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26.04.2012

19:51 Uhr

Wahlkampfendspurt

Sarkozy rutscht nach rechts

Um rechte Wähler zu gewinnen, vollzieht Sarkozy in der Europapolitik eine Kehrtwende. Ein reiner Sparkurs sei ein Irrtum, so Nicolas Sarkozy. Seinem Rivalen Hollande unterstellte er Nähe zu muslimischen Verbänden.

Gemäßigt war gestern: Nicolas Sarkozy braucht die Stimmen der rechten Wähler, um noch einmal Präsident zu werden. dpa

Gemäßigt war gestern: Nicolas Sarkozy braucht die Stimmen der rechten Wähler, um noch einmal Präsident zu werden.

ParisDie Gangart im französischen Präsidentschaftswahlkampf wird härter: Staatspräsident Nicolas Sarkozy machte am Donnerstag im Wahlkampf möglicherweise falsche Behauptungen über seinen Kontrahenten in der Stichwahl am 6. Mai, François Hollande. Zuerst behauptete Sarkozy in einem Radio-Interview, der umstrittene Islamwissenschaftler Tariqu Ramadan habe zur Wahl Hollandes aufgerufen. Ramadan selbst dementierte dies umgehend. Zugleich widersprach der muslimische Rat Frankreichs (CFCM) der Behauptung von Sarkozys Partei UMP, 700 muslimische Gemeinden würden ebenfalls dazu raten, den Sozialisten Hollande ins Präsidentenamt zu befördern. Hollande warf Sarkozy daraufhin „Lügen und kalkulierte Verwirrung“ vor.

Sarkozy muss am 6. Mai um seine Wiederwahl kämpfen - und bislang sehen ihn alle Umfragen als Verlierer. Deshalb wirbt er nun offensiv um die Wähler der Front National, die beim ersten Wahldurchgang am vergangenen Sonntag mit knapp 18 Prozent überraschend zahlreich waren. Offenbar glaubt die UMP, sobald muslimische Bürger Hollande unterstützten, würden sich die FN-Wähler automatisch von ihm abwenden. Inzwischen haben mehrere UMP-Abgeordnete den „rechten Kurs“ von Sarkozy öffentlich kritisiert.

Aber auch auf einem anderen umkämpften Feld, der Europapolitik, vollzieht Sarkozy eine Kehrtwende. Die Ankündigung des Präsidenten der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, einen Wachstumsvertrag für Europa zu schmieden, kam für Sarkozy denkbar ungelegen. Hollande hatte seit Monaten einen neuen europäischen Wachstumspakt und eine Erweiterung der Brüsseler Sparpolitik gefordert - und war dafür von Sarkozy gescholten worden, als jemand, der die Märkte verunsichere.

Nun muss Sarkozy kleinlaut in dasselbe Horn blasen. „Ein reiner Sparkurs ist ein großer Irrtum“, sagte Sarkozy in einem Radiointerview am Donnerstag. Er habe aber keine Wende vollzogen, sondern die „bisherige Politik noch erweitert“. Hollande hatte die Europa-Politik von Sarkozy daraufhin als „vollkommen verfehlt“ bezeichnet.

Von

dapd

Kommentare (5)

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so_what

26.04.2012, 22:32 Uhr

Wenn einer ein unglaubwürdiger Populist ist, dann haben wir hier einen solchen vor uns.
Und weil er die "richtige Partei" besetzt, darf er das....

Traurig, traurig....

RobertSchumansErben

26.04.2012, 23:06 Uhr

Aber Hallo, so wird aus schwarz ein brauner Geselle. Wenn es denn zur Machterhaltung gereicht, sollten wir doch sehr auf der Hut sein, wenn sich die Gesinnung nicht färbt. Umschmeichelt Merkel und auch der Innenminister Friedrich die Riege um Sarkozy wegen solcher Pannenhelfer in punkto Geschichte?

Na, wenn es sonst nichts ist, wann werden wir endlich wieder wach?

ahmet.oeztop

26.04.2012, 23:12 Uhr

Adieu Sarkozy!!

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