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01.01.2017

08:42 Uhr

Was vor 500 Jahren geschah

Luther, Aleppo und Religionskriege

VonThorsten Giersch

Wird 2017 wirklich ein Schicksalsjahr? Mal halblang. Ein Blick auf wirklich wichtige Jahre wie 1517 zeigt, dass Gelassenheit gut tut. Populistische Angstmacherei mit Postfaktischem gab es vor 500 Jahren in größerem Stil.

Ein Detail des Denkmals des Reformators Martin Luther in Wittenberg (Sachsen-Anhalt). dpa

Martin Luther und die 95 Thesen

Ein Detail des Denkmals des Reformators Martin Luther in Wittenberg (Sachsen-Anhalt).

DüsseldorfRund um den Jahreswechsel sind auch seriöse Medienhäuser schnell bei der Hand, gleich vor einem „Schicksalsjahr” 2017 zu warnen. Selbstverständlich sind die Bundestagswahlen wichtig und auch andere Abstimmungen werden Europa massiv beeinflussen. Zudem schaut die Welt gebannt nach Washington, was Donald Trump dort an als Präsident veranstalten wird.

Doch wer angsterfüllt und krisenüberwältigt den Mut verliert, dem sei ein Blick in die Geschichte empfohlen: Denn was vor 500 Jahren geschah, im Jahr 1517, das sollte die Welt tatsächlich nachhaltig verändern. Und selten passierten vier so wichtige Dinge in einem Kalenderjahr, wie der Historiker Heinz Schilling in seinem Buch „1517” beschreibt.

  1. Den Sunniten eroberten Kairo. Und die „Geisterschlacht” von Bergamo zeigte, wie sehr die Christen von Muslimen bedroht wurden
  2. In Südamerika ordneten sich die Verhältnisse neu durch das Erscheinen der Spanier im Reich der Inka
  3. Die Portugiesen versagten bei dem Versuch, mit dem chinesischen Reich Handel zu treiben und wurden militärisch zurückgeworfen
  4. Am 31. Oktober 1517 veröffentlichte Martin Luther seine 95 Thesen in Wittenberg

Aleppo war schon vor 500 Jahren ein Kriegsschauplatz: Die Osmanischen Heere unter Sultan Selim haben die Stadt 1516 erobert. Und danach, Anfang 1517, auch Kairo. Damit konnte der sunnitische Sultan Anspruch auf das Kalifat erheben, der höchsten geistigen Würde des Islam, und gegen die schiitische Interpretation vorgehen. Zeitgleich scheiterte die Eroberung des arabischen Hafenstadt Dschidda durch die Portugiesen. So fiel die wichtigste Hafenstadt des arabischen Raumes nicht in europäische Hände. Ohne diese beiden Ereignisse „hätte die Neuzeit einen anderen Verlauf genommen”, wie der Historiker Schilling schreibt.

Postfaktisches gab es damals übrigens noch mehr als heute – wenn auch durch Flugschriften verbreitet statt durch Twitter & Co: Eine Schlacht nahe Bergamo, die es nie gegeben hat, sorgte für Panik. Nur wenige taten die Nachrichten von der Entscheidungsschlacht zweier gewaltiger Heere von Christen und Muslimen im Dezember 1518 als Nonsens ab, auch wenn nichts dahintersteckte.

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