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26.09.2014

06:17 Uhr

Warnung des American Jewish Committee

Jüdische Gemeinden haben Angst vor Terror

VonDietmar Neuerer

ExklusivSeit Wochen wird vor IS-Anschlägen in westlichen Ländern gewarnt. Jüdische Gemeinden in Europa fühlen sich aber nicht ausreichend geschützt. Das American Jewish Committee fordert die Staaten zum Handeln auf.

Ein Mitglied der Jüdischen Gemeinde von Frankfurt (Oder): Angst vor Terroranschlägen. dpa

Ein Mitglied der Jüdischen Gemeinde von Frankfurt (Oder): Angst vor Terroranschlägen.

BerlinDas American Jewish Committee (AJC) hat die EU-Staaten aufgefordert, angesichts einer erhöhten Bedrohungslage infolge der internationalen Allianz gegen die Dschihadisten-Miliz Islamischer Staat (IS) mehr für den Schutz jüdischer Gemeinden zu tun. „Unbestritten sollte sein, dass jüdische Einrichtungen eine durchweg höhere Gefährdungslage haben, als andere öffentliche Einrichtungen und daher auch besonderer Schutzmaßnahmen bedürfen. Diese Einsicht hat sicher leider noch nicht in allen europäischen Hauptstädten durchgesetzt“, sagte der Direktor des AJC-Europabüros in Brüssel, Stephan Kramer, dem Handelsblatt (Online-Ausgabe).

Europaweit werde der Schutz jüdischer Einrichtungen zwar weitgehend ernst genommen. „Allerdings gibt es in einigen Ländern eine intensive Diskussion über bessere staatliche Schutzmaßnahmen“, sagte Kramer weiter. „Nicht wenige jüdische Gemeinden fühlen sich alleingelassen mit der Frage der Sicherheit von Synagogen, Schulen und Kindergärten.“ Jüdische Eltern hätten nicht unbegründet Angst, ihre Kinder in Schulen und Kindergärten zu schicken. „In Deutschland sind jüdische Einrichtungen grundsätzlich sehr gut geschützt“, fügte Kramer hinzu, aber absolute Sicherheit gebe es nicht.

So viel kostet ein Terroranschlag

Die exakten Kosten...

... ... für Anschläge von Terrororganisationen sind schwierig zu bestimmen, wurden jedoch gerade als Folge von 9/11 von den Ermittlungsbehörden taxiert.

500.000 US-Dollar...

... haben demnach die Anschläge vom 11. September gekostet. Es ist die höchste Summe, die soweit bekannt, jemals für einen Terrorangriff ausgegeben wurde. Bereitgestellt wurde das Geld durch Überweisungen.

Die Kosten-Nutzen-Rechnung...

... aus Sicht der Islamisten ist dabei gerade nach 9/11 perfekt aufgegangen. Den 500.000 investierten Dollars stehen direkte Kosten des Sachschadens 15,5 Milliarden US-Dollar gegenüber plus weitere Milliarden Belastungen der Haushalte durch den „Kampf gegen den Terror“ und gesamtwirtschaftliche Kosten, etwa für Fluglinien und Versicherungen.

Die Bombenanschläge auf Bali...

... mit mehr als 200 Todesopfern im Oktober 2002 kosteten die Terroristen deutlich weniger. So wird die Summe, die dafür aufgewendet wurde, mit 50.000 Dollar taxiert.

Die Anschläge von Madrid...

... vom 11. März 2004 auf Nahverkehrszüge, bei denen 192 Menschen starben, werden mit maximal 15.000 Dollar angegeben.

Extrem niedrige Kosten...

... für die Islamisten verursachten die Anschläge auf die U-Bahn in London im Juli 2005 mit mehr als 30 Toten zur Rushhour am 7. Juli 2005. Die vier Bomben, vier Rucksäcke, Handys und Zugtickets kosteten die Terroristen höchstens 2000 Dollar.

Diese Mikrofinanzierung...

... des Terrors macht es so schwierig, die Finanzströme mit den üblichen Kontrollen aufzudecken und zu stoppen. Das zentrale Mittel dieser Organisationen sind die selbstmordbereiten Attentäter, für deren individuellen und kollektiven Deradikalisierung aus Sicht von Experten zu wenig getan wird.

Quelle

German Institute of Global and Area Studies/Konrad-Adenauer-Stiftung/eigene Recherche

Allerdings könnten die Äußerungen von EU-Anti-Terror-Koordinator Gilles de Kerchove einige Staaten zum Umdenken in punkto Sicherheit bringen. De Kerchove hatte diese Woche die Einschätzung geäußert, die Extremisten-Organisation Al-Kaida könnte sich durch den Aufstieg des IS herausgefordert sehen, Anschläge in Europa, den USA und Israel zu verüben. Kramer sagte dazu: Ob die Äußerungen hilfreich seien, „wird sich zeigen, wenn nämlich einige europäische Regierungen ihre entspannte Haltung zur Bedrohungslage, insbesondere von jüdischen Einrichtungen, vielleicht neu überdenken“.

Seit langem bereits bestehe für die jüdischen Gemeinden und Organisationen in Europa eine „besonders starke, allgemeine Gefährdungslage, die sich auch noch einmal deutlich von der ohnehin erhöhten Gefährdungslage für die Bevölkerungen in unseren Ländern unterscheidet“, gab der AJC-Direktor zu bedenken. „Die jüdischen Gemeinden und Personen sind seit langem als herausgehobene Ziele identifiziert.“

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