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10.01.2005

07:14 Uhr

Wahlprognosen sehen PLO-Chef Abbas vorn

Abbas widmet Arafat seinen Sieg

Mit einer klaren Mehrheit ist PLO-Chef Mahmud Abbas zum neuen Palästinenser-Präsidenten und damit zum Nachfolger des verstorbenen Jassir Arafat gewählt worden. Mindestens Zweidrittel der Wähler hätten für Abbas gestimmt, ergaben drei voneinander unabhängige Wahlprognosen.

Der neue Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas bei der Stimmabgabe, gefolgt von seiner Frau. Foto: dpa

Der neue Palästinenser-Präsident Mahmud Abbas bei der Stimmabgabe, gefolgt von seiner Frau. Foto: dpa

HB RAMALLAH/JERUSALEM. Der Menschenrechtler Mustafa Barguti, der als aussichtsreichster Rivale von Abbas galt, erzielte demnach höchstens 24 Prozent der Stimmen. Abbas sagte, er widme seinen Sieg Arafat. „Der Sieg ist gut, die Versprechen einzuhalten ist besser“, sagte Abbas. Offizielle Ergebnisse waren für Montag angekündigt. Israel hofft nach dem Wahlsieg von Abbas auf ein neues Kapitel in den Beziehungen mit den Palästinensern. „Wir hoffen, dass diese Wahl einen neuen Weg bedeutet, den Weg des Friedens und der Versöhnung“, sagte Raanan Gissin, Berater des israelischen Ministerpräsidenten Ariel Scharon, am Sonntagabend. Gissin betonte, Abbas müsse entschieden gegen die terroristische Infrastruktur vorgehen und sich von dem „Weg des Terrors“ entfernen, den Arafat verfolgt habe. Dann sei eine schrittweise Rückkehr zum internationalen Nahost-Friedensplan denkbar.

US-Präsident George W. Bush sagte in einer Stellungnahme, die Wahlen seien „weitgehend frei und fair“ verlaufen. Er machte deutlich, dass die USA mit der neuen Palästinenserführung zusammenarbeiten wollen. Abbas erwähnte er namentlich allerdings nicht. Der neue Präsident habe schwere Aufgaben vor sich, darunter den Kampf gegen Terrorismus und Korruption und den Wiederaufbau der Wirtschaft, sagte Bush. Er mahnte Israel, zur Verbesserung der humanitären und wirtschaftlichen Situation im Westjordanland und im Gazastreifen beizutragen und die Abzugspläne aus den Palästinensergebieten voranzutreiben.

Freudenschüsse durch die Anhänger

Der französische Außenminister Michel Barnier begrüßte das Ergebnis als einen „Sieg für die Demokratie“. Es sei auch ein „erster Sieg für den Frieden“, sagte Barnier nach französischen Medienangaben.

Nach vorläufigen Angaben der Wahlkommission gaben etwa 70 Prozent der registrierten Wähler ihre Stimme ab. Bis 20.00 Uhr, eine Stunde vor der Schließung der Wahllokale, hätten mehr als 66 Prozent von 1,1 Millionen registrierten Wähler votiert, sagte der Vorsitzende der Wahlkommission, Hanna Nasser. Von den nicht registrierten Wähler hatten etwa 70 000 oder 10 Prozent ihre Stimme auf Basis der Melderegister abgegeben.

Die Wahlkommission hatte die Stimmabgabe am Sonntagabend überraschend um zwei Stunden verlängert. Als Grund nannte ein Sprecher der Organisation Behinderungen der Wähler durch israelische Beschränkungen. Insgesamt waren im Gazastreifen und im Westjordanland mehr als 1,8 Millionen Wahlberechtigte zur Stimmabgabe aufgerufen. Neben Abbas und Barguti traten bei der ersten Präsidentschaftswahl seit 1996 fünf weitere Bewerber an.

Internationale Wahlbeobachter teilten am Nachmittag mit, es seien keine Unregelmäßigkeiten bei der Stimmabgabe beobachtet worden. Anhänger von Abbas reagierten mit Jubel und Freudenschüssen auf seinen Sieg bei den Präsidentenwahlen. Im Zentrum von Ramallah im Westjordanland fuhren am Abend Fahnen schwenkende junge Männer in Autokorsos und feuerten aus automatischen Waffen und Pistolen Freudenschüsse in die Luft.

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