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18.09.2013

13:59 Uhr

Wanderarbeiter in Schweden

Blutige Beeren

VonAnna Lehmann

Tausende Wanderarbeiter aus Thailand ernten zurzeit die Beeren in Schwedens Wäldern – unter erbärmlichen Bedingungen. Seit einer Woche streiken 50 von ihnen in Umeå. Sie gehen damit ein hohes Risiko ein.

Das „Jedermannsrecht“ erlaubt es in Schweden allen, wild wachsende Blaubeeren zu sammeln. picture alliance / dpaPeter Steffen dpa/lni

Das „Jedermannsrecht“ erlaubt es in Schweden allen, wild wachsende Blaubeeren zu sammeln.

Zwei Monate schon sammelt er täglich zehn bis zwölf Stunden Beeren im Wald, und zwei Monate hat er keine Krone Lohn erhalten, berichtet Windi Kawkebkam. Seine Augen sind rotgeädert, trotz der warmen Witterung trägt er Steppjacke und Skihose. Wie die anderen 50 thailändischen Pflücker wirkt er erschöpft. Sie sind aus dem Wald in die Stadt gekommen und campieren seit einer Woche in Autos auf einem leerstehenden Grundstück der Universitätsstadt Umeå im Land Västerbotten. „We want help“ steht auf einer LKW-Plane.

Die thailändischen Beerenpflücker in Schweden sind die polnischen Spargelstecher in Deutschland. Sie erledigen Arbeiten, für die sich keine einheimischen Arbeitskräfte finden. Doch das Image der schwedischen Beerenpflückerindustrie ist noch schlechter als das der deutschen Spargelwirtschaft. Regelmäßig zur Beerensaison protestieren in Schweden Pflücker, die unter sklavenähnlichen Bedingungen schuften und dann um ihren Lohn geprellt werden.

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Das „Jedermannsrecht“ erlaubt es allen, die Blaubeeren, Preiselbeeren und Moosbeeren, die Schwedens Wälder wie einen Teppich bedecken, zu sammeln. Das Geld liegt quasi auf dem Boden. Auch Unternehmen machen sich das Jedermannsrecht zunutze, heuern billige Arbeitskräfte an, lassen sie den Reichtum der Wälder ernten und verkaufen die Beeren an die Industrie.

Rund 150.000 Tonnen Beeren haben kommerzielle Pflückerfirmen im vergangenen Jahr geerntet. Das geht aus einem noch unveröffentlichten Bericht der Nichtregierungsorganisation Swedwatch hervor, die Brancheninformationen zusammengetragen hat. „Nur etwa 20 Prozent der Beeren bleiben in Schweden, der größte Teil wird nach Japan und andere asiatische Länder exportiert, wo sie von multinationalen Konzernen für Medizin- und Kosmetikprodukte verwendet werden“, erklärt der Autor des Berichts Mats Wingborg.

Praktische jede einzelne schwedische Beere ist von einem Wanderarbeiter gepflückt worden. In diesem Jahr hat das schwedische Migrationswerk über 6.000 Genehmigungen für ausländische Arbeiter erteilt. Sie kommen alle aus Thailand.

Kommentare (17)

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18.09.2013, 14:26 Uhr

Wo ist der Unterscheid zur Sklaverei?

Account gelöscht!

18.09.2013, 14:32 Uhr

Dass es in Schweden stattfindet, diesem heiligen Land.

Account gelöscht!

18.09.2013, 14:36 Uhr

Ja, so ist das im Sozialstaat Schweden, den sich Deutschland immer zum Vorbild nehmen soll.

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