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01.09.2013

11:36 Uhr

Wanzen installiert

NSA spähte Frankreichs Außenministerium aus

Der US-Geheimdienst NSA hat offenbar auch das französische Außenministerium ausgespäht. In den französischen Vertretungen in Washington und bei den Vereinten Nationen soll die NSA Wanzen installiert haben.

Das Logo vor der Zentrale der National Security Agency (NSA) dpa

Das Logo vor der Zentrale der National Security Agency (NSA)

Hamburg/ParisNach einem Bericht des „Spiegel“ interessierte sich die NSA besonders für das Computernetz, in dem Botschaften, Konsulate und Ministerium miteinander verbunden sind. Das geht nach Angaben des Magazins aus einem NSA-Dokument vom Juni 2010 hervor. Die Aktionen gegen das Außenministerium seien eine „Erfolgsstory“, heißt es laut „Spiegel“ in dem als „streng geheim“ eingestuften Papier. In den französischen Vertretungen in Washington und bei den Vereinten Nationen soll die NSA Wanzen installiert haben, in New York seien Screenshots gesammelt worden.

Die NSA-Spähaffäre und die Causa Snowden

5.Juni

Die britische Zeitung „The Guardian“ berichtet, dass der Handynetzbetreiber Verizon dem US-Geheimdienst NSA auf der Grundlage eines geheimen Gerichtsurteils täglich Informationen zu allen Telefonanrufen innerhalb der USA sowie zwischen der USA und anderen Ländern übermitteln muss.

6. Juni

Berichten der "Washington Post" und des „Guardian“ zufolge dürfen die NSA und die Bundespolizei FBI auf Serverdaten der Internetkonzerne Google, Microsoft, Yahoo, Facebook, Apple, Youtube, Skype, AOL und PalTalk zugreifen. Das geheime Überwachungsprogramm wurde demnach 2007 eingeführt.

9. Juni

Der ehemalige Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden, der über Hawaii nach Hongkong geflohen war, gibt sich als Quelle der Enthüllungen zu erkennen. Drei Tage später beschuldigt er Washington, weltweit "hunderttausende Computer" zu überwachen.

21. Juni

Die US-Regierung beschuldigt Snowden der Spionage, des Diebstahls und der illegalen Nutzung von Regierungseigentum. Washington verlangt von Hongkong die Auslieferung des IT-Experten.

23. Juni

Snowden, gegen den inzwischen ein Haftbefehl vorliegt, reist nach Moskau. Sein Reisepass wurde von den US-Behörden ungültig gemacht. Der ecuadorianischen Regierung liegt nach eigenen Angaben ein Asylantrag Snowdens vor. Washington warnt Moskau und Peking vor diplomatischen Konsequenzen.

1. Juli

Putin bietet Snowden ein Aufenthaltsrecht in Russland an, fordert aber, dass der Informant seine Aktivitäten gegen die USA einstellt. Nach Angaben der Plattform „Wikileaks“ hat Snowden in zahlreichen Ländern, darunter Deutschland, um politisches Asyl ersucht.

2. Juli

Mehrere Staaten lehnen Snowdens Asylantrag ab. Nach Ländern wie Deutschland, Österreich, Brasilien, Spanien und Polen erteilen ihm am Tag darauf auch Frankreich und Italien eine Absage.

21. Juli 2013

Das Bundesamt für Verfassungsschutz räumt ein, es teste ein NSA-Spähprogramm, setze es aber derzeit nicht ein. Der „Spiegel“ berichtet, der BND habe sich für eine laxere Auslegung deutscher Datenschutzgesetze eingesetzt, um den Austausch zu erleichtern.

1 .August

Snowden erhält vorläufiges Asyl in Russland und verlässt den Flughafen. Er darf nun ein Jahr lang im Land bleiben, sein russischer Wohnort wird aus Sicherheitsgründen geheimgehalten.

7. August

US-Präsident Barack Obama sagt ein für Anfang September geplantes Einzeltreffen mit Putin am Rand des St. Petersburger G-20-Gipfels wegen der Spannungen um Snowden ab.

31. Oktober

Unter strenger Geheimhaltung trifft der Grünen-Bundestagsabgeordnete Hans-Christian Ströbele Snowden in Russland. Der Informant habe grundsätzliches Interesse, in Deutschland zur NSA-Spähaffäre auszusagen, sagt Stöbele anschließend.

Eine nachrichtendienstliche Prioritätenliste der USA führt Frankreich dem Bericht zufolge als offizielles Aufklärungsziel der US-Geheimdienste. Die NSA interessierte neben der Außenpolitik vor allem die französische Waffenindustrie, sowie die wirtschaftliche Stabilität des Landes. Frankreichs Präsident François Hollande drohte bereits Anfang Juli, die Verhandlungen über das Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Union und den USA auszusetzen, und forderte Garantien der US-Regierung, dass es keine weitere Spionage geben werde.

Von

dpa

Kommentare (5)

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Account gelöscht!

01.09.2013, 11:54 Uhr

"Garantien der US-Regierung (oder anderen Staaten), dass es keine weitere Spionage geben werde" gibt es in diesem Geschäft nicht. Da hilft nur Abstand halten und sich vorsehen. Letzten Endes bleibt nur die Kurierpost. Das sollte sich ein Staat leisten können, vor allem, wenn er eine nationale Airline hat und subventioniert.

Wolfsfreund

01.09.2013, 12:04 Uhr

"Letzten Endes bleibt nur die Kurierpost."
---
Und hoch geheimes einfach auf Schreibmaschine oder per Hand schreiben: Russischer Pragmatismus.
Die Russen waren auf ihre Art schon immer genial. Ich erinnere mich noch an den lustigen Fernsehspot, in dem die NASA damit warb, eine Million US$ für einen Kugelschreiber investiert zu haben, der auch unter Schwerelosigkeit schrieb. Der Spot endete mit:
"Und so lösten die Russen das Problem!", während eine Männerhand eine frisch gespitzten Bleistft auf den Tisch legte. Kostenpunkt: Ein paar Kopeken! :-)

Tabu

01.09.2013, 12:45 Uhr

hehe.lustig.
Besonders nachdem Kerry gestern die Briten brüskierte
und Frankreich seinen ältesten Verbündeten nannte.
Nur weil Camerons Kriegsgeheul so wenig Anklang fand.
Hollande dieses Rumpelstilzchen,wird auch wenig
amused sein.


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