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14.04.2011

09:27 Uhr

Warnung von EZB-Banker

Umschuldung bedroht griechisches Bankensystem

Griechenland muss Gas geben, um von seinen Schulden herunter zu kommen, mahnt ein EZB-Banker. Ansonsten droht eine Umschuldung mit bitteren Konsequenzen für den Mittelmeerstaat.

Eine griechische Ein-Euro-Münze in der Zwinge. Quelle: dpa

Eine griechische Ein-Euro-Münze in der Zwinge.

RomEin führendes Mitglied der Europäischen Zentralbank (EZB) hat Griechenland ermahnt, sein Privatisierungsprogramm voranzubringen. Das hochverschuldete Euro-Land müsse die Reformen umsetzen, wie sie mit der Europäischen Union und dem Internationalen Währungsreform vereinbart wurden, sagte EZB-Direktoriumsmitglied Lorenzo Bini Smaghi am Donnerstag in einem Interview dem italienischen Wirtschaftsblatt „Il Sole 24 Ore“. Zudem sei es an der Zeit, das Privatisierungsprogramm zu beginnen und damit Geld in die leeren Kassen des Staates zu spülen.

Bini Smaghi warnte vor verheerenden Folgen, sollte Griechenland zu einer Umschuldung gezwungen sein. „Nach unseren Erkenntnissen würde eine Umschuldung einen großen Teil des griechischen Bankensystems zum Einstürzen bringen“, sagte der EZB-Banker. „Die griechische Wirtschaft ginge in die Knie, mit verheerenden Folgen für den sozialen Zusammenhalt und den Erhalt der Demokratie in dem Land.“ Es sei die Entscheidung Griechenlands, welchen Weg es gehen wolle. „Aber andere Länder dürfen das Land nicht in eine Katastrophe drängen."

In EU-Kreisen wird derweil auf Arbeitsebene davon ausgegangen, dass 40 bis 50 Prozent der Verbindlichkeiten gestrichen werden müssten, um das Land wieder auf eine solide Grundlage zu bringen, schreibt die Wochenzeitung „Die Zeit“. Es sei allerdings noch keine Entscheidung getroffen. Die Ratingagentur Standard & Poor's hält sogar einen noch stärkeren Schuldenschnitt um 50 bis 70 Prozent für nötig. Die Regierung in Athen stemmt sich gegen eine derartige Umschuldung, weil sie Stabilitätsprobleme bei den Banken fürchtet. Über Privatisierungen soll nun frisches Geld in die leeren Kassen in Athen kommen.

Griechischen Medienberichten zufolge erwägt die Regierung, sich von Anteilen am Versorger PPC zu trennen. Auch der Verkauf von Aktien des Telekomunternehmens OTE werde erwogen. Details zu dem Privatisierungsprogramm, über das die Regierung bis 2015 50 Milliarden Euro einnahmen will, sollen am Donnerstag vorgelegt werden. Bisher hatten Regierungsvertreter einen Verkauf von PPC-Aktien stets abgelehnt. Das Finanzministerium erklärte, es gebe dazu nichts Neues. Doch die öffentlichen Kassen des Landes sind trotz der zugesagten Notkredite leer. Gegenüber nationalen und ausländischen Unternehmen bestünden Zahlungsrückstände in Milliardenhöhe, berichtete das „Handelsblatt“. „Wir sind dabei, diese ausstehenden Zahlungen zu beschleunigen“, sagte Finanzminister Giorgos Papakonstantinou der Zeitung. „Aber wir befinden uns nun mal in einer sehr schwierigen Haushaltslage und müssen mit dem auskommen, was wir haben.“

Allein gegenüber deutschen Firmen bestehen dem Bericht zufolge Außenstände von etwa 500 Millionen Euro. So habe der Baukonzern Hochtief offene Forderungen bei Straßenbauprojekten und im Gebäudemanagement, bei Siemens stehen noch Zahlungen zu Aufträgen aus, die teils noch vor den Olympischen Spielen 2004 vergeben wurden. Weltweit lagen die Außenstände nach Angaben des Finanzministeriums Ende 2010 bei mehr als fünf Milliarden Euro.

Von

rtr

Kommentare (3)

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wegmitdemballast

14.04.2011, 10:01 Uhr

Was heißt hier griechische könnten unter einer Umschuldung leiden? Wer ist denn in Griechenland mit dreistelligen Mrd.-Beträgen engagiert? Das sind ja wohl unsere Banken, als auch der deutsche Michel (Steuerzahler). Wenn man jetzt nicht umschuldet u. weiterhin dem schlechten noch das gute Geld hinterher wirft, wird es für uns alle in 2-3 Jahren eine noch viel größere finanzielle Katastrophe geben. Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende!

gdopamin

14.04.2011, 10:19 Uhr

Wie war das gleich noch mal? Sind doch alles bloß Bürgschaften kleiner Michel. Wir verdiene doch sogar noch daran. Und alle wird gut. Inzwischen „bürgen“ wir ja für halb Europa.

Und ich kann mich immer noch nicht ganz entscheiden, was mich mehr beeindruckt. Die Dreistigkeit mit der unsere Volksverräter uns ins Gesicht lügen oder die Dummheit mit der sich das Volk diese Lügen gefallen lässt.

Zum Glück wird dieses Ponzi – Schema bald ein Ende haben. Spätestens nach Spanien oder Italien.

Account gelöscht!

14.04.2011, 11:27 Uhr

Wenn der EU-Finanzgau irgendwann Wirklichkeit wird, sehe ich jetzt schon die Politiker sagen: "Zugegeben, wir haben wohl Fehler gemacht". Nur das nützt uns dann nichts mehr, wenn die Verantwortlichen mit gefüllten Taschen zurück treten und dem Volk den Schaden hinterlassen! So war es, so ist es und so wird es auch immer bleiben! Denn die Politik sitzt ja schon immer auf dem Schoß der Wirtschaft, von dessen Methoden sie fleißig gelernt hat.

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