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16.07.2014

19:14 Uhr

War's die Boko Haram?

Deutscher Lehrer in Nigeria entführt

Ein deutscher Lehrer bildete nigerianische Jugendliche aus und war in der Nachbarschaft beliebt. Am Mittwoch wurde er von Bewaffneten verschleppt. Geht die Tat auf das Konto der Islamisten von Boko Haram?

Hat die Terrorgruppe Boko Haram einen Deutschen entführt? AFP

Hat die Terrorgruppe Boko Haram einen Deutschen entführt?

AbujaUnbekannte haben im Nordosten Nigerias einen Deutschen entführt. Dies bestätigte am Mittwoch das Auswärtige Amt in Berlin. Bei der Geisel handelt es sich nach Recherchen der Deutschen Welle um den Leiter eines örtlichen Berufsbildungszentrums. Die Zeitung „Premium Times“ berichtete, der Lehrer sei am frühen Morgen in dem Ort Gombi im Bundesstaat Adamawa von Bewaffneten verschleppt worden. Wer dafür verantwortlich ist, war zunächst unklar. Jedoch operieren Islamisten der Terrorgruppe Boko Haram in der Region.

„Die Kidnapper sind auf Motorrädern gekommen und haben vor seinem Haus gewartet“, sagte ein Zeuge, der anonym bleiben wollte, der Zeitung. „Als er herauskam und in sein Auto stieg, haben sie ihn mit einer Waffe bedroht und gezwungen, mitzukommen.“ Der Entführte, der ehrenamtlich Jugendliche ausbilde, sei äußerst beliebt, hieß es weiter. „Jeder im Ort kennt ihn, weil er uns so sehr hilft.“

Die EU und Afrika

Bildung, Gesundheit und Zivilgesellschaft

Die EU fördert afrikanische Staaten bei der Ausbildung. Mehr als zwölf Millionen Menschen hat sie nach eigenen Angaben zwischen 2007 und 2013 bei ihrer Schul- oder Berufsausbildung unterstützt. Tausende Studenten erhielten Stipendien oder nahmen am Erasmus-Austauschprogramm teil. 178 Millionen Euro flossen in den vergangenen sieben Jahren in mehr als 600 afrikanische Forschungsprojekte zu Ernährungssicherheit, Klimawandel, Gesundheit und Energie. Auch zur Förderung von Demokratie und Menschenrechten und für den Kampf gegen den Klimawandel stellt die EU Geld bereit.

Wachstum und Handel

Europa ist der wichtigste Partner Afrikas in der Entwicklungshilfe. Zwischen 2007 und 2013 unterstützten die EU und ihre Staaten Afrikas Entwicklung mit rund 141 Milliarden Euro. Der Handel zwischen Europa und Afrika wächst seit Jahren – in beide Richtungen. 2013 exportierten die EU-Staaten Waren im Wert von 153 Milliarden Euro auf den afrikanischen Kontinent. Das war ein Rekord, wie die EU-Statistikbehörde Eurostat meldete. Frankreich, Deutschland und Italien waren die größten Exporteure. Deutschlands Ausfuhren nach Afrika summierten sich 2013 auf 22 Milliarden Euro. Umgekehrt ist die EU für Afrika der größte Handelspartner, dorthin gehen 40 Prozent aller afrikanischen Ausfuhren. Die afrikanischen Staaten verkauften im vergangenen Jahr Waren für 168 Milliarden Euro nach Europa.

Friedenssicherung

Im vergangenen Jahrzehnt hat die EU 16 EU-Missionen nach Afrika geschickt, um Krisen zu bewältigen und den Frieden zu sichern. Darunter waren nach Angaben des EU-Rates sieben Militäroperationen etwa im Kongo, Somalia und Mali sowie 9 zivile Missionen wie in Kinshasa oder im Sudan/Darfur. Derzeit sind mehr als 2300 Männer und Frauen unter der EU-Flagge bei EU-Friedensmissionen in Afrika im Einsatz. Seit 2004 hat die EU 1,2 Milliarden Euro zur Unterstützung afrikanischer Operationen zur Friedenssicherung bereitgestellt.

Die Deutsche Welle berichtete, vier Männer hätten dem Deutschen aufgelauert. „Es sah aus, als würden sie ihn um etwas bitten. Dann kurbelte er das Fenster runter, um ihnen zuzuhören“, zitierte der Sender Samuel Gajere Zamani, den Stellvertreter des Entführten. „Er sagte etwas auf Deutsch zu ihnen, denn er versteht kein Haussa.“ Dann hätten die Entführer ihre Gesichtsmasken runtergezogen und ihre Waffen herausgeholt.

Eine Gruppe Bürgerwehr-Mitglieder habe versucht, die Kidnapper aufzuhalten, berichtete Deutsche Welle weiter. Dabei seien zwei der Verfolger getötet worden, die anderen seien mit den beiden Leichen ins Dorf zurückgekehrt. 

Von

dpa

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