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01.05.2012

20:24 Uhr

Wahlkampf in Frankreich

Sarkozy bekommt keine Hilfe von Le Pen

Eigentlich geht es bei den Kundgebungen am 1. Mai in Frankreich um den Wert der Arbeit und sozialen Zusammenhalt. Diesmal aber steht die Entscheidung über den künftigen Präsidenten im Mittelpunkt.

Nicolas Sarkozy begrüßt seine Anhänger vor der Kulisse des Eiffelturms in Paris. AFP

Nicolas Sarkozy begrüßt seine Anhänger vor der Kulisse des Eiffelturms in Paris.

ParisVor der Stichwahl um das Präsidentenamt in Frankreich am Sonntag hat Staatschef Nicolas Sarkozy am Tag der Arbeit um jede Wählerstimme gekämpft. Bei einer Massenkundgebung zum 1. Mai in Paris versuchte er am Dienstag, die noch unentschiedenen Wähler zu mobilisieren. Dabei warb er in erster Linie um Stimmen aus dem rechten Lager. Die Chefin der rechtsextremen Front National (FN), Marine Le Pen, verweigerte ihm allerdings die Unterstützung ihres Lagers. Ursprünglich war erwartet worden, dass Le Pen eine Wahlempfehlung abgibt. Für sie hatten in der ersten Runde rund sechseinhalb Millionen Menschen gestimmt. Die Parteichefin betonte, sie wolle ihr Stimmverhalten nicht als Empfehlung verstanden wissen. „Ich habe meine Wahl getroffen. Jeder von euch wird seine treffen“, sagte sie. Auch Sarkozys sozialistischer Herausforderer und Wahlfavorit François Hollande warb um die Stimmen der Wähler.

Während im ganzen Land Zehntausende von Menschen bei Gewerkschaftsversammlungen für sozialen Zusammenhalt und Beschäftigung demonstrierten, appellierte Sarkozy schon am Vormittag an nationale Werte. Zugleich klagte er über zu viele Ausländer in Frankreich. „Unser Integrationsmodell funktioniert nicht. Warum? Weil noch vor der Integration der bereits auf unserem Territorium empfangenen (Ausländer) andere eintreffen,“ sagte er in einem Interview des TV-Nachrichtensenders BFM.

Le Pen will Sarkozy im Wahlkampf nicht helfen

Video: Le Pen will Sarkozy im Wahlkampf nicht helfen

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Damit versuchte Sarkozy offenkundig, Stimmen der Wechselwähler aus dem rechten Lager zu gewinnen. Die im ersten Wahlgang ausgeschiedene rechtsextreme Marine Le Pen war am 22. April auf knapp 18 Prozent der Stimmen gekommen. Sie lehnte aber - wie von Beobachtern erwartet - bei einer Kundgebung in Paris eine Unterstützung für Sarkozy ab. Analysen von Meinungsforschern zufolge müssten rund 80 Prozent der Anhänger Le Pens in der Stichwahl für Sarkozy stimmen, damit dieser den Rückstand auf den sozialistischen Kandidaten Francois Hollande noch aufholen kann. Die Ankündigung Le Pens, sie könne weder Hollande noch Sarkozy wählen, könnte damit nun der entscheidende Rückschlag für Sarkozys zunehmend verzweifelt wirkendes Bemühen sein, das Blatt noch zu wenden.

Sarkozy habe die nationale Souveränität aufgegeben, die Interessen der Banken verteidigt und die Immigration explodieren lassen: „Ein solcher Präsident kann nicht der Präsident des Volkes werden“, rief sie vor mehreren tausend Anhängern an der Oper aus. An die Adresse ihrer Anhänger betonte sie: „Unser historischer Kampf fängt erst an!“ Sie sollten selber frei entscheiden, wem sie ihre Stimme gäben, meinte Le Pen: „Ich werde Sonntag kein Kreuz (auf dem Stimmzettel) machen.“ Für die im Juni anstehende Parlamentswahl rief sie zur massiven Stimmabgabe für ihre Front National auf. Das Parlament bleibe der einzige Freiraum gegen die überbordende EU-Bürokratie.

Kommentare (3)

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aruba

01.05.2012, 17:36 Uhr

Guten Tag;.... Warum auch. Die wirkliche Opposition zu Monsieur Hollande wird in Zukunft von Madame Marine Le Pen gefuehrt, nicht von diesem Zwergen. Besten Dank.

MIRO

01.05.2012, 21:56 Uhr

Sollte Hollande die Wahl gewinnen, werden die Franzosen schnell von der Realität eingeholt werden.Die Träumereien der Linken vorneweg Hollande werden mit einem Blick in die
Staatskasse schnell feststellen,dass diese leer ist.
Die Vorstellung, dass die eine Hälfte der Franzosen die Mittel erarbeiten, die die linke Hälfte ausgeben will, diese Rechnung wird nicht aufgehen.Weiteres Schuldenmachen
für Hollande die weitere Option wird ebenfalls durch die mangelnde Kreditwürdigkeit Frankreichs nicht funktionieren.
Die 3.Möglichkeit, es wird massive Einsparungen im Sozialbereich verbunden mit höheren Steuern geben.Der linke Traum ist schnell ausgeträumt.Daraus wird künftig der FN und Marine Le Pen profitieren.

Examinator

03.05.2012, 11:05 Uhr

Ein interessanter Bericht.
Was mich allerdfings zunehmend ärgert: "Front National" ist maskulöin, es heißt "der Front National"... warum sind Journalisten der oberen Kategorie so unsorgfältig?

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