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27.03.2012

21:00 Uhr

Warnung vor Zinsanstieg

Frankreich droht nach der Wahl ein böses Erwachen

VonThomas Hanke

Vor der Wahl ist in Frankreich von politischen und wirtschaftlichen Reformen nicht viel zu sehen: Paris vertraut auf die Gläubiger - und strapaziert die Geduld ausländischer Anleger. Banker befürchten steigende Zinsen.

Die Banque de France in Paris: Banker möchten nicht verdächtigt werden, sich in den Wahlkampf einzumischen. dapd

Die Banque de France in Paris: Banker möchten nicht verdächtigt werden, sich in den Wahlkampf einzumischen.

ParisFinanzexperten und Ökonomen in Paris fragen sich, ob die Zinsen auf französische Staatsanleihen unmittelbar nach der Wahl des Staatspräsidenten am 22.April und 6. Mai hochschnellen werden. Einige Banker und Ökonomen warnen vor einer denkbaren Schreckreaktion: Derzeit hätten die Investoren ein zu rosiges Bild von Frankreichs politischer und wirtschaftlicher Lage. „Das könnte ein ähnlich böses Erwachen geben wie im Falle der Südländer des Euro-Raums, mit der Folge eines Ausstiegs aus französischen Staatsanleihen und steigenden Zinsen“, sagt der Spitzenvertreter einer ausländischen Bank in Paris.

Kein Banker möchte in den Verdacht geraten, sich in den Wahlkampf einzumischen. Deshalb lassen die Warner sich nicht namentlich zitieren. Der Chefvolkswirt einer französischen Investmentbank meint, vor allem in den USA und in Asien hätten die großen Investoren kein realistisches Bild von der politischen Entwicklung in Frankreich - nur in Deutschland stelle man die richtigen Fragen über Verschuldung und Wettbewerbsfähigkeit des Landes.

Weil das Gröbste der Euro-Krise überwunden scheint und die jüngsten Konjunkturprognosen ausschließen, dass Frankreich in die Rezession zurückfällt, hat sich Gelassenheit breitgemacht. Man fühlt sich Lichtjahre entfernt von der Panik, die kurz vor dem Verlust des Triple A-Ratings im Januar herrschte. Die Renditen auf Staatsanleihen sind im Vergleich zum März 2011 je nach Laufzeit um 40 bis über 100 Basispunkte gesunken. Die große Frage ist, worauf diese Verbesserung zurückgeht und wie stabil sie ist. Die meisten Bank-Volkswirte sehen die Geldschwemme der EZB als Ursache.

Ludovic Subran, Chefvolkswirt von Euler Hermes in Paris, gehört ausdrücklich nicht zu den Pessimisten, die einen plötzlichen Zinsanstieg befürchten. Aber auch er sagt: „Italien und Spanien haben entschlossene Reformen begonnen, Frankreich noch nicht.“ Die Investoren fragten sich deshalb, „wo Frankreich in drei Jahren stehen wird“. Das müsse die neue Regierung beantworten. Im Moment sei Frankreich „im Fegefeuer, zwischen dem starken Norden und dem schwachen Süden der Euro-Zone.“

Kommentare (6)

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Dr.NorbertLeineweber

27.03.2012, 22:18 Uhr

Frankreich wird den Euro endgültig sprengen, sollten das Spanien und Italien nicht schaffen. Es ist ein extrem streitbereites Land, das zu einer gewaltigen Kapitalflucht geradezu anstiftet. Man kann wie auf die Eieruhr kucken, irgendwann wollen alle aus ihren Anlagen in Frankreich, und dann müsste die EZB die Kapitalflucht wie schon in den PIIGS gegenfinanzieren. Wenn man die wirtschaftlichen Rahmendaten Frankreichs, insb. aber das Butgetsdefizit und die Arbeitslosigkeit ansieht, muss Frankreich bei strukturellen Anpassungsreformen durch eine Tal der Tränen. Das wird nicht funktionieren. Ein Teil der strukturellen Probleme spiegelt sich auch im Leistungsbilanzdefizit. Frankreich ist nicht wettbewerbsfähig und wird versuchen das Budgetdefizit und das Leistungsbilanzdefizit über die EZB zu finanzieren.
Schließlich hat man das an den französischen Eliteunis so gelernt (Grand Ecole - Staatsinterventionismus pur). Wieso sollte ausgerechnet Frankreich auf das verzichten, was alle anderen gerade so schön vorgemacht haben? Man braucht sich nur die Target 2-Salden und die Leistungsbilanzdefizite anschauen, dann weiß man wohin die Reise geht, den Rest übernimmt Deutschland über die Eurobonds, - bei der guten Achse Berlin-Paris!

DERRichter

27.03.2012, 22:54 Uhr

Nicht nur für Frankreich wird es ein böses Erwachen geben, sondern angesichts der großen Bedeutung des Landes Frankreich auch für uns. Wir Deutsche werden zu Zahldeppen
der EU vollständig herabsinken, ohne dass der Euro langfristig zu stabilisieren sein wird. Der kleine Mann wird die Zeche zahlen, während Politiker, Bonzen und Beamte auch dann wieder gimpflich davonkommen werden.
Immer das gleiche Spiel: Die selbstverliebten Pseudoeliten versagen, und das Volk blutet.

Dracula

28.03.2012, 00:20 Uhr

@ DERRichter, Dr.NorbertLeineweber,
was für ein Duo-Gesang!
Dabei geht es Deutschland am besten.
Deutschland ist es nie so gut gegangen!
Nicht zuletzt auf Kosten der anderen EU-Länder,
die über den Leistungsbilanzüberschuss von Deutschland ausgesaugt werden.
Das zählt und nur das!

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