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05.01.2005

10:44 Uhr

Washingtons Ansehen war zuletzt auf Tiefpunkt gesunken

Hilfsaktion poliert US-Image in Asien auf

Amerikanische Marine-Soldaten stützen eine verletzte Indonesierin, US-Helikopter fliegen pausenlos Hilfsgüter in die Krisenprovinz Aceh auf Sumatra. Die internationalen Fernsehsender überschlagen sich mit der Berichterstattung über Amerikas neue „Schlacht“ an der humanitären Front.

HB WASHINGTON/NEU-DELHI. „Wir sind eine großzügige Nation: Die Welt soll uns von der besten Seite sehen“, sagt der ehemalige Präsident George Bush senior. Und sein Nachfolger Bill Clinton vergleicht den gegenwärtigen Feuerwehreinsatz im islamischen Indonesien mit der Befreiung der Moslems vom Joch des jugoslawischen Diktators Slobodan Milosevic in den 90er-Jahren: „Wir wollen ein gutes Verhältnis zu den islamischen Staaten“, unterstreicht der Demokrat. Die Ex-Konkurrenten Bush und Clinton sollen nun für private Spenden für die flutgeschädigten Länder Ostasiens werben – ein Bild überparteilicher Harmonie und eine Meisterleistung der Public-Relations-Abteilung im Weißen Haus.

Beobachter in Asien glauben, dass die Hilfsaktion das angeschlagene Prestige der USA in der Region verbessern kann – nicht nur in der islamischen Welt, von der Indonesien als größtes mehrheitlich moslemisches Land ein wichtiger Teil ist. Der Irak-Krieg hat viele in Asien von der Supermacht entfremdet. Zudem schürt Amerikas Konzentration auf den Nahen Osten und den Anti-Terror-Krieg Sorgen, dass die USA südostasiatische Länder, zu denen sie traditionell enge Beziehungen pflegten, vernachlässigen. Daraus könnte China Kapital schlagen, dessen geostrategische Ambitionen in der Region von Ländern wie Indonesien misstrauisch beäugt werden.

Mit der Mobilisierung ihrer riesigen Militärmaschine für die humanitäre Hilfe zeigen die USA daher zu einem wichtigen Zeitpunkt sichtbar Flagge in der Region. Keine andere Macht wäre in der Lage, ähnlich einzugreifen. Außerdem spielt Indonesien beim Kampf gegen den globalen Terror eine wichtige Rolle, und die USA würden das Land dafür gerne stärker einspannen.

US-Außenminister Colin Powell nennt die Hilfsaktion daher auch „eine Investition in unsere nationale Sicherheit“, fügt aber hinzu, die USA handelten nicht nur aus Imagegründen, sondern weil sie eine „großzügige, mitfühlende Nation“ seien. Auch US-Präsident George W. Bush bemüht in der öffentlichen Debatte immer wieder seine Lieblingsvokabel von der „Mitmenschlichkeit“. Fast vergessen ist mittlerweile seine späte Reaktion auf die Katastrophe vom 26. Dezember: Drei Tage lang hatte Bush zu dem Tsunami-Desaster in Ostasien geschwiegen. Die ursprünglich auf 15 Millionen Dollar festgesetzte Soforthilfe wurde dann schnell auf 350 Millionen Dollar aufgestockt.

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