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06.10.2014

17:08 Uhr

Warnung an die Regierung

Nicht noch ein verlorenes Jahrzehnt in Europa!

VonJens Münchrath

ExklusivDer US-Ökonom und Nobelpreisträger Joseph Stiglitz kritisiert Deutschlands Europapolitik scharf. Merkels Sparkurs sei gescheitert. Stiglitz fordert eine vollständige Bankenunion und eine gemeinsame Schuldenaufnahme.

Nobelpreisträger Joseph Stiglitz warnt die Bundesregierung. ap

Nobelpreisträger Joseph Stiglitz warnt die Bundesregierung.

DüsseldorfDer amerikanische Ökonomie-Nobelpreisträger, Joseph Stiglitz, attackiert die Bundesregierung für ihre Europapolitik. Der von Bundeskanzlerin Angela Merkel für Europa verordnete Sparkurs sei „gescheitert“.

„Europa hat schon ein verlorenes Jahrzehnt erlitten und es droht ein weiteres, wenn sich nichts ändert“, sagte Stiglitz in einem Interview mit dem Handelsblatt (Dienstagausgabe).

„Hohe Arbeitslosigkeit, niedrigere Löhne und geschwächte Sozialsysteme – all das wurde im Namen der Euro-Rettung in Kauf genommen“, sagte Stiglitz.

Wirtschaftlicher Niedergang in ganz Europa

Vergleich mit anderen Ländern

Die wirtschaftliche Situation hat sich im Deutschen Reich mit dem Kriegsbeginn erheblich verschlechtert. Das liberale Unternehmerturm wurde verdrängt. War der Welthandel 1913 noch so stark wie nie zuvor, brach er in der Folge des Krieges massiv ein. Es folgt eine kurze Übersicht über die wirtschaftliche Lage in den anderen am Krieg beteiligten Großmächten.

Österreich-Ungarn

Die wirtschaftliche Situation in Österreich war noch prekärer als im Deutschen Reich. Mitte 1918 waren die Reallöhne der Arbeiter nur noch halb so hoch wie vor dem Krieg, und das bei nicht geringen Preissteigerungen. Die industrielle Produktion fiel, abgesehen von Rüstungsgütern, 1918 auf den Stand von 1913, was einen Rückgang um 60 Prozent bedeutete. Die Kohleproduktion kam beinahe vollständig zum Erliegen.

Frankreich

Frankreich litt massiv unter der Besetzung seiner Industrieregion im Nordosten. Das Land verlor so 83 Prozent der Roheisen- und 58 Prozent der Stahlproduktion. Doch Frankreich gelang die Umstellung der klassischen Industrie auf Waffen- und Munitionsherstellung außergewöhnlich gut.

Großbritannien

Vor dem Krieg hatte Großbritannien drei Viertel seiner Lebensmittel importiert. Durch den U-Boot-Krieg der Deutschen war diese Grundversorgung gefährdet, aber der private Konsum ging unterm Strich weit weniger zurück als in den anderen Ländern, die am Krieg teilnahmen. Rationalisierungen wurden erst sehr spät notwendig, als Butter und Fisch knapper wurden.

Russland

Das riesige Land litt vor allem unter seinem schlechten Eisenbahnnetz. Das galt für den Transport von Soldaten und Rüstungsgütern als  auch für den von Lebensmitteln. Durch den Krieg brachen die üblichen Verteilungswege zusammen. Ab 1916 zerfiel das Land in autonome Versorgungsregionen. Die Städte waren chronisch unterversorgt, was zum Zerfall des Zarenregimes entscheidend beitrug.

USA

Die USA waren schon während des Krieges ein großer Profiteur: Die Amerikaner finanzierten auch das Deutsche Reich, aber vor allem die Westmächte und hatten gerade ab 1917 entsprechend großes Interesse, dass diese den Krieg gewannen und ihre Kredite somit zurückzahlen konnten.

Stiglitz fordert eine vollständige „Bankenunion mit gemeinsamer Einlagensicherung“, einen gemeinsamen Solidaritätsfonds und eine „gemeinsame Schuldenaufnahme“, also eine Art Eurobonds. Deutschland müsse als größte Volkswirtschaft in Europa am Ende ohnehin die Rettungskosten tragen. Eine Einführung von Eurobonds sei der günstigere Weg.

Außerdem warnte Stiglitz vor der wachsenden Ungleichheit in den Gesellschaften infolge der ultralockeren Geldpolitik. Diese Geldpolitik treibe die Aktienmärkte ständig auf neue Hochs, wovon „vor allem die Reichen profitieren“, so Stiglitz.

„Aus diesem Grund plädiere ich dafür, dass die Fiskalpolitik den entscheidenden Beitrag zur Überwindung der Krise leisten muss. Denn sie kann viel zielgerichteter sein als die Geldpolitik“, sagte Stiglitz.

Kommentare (5)

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Herr Peter Spiegel

06.10.2014, 19:17 Uhr

„gemeinsame Schuldenaufnahme“, also eine Art Eurobonds.

Bla,Bla
ein wahrer Vertreter seiner Art. Wo bleibt Soros?
Wissen Sie auch schon, was der sagt?

Herr Woifi Fischer

07.10.2014, 07:48 Uhr

Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Herr Thomas Podgacki

07.10.2014, 07:59 Uhr

Hohe Arbeitslosigkeit, niedrigere Löhne und geschwächte Sozialsysteme – all das wurde im Namen der Euro-Rettung in Kauf genommen“, sagte Stiglitz

Und es wird weitergehen.
Hat wer wirklich geglaubt, jetzt ist Schluß mit der Alimentierung von Club Med.
Rettungsfond auf Rettungsfond, Bankenhaftungsunion und jetzt die Sanierung der Bankbilanzen durch den Steuerzahler mit erst einmal 1 Billion.
Daß dies alles durch D nicht zu stemmen ist, dürfte jedem klar sein. Ob die AFD noch schlimmeres verhüten kann, bezweifle ich. Sie ist zu schwach und der Wähler zu einfältig.
Also hat Herr Stiglitz gar nicht so unrecht.

Trotzdem schönen Tag noch.

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