelöscht!

28.02.2012, 11:05 Uhr

Falsch! Monaco ist für Franzosen keine Steueroase. Dafür hat seinerzeit schon de Gaulle gesorgt. Die Karawane wird schon weiter weg ziehen, sofern sie überhaupt noch in F ist. Hihi.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×