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24.05.2014

16:21 Uhr

Warnung vor Populisten

Deutsche Parteien beenden Europawahlkampf

Der Wahlkampf war eher spannungsarm. Nun bestimmen am Sonntag die Bürger, wer die 96 deutschen Mandate im neuen Europaparlament bekommt. Zum Abschluss rief das Spitzenpersonal der Parteien zur Teilnahme an der Wahl auf.

Der Spitzenkandidat der Sozialdemokraten bei der Europawahl, Martin Schulz (M). Er rief zur Teilnahme an der Wahl auf, um Rechtspopulisten keine Chance zu geben. dpa

Der Spitzenkandidat der Sozialdemokraten bei der Europawahl, Martin Schulz (M). Er rief zur Teilnahme an der Wahl auf, um Rechtspopulisten keine Chance zu geben.

Worms/ FrankfurtMit letzten Auftritten ihrer Vorsitzenden und Spitzenkandidaten haben die Parteien in Deutschland am Samstag den Europawahlkampf beendet. Die Kanzlerin und CDU-Vorsitzende Angela Merkel legte in Worms ein Bekenntnis zur friedlichen Lösung der Ukraine-Krise und anderer Konflikte ab. SPD-Spitzenkandidat Martin Schulz rief in Frankfurt am Main die Bürger zur Teilnahme an der Wahl auf, um Rechtspopulisten keine Chance zu geben. Ähnlich äußerten sich in Berlin Grünen-Spitzenkandidatin Rebecca Harms und Parteichef Cem Özdemir.

Nach einem von den Parteien mit vergleichsweise sparsamen Aufwand geführten Wahlkampf sind an diesem Sonntag in Deutschland rund 64,4 Millionen Menschen zur Wahl aufgerufen - 61,4 Millionen Deutsche und etwa 2,9 "Millionen Bürger aus anderen Ländern der Europäischen Union (EU). Auch Kleinparteien dürfen sich diesmal eine Chance "ausrechnen, weil das Bundesverfassungsgericht im Februar die Sperrklausel gekippt hatte - etwa ein "Prozent der Stimmen dürfte für ein Mandat ausreichen. Mit künftig 96 Abgeordneten bekommt Deutschland die meisten Mandate aller Mitgliedsländer.

Merkel erinnerte bei der Abschlusskundgebung in Worms an die Entstehung der Europäischen Union nach dem Zweiten Weltkrieg und die damit verbundene Friedensbereitschaft der Menschen, zu denen auch viele namhafte Christdemokraten gehört hätten. „Unsere Aufgabe heute ist es, jetzt wieder das Friedenswerk fortzusetzen und immer wieder - gerade auch im Blick auf die Ukraine - mit Russland zu sprechen, immer wieder die Hand zu reichen, obwohl wir nicht mit allem einverstanden sind“, sagte Merkel. „Wir lösen unsere Konflikte heute anders, nicht mit Krieg, sondern mit friedlichen Gesprächen.“

Kandidaten für die Europawahl – interessant bis kurios

Prominent

Auch wer Anne Helm nicht kennt, hat vielleicht schon ihre Stimme gehört: Die Synchronsprecherin tritt für die Piraten an und sprach 1995 das Ferkel in „Ein Schweinchen namens Babe“.

Große Altersunterschiede

Den Jüngsten und die Älteste trennen 71 Jahre: Der 18-jährige Alexander Hill aus der Lausitz kandidiert für Die Partei, Christa Meves aus Niedersachsen ist 89 und tritt für die Partei AUF an.

Ungleiche Verteilung

Die Union stellt mit 206 Bewerbern gut doppelt so viele Kandidaten, wie Deutschland Parlamentssitze erhalten wird. Die Partei Bibeltreuer Christen tritt mit nur fünf Leuten an.

Männerüberschuss

Nur die CSU schickt mehr Frauen als Männer ins Rennen. Die FDP hat zwar mit 74,5 Prozent insgesamt einen deutlichen Männerüberschuss - dafür sind sechs der ersten zehn Bewerber weiblich.

Altersdurchschnitt

Die jüngsten Kandidaten stellt Die Partei mit im Schnitt 37 Jahren. Durchschnittlich 66,3 Jahre sind die Mitglieder der Partei Volksabstimmung. Durchschnitt aller Parteien: 48,3 Jahre.

Hollywood-Star

Dustin Hoffmann kandidiert für Die Partei. Von seinem Namensvetter aus Hollywood trennt ihn ein „n“ - von einem Platz im Parlament viel mehr: Mit Listenrang 23 hat Hoffmann wohl kaum eine Chance.

Rund 75 Jahre nach dem Anfang des Zweiten Weltkrieges warnte SPD-Spitzenkandidat Schulz vor EU-Gegnern, die den Staatenbund zerschlagen wollten. „Das sind die Gleichen, die wieder die nationalistische Rhetorik, den Antisemitismus, den Hass und die Fremdenfeindlichkeit propagieren.“ Schulz wollte anschließend noch in Aachen gemeinsam mit Parteichef Sigmar Gabriel auftreten.

Grünen-Spitzenkandidatin Harms betonte in Berlin, es lohne sich für dieses Europa wählen zu gehen. „Europa ist das beste Kraut, das auf diesem Kontinent gegen Nationalismus und gegen Rassismus gewachsen ist.“ Parteichef Özdemir forderte: „Wir dürfen Europa nicht den Rechtspopulisten überlassen.“ Diesen leiste die Union „mit ihrer üblen Kampagne gegen Zuwanderer noch Schützenhilfe“.

Auch die FDP erteilte bei ihrem Wahlkampfabschluss in Düsseldorf Euroskeptikern eine Absage. Die europäische Identität dürfe trotz der Hürden der Bürokratie nicht preisgegeben werden, Populisten dürften keine Chance bekommen, sagte FDP-Spitzenkandidat Alexander Graf Lambsdorff. Der FDP-Bundesvorsitzende Christian Lindner warb für eine hohe Beteiligung. Während andere Völker sich nichts sehnlicher als freie Wahlen wünschten, sollten diejenigen, die Gelegenheit dazu haben, nicht aus Bequemlichkeit und Desinteresse verzichten.

Von

dpa

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