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07.03.2012

07:44 Uhr

Wahlkampf in Frankreich

Sarkozy: „Ich gebe nie auf“

VonThomas Hanke

In einer dreistündigen Live-Sendung beweist Sarkozy seine Qualitäten als gewiefter Debattierer. Ein überzeugendes Projekt für die angestrebte zweite Amtszeit aber bleibt er schuldig.

Nicolas Sarkozy (M.) spricht mit dem Journalisten David Pujadas (l.). AFP

Nicolas Sarkozy (M.) spricht mit dem Journalisten David Pujadas (l.).

ParisEs war wohl der wichtigste Fernsehauftritt seines Wahlkampfes, und Nicolas Sarkozy hat ihn genutzt, so gut er konnte. Weil er in den Umfragen gegenüber dem vorne liegenden Herausforderer Francois Hollande nicht aufholt, sondern jüngst sogar weiter zurückfällt, schwindet im Lager des Präsidenten die Hoffnung, dass er das Blatt noch wenden kann.

Diese fast schon schicksalsergebene Stimmung musste Sarkozy brechen, und das hat er versucht, so gut er konnte: In der Sache stets beschlagen und sicher, mal humorvoll, mal bescheiden-selbstkritisch und ab und zu mit beißender Kritik hat der französische Staatspräsident bewiesen, dass ihm in einer Live-Debatte so schnell niemand den Rang abläuft.

Ein wenig war es wie bei einem mittelalterlichen Duell: Fünf Journalisten und ein ehemaliger Premierminister ritten nacheinander gegen Sarkozy an, und alle bis auf den sozialistischen Politiker Laurent Fabius hob der Amtsinhaber aus dem Sattel. Ob sie nun versuchten, ihm eine Politik zugunsten der Reichen vorzurechnen, ihm Nähe zu den Vorschlägen der Rechtsradikalen Marine Le Pen vorwarfen oder ihn als Bling-Bling-Politiker und Freund der Millionäre vorführen wollten: Sarkozy wehrte die Angriffe ab.

Geschickt wechselte er die Taktik: Mal wich er zurück und räumte Fehler ein, etwa wenn es um seine umstrittene Siegesfeier im schicken Champs-Elysée Restaurant Fouquet’s ging. Doch sogleich holte er zum Gegenschlag aus: „Wollen Sie Unternehmer stigmatisieren, die nichts gestohlen haben und stets ihre Steuern in Frankreich zahlen? Wer soll denn in diesem Land Arbeitsplätze schaffen?“ Sollte er wieder gewinnen, werde er seinen „Sieg der schweigenden Mehrheit der Franzosen widmen. Feiern werde ich mit meiner Familie.“

Sogar persönliche Schwächen, die er zugab - „ich bin zu spontan, zu emotional“ - wusste Sarkozy in Stärken umzudeuten: „Bestimmte Dinge empören mich eben einfach, wie Veränderungsscheu, Konservatismus und politische Feigheit.“ Seine größte Qualität sei seine Energie: „Ich gebe nie auf.“ Noch sei die Wahl längst nicht gelaufen, die Franzosen würden selber entscheiden, nicht die Demoskopen.

Doch so geschickt Sarkozy sich auch debattentechnisch schlug, sowenig gelang es ihm, einen Blick nach vorne zu werfen, die Zweifel daran zu zerstreuen, dass er das in tiefe Selbstzweifel, fast schon in Depression versinkende Frankreich nach vorne führen kann. Ein paar neue Vorschläge zauberte er aus dem Hut: „Ich werde eine Mindestbesteuerung für die großen Konzerne einführen, einige von ihnen wie Total zahlen keine oder fast keine Steuern, das werden wir ändern.“ Alle Details, wie er das mit geltenden internationalen Abkommen vereinbaren will, blieb er schuldig.

Seine seit ein paar Tagen anhaltende Kritik an der Zuwanderung, mit der er Stimmen aus dem rechten Lager zurückgewinnen will, verschärfte der Präsident: „Unsere Integrationspolitik funktioniert immer schlechter, weil es einfach zuviele Ausländer gibt.“ So einfach die Diagnose, so einfach die Therapie: er werde durch schärfere Auflagen den Zuzug halbieren.

In der Debatte, in der Europa und die internationale Politik praktisch keine Rolle spielten, kam Sarkozy nur einmal auf Deutschland zu sprechen. Führte er noch Anfang Februar die Bundesrepublik in jedem zweiten Satz als leuchtendes Beispiel an, kam ihm dieses Loblied jetzt ncht mehr über die Lippen. Aber immerhin: Sollte er wiedergewählt werden, dann werde ihn seine erste Reise sofort nach Berlin führen, um Angela Merkel zu treffen. „Nicht, dass sie mir fehlt – aber ich mag sie sehr und die Art, wie sie ihr Land durch die Krise geführt hat.“

Die naheliegende Frage, warum das ihm nicht genauso gut gelungen sei, konnte der Präsident nicht beantworten. Gleich mehrfach versuchte der wegen der hohen Verschuldung und der rasant gestiegenen Arbeitslosigkeit bei den Wählern in Ungnade gefallene Präsident es mit einem matten Konter: „Sehen Sie sich Spanien und Großbritannien an, wo die Sozialisten regiert haben, da ist die Arbeitslosigkeit viel mehr gestiegen.“

Kommentare (7)

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Michael41

07.03.2012, 04:27 Uhr

„Unsere Integrationspolitik funktioniert immer schlechter, weil es einfach zuviele Ausländer gibt.“

--> Ein sehr interessanter Satz, der durchaus auch hier in Deutschland seine Berechtigung hat.

Natürlich sind Deutschland und Frankreich Einwanderungsländer, aber die Frage lautet "wieviele Ausländer" einwandern und wann ein Land in der Integrationsbemühung schlichtweg überfordert wird. Das gilt in Frankreiche gleichermaßen wie auch in Deuschland: und diese berechtigte Frage des Konservativen Sarkozy hat NICHTS mit Ausländerfeindlichkeit zu schaffen, wie es Linke und Grüne immer wieder gern versuchen, diese Fragestellung zu unterminieren.

Account gelöscht!

07.03.2012, 06:29 Uhr

Sarkozy wird schon gewinnen...es werden genauso "ehrliche Wahlen" sein, wie die vergangenen in den USA und in Russland;)

Account gelöscht!

07.03.2012, 06:59 Uhr

Für wen halten Sie denn die Franzosen ?
Geht es etwa in Deutschland nicht ehrlich zu ?

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