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08.10.2012

11:12 Uhr

Warnung vor einem Krieg

Neue Scharmützel zwischen Syrien und Türkei

Erneut wurde ein türkischer Ort von Syrien aus beschossen. Das Nato-Mitglied reagierte mit Gegenangriffen. Zuvor hatte Regierungschef Erdogan gesagt, dass beide Länder „nicht weit von einem Krieg entfernt“ seien.

Bürgerkrieg in Syrien

Gefechte an der türkischen Grenze

Bürgerkrieg in Syrien: Gefechte an der türkischen Grenze

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Istanbul/StraßburgDie Grenzscharmützel zwischen Syrien und der Türkei gehen weiter. Nach einem Beschuss der türkischen Ortschaft Akcakale landeten am Sonntagabend auch am westlichen Ende der Grenze zu Syrien, in der Gegend von Altinozu, nach türkischen Angaben Granaten aus dem Nachbarland. Da das Gebiet unbewohnt ist, gab es keine Opfer. Der Gouverneur der Provinz Hatay sagte, die türkischen Kräfte hätten das Feuer erwidert.

Am Mittwoch waren in Akcakale fünf Zivilisten durch syrischen Granatenbeschuss getötet worden. Daraufhin griff die Türkei syrische Ziele an. International wuchs daraufhin die Angst vor einem Flächenbrand in der Region. Beide Seiten zeigten sich am Wochenende bemüht, die Lage nicht eskalieren zu lassen. Der türkische Regierungschef Tayyip Erdogan hatte allerdings am Freitag gewarnt, die beiden Nachbarn seien „nicht weit von einem Krieg entfernt“.

Die internationalen Partner sind besorgt. US-Verteidigungsminister Leon Panetta sagte nach Angaben des US-Sender CNN bei einem Besuch in Peru, die jüngsten Artillerieduelle gäben „Anlass zu zusätzlicher Sorge, dass sich dieser Konflikt ausweitet“.

Zehn europäische und afrikanische Mittelmeerstaaten forderten einen Regimewechsel in Syrien. Die Lage sei nicht länger hinnehmbar, hieß es in einer Erklärung zum Abschluss der „5+5-Konferenz“ in Malta. Die Gruppe vereint die nordafrikanischen Länder Algerien, Libyen, Marokko, Mauretanien und Tunesien sowie von europäischer Seite Spanien, Frankreich, Italien, Malta und Portugal.

Regionale Player im Syrien-Konflikt

Israel

Ein Einsatz syrischer Massenvernichtungswaffen ist ein Alptraum für Israel, das dem Konflikt bisher eher als Beobachter beiwohnte. Jetzt warnt Jerusalem laut davor, dass Assads Chemie- und Flugabwehrwaffen in die Hände der Hisbollah oder Al-Kaidas fallen könnten. Positiv wäre für Israel, dass sein Erzfeind Iran mit Assad seinen wichtigsten Stützpfeiler in der Region verlieren würde. Mit Assad könnte Israel allerdings auch einen Nachbarn verlieren, der für weitgehende Ruhe an der gemeinsamen Grenze gesorgt hat.

Saudi Arabien und Katar

Die sunnitischen Herrscher vom Golf unterstützen in Syrien - wie schon zuvor in Libyen - die islamisch-konservativen Kräfte. Und versuchen, einen Verbündeten ihres Erzfeindes Iran zu schwächen. Daheim können sie sich so als Unterstützer der Revolution präsentieren, ohne Protesten Vorschub zu leisten. Damaskus will in Saudi-Arabien und Katar die Urheber des „Komplotts“ gegen sich identifiziert haben.

Türkei

Das Nato-Mitglied ist seit langem einer der schärfsten Kritiker des syrischen Regimes. Weiter verschärft wurde das Verhältnis Ende Juni durch den Abschuss eines türkischen Kampfflugzeuges vor der syrischen Küste. Regierungschef Recep Tayyip Erdogan sagte dem syrischen Volk daraufhin Unterstützung bis zur Befreiung von „Diktator“ Assad zu, bei weiteren Zwischenfällen werde sein Land mit Gewalt zurückschlagen. Ein Teil des Nachschubs der syrischen Rebellen wird durch die Türkei geschleust, die allerdings offiziell keine Waffen liefert.

Libanon

Das westliche Nachbarland Syriens ist zerrissen - eine gefährliche Lage. Die Sunniten im Libanon stehen mehrheitlich auf der Seite der syrischen Opposition, die zum Großteil ebenfalls aus Sunniten besteht. Über die Grenze werden auch Waffen geliefert. Die schiitische Hisbollah-Miliz hingegen, die in Beirut in der Regierung sitzt, ist mit dem Assad-Regime verbündet. Die Waffen, mit denen sie ihre Herrschaft sichert, kommen aus Damaskus. Seit einigen Wochen gibt es im Libanon Auseinandersetzungen zwischen pro- und anti-syrischen Gruppierungen, dabei gab es auch Tote.

Iran

Aus iranischer Sicht darf das syrische Regime keinesfalls fallen. Im Frühjahr erklärte Präsident Mahmud Ahmadinedschad, er kenne keine Grenzen bei seiner Unterstützung für Präsident Assad. Angeblich schickte Teheran Militärberater und Kämpfer. Ohne Assads Regime würde es für den Iran schwerer, die eigene anti-israelische Ideologie zu verbreiten. Auch die pro-iranischen Milizen, besonders die Hisbollah in Libanon, würden geschwächt. Zuletzt bestätigte der Iran Gespräche mit Regimegegnern in Syrien und brachte sich als Vermittler ins Gespräch.

Al-Kaida

Das Terrornetzwerk Al-Kaida versucht einmal mehr, auf den fahrenden Zug aufzuspringen. Die Terroristen wollen sich als Speerspitze der Revolution präsentieren und das anschließende Tohuwabohu für ihre Zwecke nutzen.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon warnte vor „schwerwiegenden Konsequenzen“ der Eskalation der Gewalt an der türkisch-syrischen Grenze. Die Lage in Syrien habe ein „katastrophales Ausmaß“ erreicht, sagte Ban am Montag in Straßburg. Dies sei eine ernste Gefahr für die Stabilität der Nachbarländer Syriens und der gesamten Region.

Besorgt äußerte er sich über fortdauernde Waffenlieferungen an die syrische Regierung und die Kräfte der Opposition. „Ich fordere erneut die verantwortlichen Länder auf, diese Waffenlieferungen einzustellen“, sagte er. „Die Militarisierung des Konflikts verschlimmert die Lage nur.“

Rauch steigt auf nachdem eine Granate in der türkischen Grezstadt Akcakale eingeschlagen ist. dpa

Rauch steigt auf nachdem eine Granate in der türkischen Grezstadt Akcakale eingeschlagen ist.

Auch in Syrien hielt die Gewalt an: In Damaskus explodierte am Abend eine Autobombe nahe eines Polizeireviers, wie staatliche Medien und Oppositionelle berichteten. Die regierungskritische Beobachterstelle für Menschenrechte erklärte, Menschen seien ums Leben gekommen, nannte aber keine Details.

Plant Assad die Flucht?

Nach einem Bericht des arabischen Fernsehsenders Al-Dschasira bereitet der syrische Präsident Baschar al-Assad angeblich seine Flucht nach Russland vor. Der als früherer Medien-Mitarbeiter Assads präsentierte Abdullah al-Omar sagte dem Sender im türkischen Antakya, Assad wisse, dass er nicht an der Macht bleiben könne. Deshalb wolle er nach Russland fliehen, wo bereits rund 300 Wohnungen für ihn und seine Familie vorbereitet würden. Al-Omar soll bis September als Mitarbeiter im Pressebüro von Assad in viele Geheimnisse eingeweiht gewesen sein.

Der iranische Außenministers Ali Akbar Salehi geht hingegen davon aus, dass der syrische Präsident nicht an eine Flucht denkt, und warnt vor Fehleinschätzungen. „Assad glaubt an seinen Sieg, er zeigte sich überzeugt, die Auseinandersetzung in Syrien militärisch gewinnen zu können“, sagte er im Nachrichtenmagazin „Spiegel“. Der Iran ist einer der wichtigsten Verbündeten Syriens.

Kommentare (17)

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naja

08.10.2012, 08:05 Uhr

Die "Rebellen" werden die Türkei vermutlich so lange beschiessen, bis der Weltkrieg ausgebrochen sein wird.
Dazu kann man der FSA und Co doch nur gratulieren...
Fein, dass Massenmnörder wie die FSA über Demokratie ion Syrien nichteinmal mehr reden wollen: unter einem dritten Weltkrieg scheint es die Muslim-Bruderschaft in Syrien nicht mehr machen zu wollen.

Augenbraue

08.10.2012, 08:12 Uhr

Panettas Sorge, Syriens "Rebellen" und eine Türkei, die "zurückschießt": es kann noch schlimmer kommen und so wie sich die Kombattanden verhalten, wollen die genau das.
Vermutlich soll die Welt an der "Arabellion" zerbrechen.
Die Völker werden die Reste wie immer danach zusammenkehren müssen, was wiederum deren Geld kostet.
Daher ist es so "schön" "auf der Welt" zu sein.

Gratulationen jedenfalls dazu:
Was immer nach dem drohenden Weltkrieg von der Welt übriggeblieben sein könnte: beneiden wird man die Überlebenden darum nicht können - egal wo sie leben.

kurzda

08.10.2012, 08:17 Uhr

Man kann sich bei den Freunden Syriens bedanken. Ohne die geschieht nichts. Die Frage nach den Verursachern wird nicht gestellt. Man hat wohl erkannt das die "Rebellen" am Ende sind, da muss jetzt was anderes her

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