Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

30.01.2014

19:41 Uhr

Was nützt die Liebe in der Politik? – Frankreich

Politiker ohne Keuschheitsgelübde

VonThomas Hanke

Der Geist ist willig, das Fleisch aber schwach: Diese Weisheit billigen die Franzosen auch ihren Politikern zu – wie das Beispiel Hollande beweist. Unsere Serie beleuchtet, was Affären von Staatsoberhäuptern bewirken.

Mit dem Moped zur Geliebten? Frankreichs Präsident Hollande ist genau so zu seiner Schauspielerin gefahren. Getty Images

Mit dem Moped zur Geliebten? Frankreichs Präsident Hollande ist genau so zu seiner Schauspielerin gefahren.

ParisFrankreichs Präsident Francois Hollande ist bei weitem nicht der erste oder einzige Staatsmann, der sich eine Liebelei leistet. Es ist auch nicht die erste Affäre, die in der Öffentlichkeit breitgetreten wird. Und doch gehen die Nationen ganz unterschiedlich mit dem Verhalten ihrer Premiers und Präsidenten und deren Seitensprüngen und Freundinnen um. In einer täglichen Serie erzählen unsere Korrespondenten aus China, Italien, Japan, Amerika, Südafrika, Deutschland und Japan von den Liebes-Gepflogenheiten der Politiker in ihrem Land. Den Auftakt macht Frankreich-Korrespondent Thomas Hanke aus Paris.

Gut zwei Wochen hat die von einem People-Magazin enthüllte Beziehung von Staatspräsident Hollande mit einer Schauspielerin die französische Öffentlichkeit beschäftigt. Mittlerweile hat sich die Erregung wieder gelegt: Hollande hat sich am Samstag von seiner Lebensabschnittsgefährtin Valérie Trierweiler getrennt, seitdem ist das Interesse an der neuen Liebesbeziehung und ihren Folgen erlahmt. Doch die nach der Schauspielerin auch „Gayet-Gate“ genannte Affäre hat etwas verändert im Verhältnis von Öffentlichkeit, Medien, Politikern und ihrem Privatleben.

Nie zuvor haben auch seriöse französische Medien so breit über einen Seitensprung berichtet. Die einen stiegen sofort ein, nachdem das Klatschblatt vorgelegt hatte und entschuldigten sich damit, nun sei die Information ja auf dem Markt. Die anderen ließen eine gewisse Schamfrist verstreichen oder handelten als gespaltene Persönlichkeit: Online wurde berichtet, auf dem Papier nicht oder nur minimal.

Nach ein paar Tagen jedenfalls ging auch die anfangs zögerliche Presse mit vollem Gerät auf alle Untiefen der Geschichte ein, erforschte, wem das Appartement gehörte, in dem Hollande und Gayet sich trafen, leuchtete die familiären Verhältnisse von Gayet aus oder nahmen sich Hollandes persönlichen Sicherheitsapparat vor.

Parallel wurde laufend diskutiert, ob man überhaupt darüber berichten dürfe. Es kam vor, dass in einem öffentlichen TV-Sender ausführliche Reportagen liefen und die eigene Elysée-Kommentatorin des Senders steif und fest behauptete, das Privatleben des Präsidenten gehe niemanden etwas an. Doch dieser anfangs weit verbreitete Standpunkt wurde im Laufe der zwei Wochen völlig weggeschwemmt. Damit hat sich in Frankreich ein neuer medialer Standard eingepegelt. Über Giscard D’Estaings, Francois Mitterrands, Jaques Chiracs Affären wurde nicht geschrieben. Nicolas Sarkozy gilt ungeachtet seines schlechten Images als bemerkenswert treu. Das rücksichtsvolle Schweigen der Medien ist nun vorbei.

Kommentare (3)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

31.01.2014, 09:39 Uhr

C'est le savoir vivre!

Hoeflichkeit-galipettes

31.01.2014, 09:52 Uhr

Falsch,
Savoir vivre = Hoeflichkeit respektieren und beachten.
Wenn Ihnen in Frankreich gesagt wird:"Vous ne savez pas vivre", koennen Sie das als hoeflichen mit eleganten Worten ausgedrueckten Hinweis verstehen, dass, Sie "ein Rueppel" ohne Bildung und Benehmen sind. UNTERSCHIED!!
Mit Hollandes "galipettes" hat savoir vivre nichts zu tun, obwohl er gewiss hoeflich ist!

Account gelöscht!

31.01.2014, 10:05 Uhr

Das sind eben die Vorbilder fürs Volk. In Italien scheint die sexuelle Laissez-faire ja gar eine Zugangsvoraussetzung für höchste Ämter zu sein. Bei uns ist ja auch ein ehebrecherischer Pfarrer im höchsten Staatsamt. Die klassische Familie als "Keimzelle der Gesellschaft" soll anscheinend abgeschafft werden...

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×