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07.02.2012

06:35 Uhr

Wahlkampf

SPD tritt gegen CDU an - in Frankreich

Für die Ankündigung, Nicolas Sarkozy im Wahlkampf zu unterstützen, hat Angela Merkel Kritik einstecken müssen. Doch der Kanzlerin war das egal. Jetzt bekommt sie eine Gegenspielerin - aus Düsseldorf.

Angela Merkel (l.) und Hannelore Kraft bei einer Veranstaltung 2011. Reuters

Angela Merkel (l.) und Hannelore Kraft bei einer Veranstaltung 2011.

DüsseldorfDie SPD kritisiert das Eingreifen von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in den französischen Präsidentschaftswahlkampf - und will ihr nacheifern. Der Parteivorsitzende Sigmar Gabriel bewertete Merkels gemeinsames Fernsehinterview mit Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy vom Montag als „eher peinlich“. Seine Stellvertreterin Hannelore Kraft kündigte an, die SPD werde Sarkozys sozialistischen Gegenkandidaten François Hollande unterstützen. Der Vorsitzende der Grünen-Bundestagsfraktion, Jürgen Trittin, warnte vor einer Belastung der deutsch-französischen Beziehungen.

Gabriel schrieb nach Parteiangaben auf seiner Facebookseite, bei dem gemeinsamen Fernsehauftritt Merkels und Sarkozys sei offensichtlich gewesen, dass beide keine Antworten auf die drängenden Fragen in Europa hätten. Er glaube nicht, dass die CDU-Vorsitzende dem französischen Präsidenten im Wahlkampf geholfen habe.

Merkel hatte Sarkozy am Montag weitreichende Wahlkampfhilfe zugesagt. Die Präsidentschaftswahl in Frankreich findet im Mai statt.

Kraft sagte, Merkels Wahlkampfhilfe für Sarkozy werde eher den Sozialisten helfen. Auch freue es die SPD, dass der konservative Sarkozy die Arbeitsmarktreformen von Ex-SPD-Kanzler Gerhard Schröder zum Vorbild erklärt habe. „Die SPD wird natürlich auch die französischen Sozialisten vor Ort im Wahlkampf unterstützen“, sagte die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin der Düsseldorfer „Rheinischen Post“.

Merkel und Sarkozy warnen Griechenland

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Trittin sagte den Dortmunder „Ruhr Nachrichten“: „Eine deutsche Regierungschefin, die für einen Präsidenten in den Wahlkampf zieht, der mit dem Rücken zur Wand steht, schadet den deutsch-französischen Beziehungen.“ Wenn Merkel ein Interview mit Sarkozy gebe, seinem demokratischen Mitbewerber aber ein Treffen verweigere, verletze sie die für eine Bundeskanzlerin gebotene Neutralität.

Trittin sagte, die deutsch-französische Freundschaft sei ein Eckpfeiler deutscher Politik. „Es kann aber nicht sein, dass Regierungstreffen für Wahlkampfhilfe unter konservativen Politikern zweckentfremdet werden“, sagte Trittin. „Die deutsch-französische Achse sollte auch dann noch funktionieren, wenn ab Mai nicht mehr Nicolas Sarkozy im Elysée-Palast regiert.

Merkel hatte am Montag bei einem gemeinsamen Fernseh-Interview mit dem französischen Präsidenten ihre Wahlkampf-Hilfe für Sarkozy verteidigt.

CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe hatte zuvor gemeinsame Wahlkampfauftritte von Merkel mit Sarkozy angekündigt, der noch nicht offiziell Präsidentschaftskandidat ist. Dies war zuletzt auch innerhalb der schwarz-gelben Koalition auf Vorbehalte gestoßen.

Hollande liegt in Umfragen seit Monaten deutlich vor Sarkozy.

Fakten zur Kanzlerin

A wie Abflug bis F wie fotografisches Gedächtnis

A wie Abflug: Die Flüge der Kanzlerin gehen fast immer in Tegel ab. Allerdings vom militärischen Teil, Avenue Jean Mermoz, praktisch gegenüber des Terminals für den Publikumsverkehr. Den Sicherheitscheck übernimmt die Bundeswehr, ansonsten das gewohnte Bild: Die Aufgeregten rennen schnell noch mal aufs Klo, die Raucher pumpen sich die Lungen voll Nikotin.

B wie Bodyguards: Für die Sicherheit der Kanzlerin ist auch auf Reisen gesorgt. Männer und Frauen des Bundeskriminalamtes passen auf, dass nichts passiert. Sie tun das mit bewundernswerter Geduld, bleiben auch bei großem Stress immer höflich. Was schon eine Leistung ist, wenn plötzlich im Ausland Horden von Journalisten auf die Kanzlerin zustürzen.

F wie fotografisches Gedächtnis: Im Flugzeug bekommen die mitreisenden Journalisten immer auch ein Briefing durch die Kanzlerin. Merkel hat dabei alle wichtigen Aspekte im Kopf. Was schon zu der Vermutung geführt hat, sie müsse über ein fotografisches Gedächtnis verfügen.

H wie Hintergrundgespräch bis P wie Parade

H wie Hintergrundgespräch: Eine gute Gelegenheit, mit der Kanzlerin auf Reisen auf Tuchfühlung zu gehen. Ein Dutzend Journalisten, Merkel, ihr außenpolitischer Berater Christoph Heusgen, der Regierungssprecher, sowie eine Chefin oder ein Chef vom Dienst des Bundespresseamtes quetschen sich im Flugzeug in einen geschätzt fünf Quadratmeter großen Besprechungsraum. Auf dem Hinflug geht es dabei meist um die Vorbereitung aufs Reiseziel, auf dem Rückflug werden auch innenpolitische Themen angesprochen.

J wie Joachim Sauer: Merkels Ehemann ist selten bei Reisen dabei. Warum sollte er auch, schließlich hat er seinen eigenen Job. Der Professor für physikalische und theoretische Chemie an der Humboldt-Universität gilt national und international als einer der besten Wissenschaftler im Bereich der Quantenchemie und ist selber oft unterwegs. Zuletzt war er im Juni mit dabei, als seine Frau im Weißen Haus in Washington von US-Präsident Barack Obama die „Medal of Freedom“ überreicht bekam.

K wie Kanzlermaschine: Eine der „Kanzlermaschinen“ ist die Konrad Adenauer. Früher flog ein Airbus A 310 unter diesem Namen, seit März ist es ein Airbus A 340. Die alte „Konrad Adenauer“ ist aber immer noch ganz flott und bleibt wohl bis 2013 im Dienst. Mitte Oktober nutzte Merkel diese Maschine bei ihrer Reise nach Vietnam und in die Mongolei, weil die Landebahn in Ulan Bator für den A 340 zu kurz gewesen wäre. Bei der Reise machte die Maschine ohnehin was mit. Von 78 Stunden Reisedauer wurden 34 im Flugzeug verbracht.

P wie Parade In vielen Ländern wird die Kanzlerin mit militärischen Ehren empfangen. Merkel muss dann die Ehrenformation an Soldaten abschreiten, besonders ergiebig war das in Kenia, wo der Paradeweg über 100 Meter lang war. Manchmal geht es auch schneller, bei Zeremonien am Flughafen etwa. Oder wenn das Wetter schlecht ist.

R wie Reisepass bis U wie Unternehmer

R wie Reisepass: Wird auch auf Kanzlerreisen benötigt. Die Mitarbeiter der Kanzlerin verfügen in der Regel über Diplomatenpässe. Darüber hinaus sitzen alle Reisenden wie auf normalen Flügen auch mit gerunzelter Stirn gebeugt über irgendwelchen Einreiseformularen.

S wie Steffen Seibert: Der Regierungssprecher ist bei Auslandsreisen immer dabei. Meist twittert er die Ankunft in einem fremden Land schon, wenn die Maschine noch ausrollt und hält auch danach Journalisten wie Internet-Gemeinde auf dem Laufenden. Siehe auch C und D.

U wie Unternehmer: Ab und an nimmt die Kanzlerin neben den Journalisten auf ihre Auslandsreisen auch eine Wirtschaftsdelegation mit. Deren Mitglieder verhandeln dann vor Ort, manchmal geht der Schuss nach hinten los. So bei der Afrika-Reise Merkels im Juni, als Meldungen über die geplante Lieferung von Patrouillenbooten nach Angola für Schlagzeilen sorgten.

Y wie Yellow Press bis Z wie Zahlungsanweisung

Y wie Yellow Press: Der Glamour-Faktor bei Merkel-Reisen ist eher gering. Die Boulevardpresse kommt nicht so zum Zuge. Dass sie auch Glamour kann, zeigte Merkel aber im schicken langen Abendkleid beim Staatsbankett in Washington mit Gästen wie Thomas Gottschalk und Jürgen Klinsmann.

Z wie Zahlungsanweisung: Ein weitverbreitetes Missverständnis ist, dass Journalisten auf Reisen von Angela Merkel für lau mitreisen dürfen. Flug und Hotel zahlt jede Redaktion selbst.

Kommentare (13)

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Account gelöscht!

07.02.2012, 06:09 Uhr

Europapolitik, so lernen wir jetzt, ist zunächst Wahlkampf in den EU-Ländern für die jeweilige Schwesterpartei.

Wenn das Beispiel Schule macht, werden unsere Politiker nunmehr rundum im ganzen Jahr mit Wahlkampfreden in den anderen Ländern beschäftigt sein. Im Gegenzug erleben wir 2013 bei uns Auftritte der ausländischen Staatsoberhäupter. Ich freue mich schon auf Papademos - wenn es ihn dann noch gibt ;-)

Account gelöscht!

07.02.2012, 07:53 Uhr

Hannelore Kraft hat ja schon enorme Erfahrungen im Schuldenmachen gesammelt. Das kann sie am Besten. Somit paßt sie ausgezeichnet zu Hollande. Aber vielleicht findet ja ein Umdenken bei beiden statt und sie eifern Schrüders Agenda 2010 nach. Für Europa wäre das hilfreich. Allerdings bezweifele ich bei beiden diese Weitsicht und Größe. Über Gabriel braucht man ja ernsthaft wohl kein Wort zu verlieren.

Thomas-Melber-Stuttgart

07.02.2012, 08:19 Uhr

Zahlt das die CDU oder das Kanzleramt? Das gilt sinngemäß natürlich auch für Wahlkampfauftritte in Deutschland.

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