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29.06.2013

19:24 Uhr

Wanzen installiert

NSA soll EU-Einrichtungen ausgespäht haben

Die Affäre um Edward Snowden zieht immer weitere Kreise. Angeblich hat der US-Geheimdienst NSA gezielt Einrichtungen der Europäischen Union (EU) ausgespäht. Zudem kocht gerade ein weiterer Fall von Geheimnisverrat hoch.

Edward Snowden auf allen Kanälen: Vermeintliche Spionageaktionen von US-Diensten sorgen weiter für Schlagzeilen. ap

Edward Snowden auf allen Kanälen: Vermeintliche Spionageaktionen von US-Diensten sorgen weiter für Schlagzeilen.

Berlin/Moskau/WashingtonAus einem als streng geheim eingestuften Papier der NSA vom September 2010 gehe hervor, wie der Geheimdienst Wanzen im Gebäude der EU-Vertretung in Washington installiert und auch das interne Computernetz infiltriert habe, berichtet der "Spiegel" am Samstag vorab aus seiner neuen Ausgabe. Das Papier stamme aus Dokumenten, die der frühere Geheimdienst-Mitarbeiter Edward Snowden mitgenommen habe. Die USA könnten demnach nicht nur Besprechungen in dem Gebäude belauschen, sondern bekämen auch Zugriff auf E-Mails und interne Dokumente auf den Computern.

Fragen und Antworten zu PRISM

Bekommen US-Geheimdienste Informationen von Internet-Unternehmen?

Ja, und das ist auch seit Jahren bekannt. Nach dem „Patriot Act“ können Behörden mit Gerichtsbeschluss Zugang zu Informationen bekommen. Das neue an den Berichten über ein Programm Namens „PRISM“ wäre der freie Zugang zu den Servern von Google, Facebook & Co. statt eines punktuellen Zugriffs. Sowohl die Regierung als auch die Unternehmen weisen dies zurück. Laut US-Geheimdienstkoordinator James Clapper ist „PRISM“ nur ein internes Computersystem der Behörden.

Die US-Regierung betont, dass die Überwachung und die Verwendung der Daten strikt überwacht werden, von wem?

Die Abläufe bleiben komplett im geheimen Bereich. Die Geheimdienstanfragen nach Nutzerdaten müssen zwar von einem Gericht bewilligt werden - aber es ist ein speziell dafür geschaffenes Gericht mit elf Richtern. Die Anfragen sind so geheim, dass die Unternehmen selbst über ihre Existenz schweigen müssen.

Gibt es Anhaltspunkte dafür?

Die „New York Times“ zitierte am Wochenende einen Juristen „einer Technologiefirma“, der berichtete, wie die NSA einen Agenten ins Hauptquartier des Unternehmens abkommandiert habe, um den Verdächtigen in einem Cyberangriff zu überwachen. Der Agent habe von der Regierung entwickelte Software auf dem Server installiert und sei für mehrere Wochen geblieben, um Daten in ein Notebook der Agentur herunterzuladen. In anderen Fällen fordere die NSA Echtzeitdaten an, die dann digital übermittelt würden.

Könnte der Geheimdienst sehen, wie Ideen beim Tippen entstehen?

Das muss kein Widerspruch sein. Der amerikanische Journalist und Geheimdienstexperte Marc Armbinder beschreibt das Funktionieren des „PRISM“-Systems so: Zum Beispiel könnte Facebook die Anordnung bekommen, Informationen über alle Profile aus Abbottabad in Pakistan herauszurücken, angenommen, es gibt 50 davon. „Diese Accounts werden ständig aktualisiert. Also erstellt Facebook eine „Spiegel“-Version der Inhalte, zu der nur die NSA Zugang hat. Die ausgewählten Profile werden in Echtzeit sowohl auf dem Facebook-Server als auch auf dem gespiegelten Server aktualisiert. "PRISM" ist das Werkzeug, das das alles zusammenbringt.“

Könnte die NSA Daten auch ohne Kooperation bekommen?

Absolut. Und Zunger beschreibt eine Möglichkeit dafür: Sie könnten den Datenstrom bei den Anbietern von Internet-Zugängen abgreifen und Datenpakete mit Bezug zum Beispiel zu Facebook oder Google herausfiltern.

Wie glaubwürdig sind die Dementis der Internet-Konzerne?

Sie sind ähnlich formuliert und beziehen sich auf einen „direkten Zugriff“ auf Server der Unternehmen. Zugleich klingen einige davon auch sehr persönlich und aufrichtig. So versicherte der Chefentwickler des Online-Netzwerks Google+, Yonathan Zunger, er würde kündigen, wenn er davon Wind bekäme. Und er sei in einer Position bei Google, in der er eine so groß angelegte Spionageaktion eigentlich hätte mitkriegen müssen. Zunger ist offen in seiner „Abscheu“ für die NSA: „Wir haben nicht den Kalten Krieg geführt, damit wir die Stasi nachbauen können“.

Auf die gleiche Art und Weise sei auch die EU-Vertretung bei den Vereinten Nationen attackiert worden, berichtet das Magazin unter Berufung auf die Unterlagen. Offenbar sei die NSA auch für einen Lauschangriff verantwortlich, der sich vor mehr als fünf Jahren gegen das Justus-Lipsius-Gebäude in Brüssel gerichtet habe. Dort verfügt jeder EU-Staat über Räume mit Telefon- und Internetanschlüssen für Minister. Die Attacke sei ins Nato-Hauptquartier im Vorort Evere zurückverfolgt worden, und zwar in einen abgeschirmten Bereich, der von NSA-Experten genutzt werde.

Die Linke in Deutschland sprach von einem "völlig inakzeptablen" Vorgang und forderte drastische Konsequenzen. "Die einzige richtige Konsequenz ist der sofortige Abbruch der Freihandelsgespräche zwischen der EU und den USA. Man kann nicht auf Augenhöhe verhandeln, wenn man vom Gegenüber heimlich ausspioniert wird", sagte Linksparteichef Bernd Riexinger Handelsblatt Online. Europa dürfe sich nicht von den USA über den Tisch ziehen lassen. "Die Freihandelszone ist praktisch tot."

Die britische Zeitung "Guardian" hatte erst am Wochenende unter Berufung auf Snowden berichtet, der britische Geheimdienst zapfe im großen Stil transatlantische Telefon- und Internetkabel an und gebe persönliche Informationen an die NSA weiter. Das britische Tempora-Programm sei weit umfangreicher als der gigantische US-Datenspeicher Prism, den Snowden zuvor bekanntgemacht hatte.

Kommentare (33)

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Rechner

29.06.2013, 17:29 Uhr

O-Ton Spiegel
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Auf die gleiche Art und Weise sei auch die EU-Vertretung bei den Vereinten Nationen attackiert worden, berichtet das Magazin unter Berufung auf die Unterlagen.
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Die USA sind als Standort internationaler Organisationen untragbar.

Deutschland sollte die Feindorganisation UN nicht nur deshalb sofort verlassen.

Vicario

29.06.2013, 17:43 Uhr

@ Rechner

Zitat : Auf die gleiche Art und Weise sei auch die EU-Vertretung bei den Vereinten Nationen attackiert worden, berichtet das Magazin unter Berufung auf die Unterlagen.

- bei den Amis läuft sowas unter dem Begriff FREIHANDELSZONE ( hier werden halt Informationen gehandelt )....:-)

Die Europäer haben es nur nicht richtig verstanden !

Und die Brüder Briten sitzen doch in Brüssel dabei.....da braucht man erst gar nichts zu verwanzen !

Account gelöscht!

29.06.2013, 17:51 Uhr

Man sollte den Völkerbund wiederbeleben mit Standort in der Schweiz. Die USA müssen draußen bleiben, da Schurkenstaat.

Verhandlungen um Freihandelsabkommen für unbestimmte Zeit auf Eis legen. Sämtliche Verträge in denen die EU und ihre Mitglieder sich bereit erklären Passagierdaten in die United Stasi of America zu liefern sind sofort zu kündigen. Bewohner von Stasiland sind bei der Einreise so zu flizen als stünden sie unter Terrorverdacht. Mitarbeiter von Stasi-Finanzunternehmen müssen sich einem 48 Stunden langen Sonderverhör unterziehen. Sämtliche US-Installationen in Deutschland müssen bis Jahresende geräumt werden.

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