Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

13.09.2016

21:30 Uhr

Wasserkrieg in Indien

IT-Metropole Bangalore im Ausnahmezustand

VonFrederic Spohr

In Indien eskaliert der Konflikt zwischen zwei Bundesstaaten um einen Fluss. In Bangalore herrscht der Ausnahmezustand. Die Wasserknappheit auf dem Subkontinent wird zum politischen Sprengstoff zwischen den Volksgruppen.

Nach heftigen Ausschreitungen haben die Behörden mehr als 15.000 zusätzliche Sicherheitskräfte in die IT-Metropole beordert. AFP; Files; Francois Guillot

Ausnahmezustand in Bangalore

Nach heftigen Ausschreitungen haben die Behörden mehr als 15.000 zusätzliche Sicherheitskräfte in die IT-Metropole beordert.

BangkokIn der sonst quirligen IT-Metropole Bangalore trauen sich nur noch wenige auf die Straße. Die großen IT-Firmen wie Wipro oder Infosys forderten am Dienstag ihre Mitarbeiter auf, zu Hause zu bleiben. Noch bis zum Mittwoch gilt eine Teil-Ausgangssperre.

Zuvor hatten sich ganze Stadtteile in ein Schlachtfeld verwandelt: Um ihrer Forderung nach Wasser aus dem Kaveri Nachdruck zu verleihen, zündeten Demonstranten Autos und Geschäfte an. Zwei Personen wurden bei den Ausschreitungen getötet und Dutzende verletzt. Polizisten verhafteten hunderte Randalierer. Es war das zweite Mal innerhalb weniger Tage, dass wilde Mobs durch die Straßen zogen.

Indiens moderne IT-Metropole, eines der Aushängeschilder des Landes, erlebt eine Welle der Gewalt – und es ist nicht ausgeschlossen, dass der Konflikt weiter eskaliert. Mittlerweile haben die Behörden mehr als 15.000 zusätzliche Sicherheitskräfte in die Stadt beordert. Regierungschef Narendra Modi rief die Bevölkerung zu Ruhe und Ordnung auf.

Modis Steuerreform: Freie Fahrt für Indien

Modis Steuerreform

Premium Freie Fahrt für Indien

Indiens Premierminister Modi führt ein neues Steuersystem ein und schafft damit das Abgabenwirrwarr zwischen den Bundesstaaten ab. Am Ziel ist der Reformer aber noch nicht. Ein Kommentar.

Doch im ganzen Bundesstaat brodelt es: Die Menschen in Bangalore wehren sich gegen ein Urteil des Obersten indischen Gerichtshofs. Die Richter hatten am Montag angeordnet, dass der Bundesstaat Karnataka mehr Flusswasser aus dem Kaveri in den Nachbarstaat Tamil Nadu durchlassen muss. Damit schwächten sie ein Urteil von Anfang September nur geringfügig ab, das ebenfalls schon zu Ausschreitungen geführt hatte.

Doch angesichts der herrschenden Wasserknappheit sieht sich die Regierung von Karnataka kaum imstande, dem Nachbarstaat Wasser abzugeben. Der Regierung zufolge sind fast die Hälfte der Wassertanks des Bundesstaates leer. „Das Urteil des Obersten Gerichtshofes ist nur schwer zu befolgen“, sagt Regierungschef Siddaramaiah. „Aber wir werden uns beugen.“

Viele in Karnataka fürchten jetzt, dass ihr Bundesstaat endgültig austrocknet. Die ohnehin schon katastrophale Wasserversorgung von Bangalore beruht zum Großteil auf dem Kaveri. Auch die Farmer des Bundesstaates sind auf den Strom angewiesen. Gerade zu dieser Jahreszeit wäre es wichtig, die Felder zu bewässern. Das Problem: Auch Tamil Nadu meldet dringenden Wasserbedarf.

Wassermangel bleibt eines der gravierendsten Probleme des Subkontinents. Die NGO Water.org schätzt, dass in Indien täglich rund 1600 Menschen an Durchfall sterben, den sie sich durch verunreinigtes Wasser eingefangen haben.

Auch in Bangalore, einer der wichtigsten IT-Metropolen der Welt, kommt manchmal kein Wasser aus den Hähnen. Selbst im modernen Stadtteil Electronic City, in dem auch deutsche Unternehmen wie Bosch, Siemens und Continental ansässig sind, müssen Bewohner regelmäßig mit Wassertrucks versorgt werden – wenn sie es sich leisten können.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×