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11.12.2014

16:44 Uhr

Webindex 2014

Zensur immer noch an der Tagesordnung

Immer mehr nutzen das Internet – vor allem in hoch entwickelten reichen Ländern. Doch genauso steigen Überwachung und Zensur. Deutschland landet beim Webindex nicht unter den Top-Ten.

Web-Erfinder Tim Berners-Lee. Im diesjährigen Index zum Internet kritisiert er fehlende Netzneutralität und lobt das Internet als Sprachrohr. ap

Web-Erfinder Tim Berners-Lee. Im diesjährigen Index zum Internet kritisiert er fehlende Netzneutralität und lobt das Internet als Sprachrohr.

LondonDas Internet und seine Nutzer leiden weltweit noch immer an schlechten Zugangsbedingungen sowie unter Zensur und Massenüberwachung. 4,4 Milliarden Menschen hätten noch immer keinen Zugang zum Netz, davon 1,8 Milliarden wegen politischer Zensur, so klagt die World-Web-Foundation. Die Stiftung stellte am Donnerstag in London den Webindex 2014 vor.

Web-Erfinder Tim Berners-Lee zeigt sich trotz aller Kritik vorsichtig optimistisch. „Die Zahl der Menschen, die online sind, ist immer noch die Minderheit. Aber sie steigt.“

Die skandinavischen Länder haben es dem Bericht zufolge am besten geschafft, in gesellschaftlicher, wirtschaftlicher und politischer Hinsicht vom Internet zu profitieren. Im Ranking steht Dänemark an der Spitze vor Finnland und Norwegen. Vorjahres-Spitzenreiter Schweden wird hinter Großbritannien Fünfter. Deutschland kommt hinter Australien und vor Österreich auf Platz 14.

Webindex 2014: die wichtigsten Punkte

Datenschutz

Laut der „World Wide Web Foundation“ setzen sich Internetnutzer zunehmend dem Risiko willkürlicher Überwachung durch die Regierung aus. In 84 % der untersuchten Länder sind Gesetze zum Schutz gegen die Massenüberwachung schwach beziehungsweise nicht-existent. Im Jahr 2013 waren das hingegen nur 63 %.

Zensur

Die Online-Zensur nimmt zu. Eine moderate oder umfangreiche Web-Zensur gibt es inzwischen in 38 % der Länder. Im Jahr 2013 waren es 32 %

Netzneutralität

Die tatsächliche Netzneutralität ist selten. Die weltweit erste Untersuchung zur Netzneutralität hat ergeben, dass nur nahezu ein Viertel aller Nationen klare Regeln gegen die kommerzielle, politische Diskriminierung in der Verwaltung des Internetverkehrs durchsetzen.

Gewalt im Internet

Es wird laut WWW Foundation nicht genug gegen geschlechtsbezogene Gewalt im Netz vorgegangen. In 74 % der Web-Index-Länder, zu denen unter anderem auch viele Nationen mit hohem Einkommen zählen, versagen die Exekutivorgane und die Gerichte dabei, entsprechende Maßnahmen durchzusetzen.

Das Internet: ein Sprachrohr

Trotz der allgemeinen Verschlechterung der Pressefreiheit weltweit, leisten das Internet und die sozialen Medien einen großen Beitrag zum Anstoß von Bürgerinitiativen. In 60 % der Web-Index-Länder nutzen Frauen das Internet, um ihre Rechte in einem moderaten Maße auszuüben und ihre Meinung umfangreich zu verbreiten.

Hauptkritik geht gen Zensur und Massenüberwachung. „Webbenutzer setzen sich zunehmend dem Risiko wahlloser Überwachung durch die Regierung aus“, heißt es in dem Index. Berners-Lee fordert, den Zugang zum Internet als Menschenrecht anzuerkennen. „Das bedeutet einen garantierten und preiswerten Zugriff für alle.“ In der Grafik sehen Sie, welches Land welchen Grad von Zensur ausübt.

In inzwischen 84 Prozent aller Länder weltweit seien die Gesetze zum Schutz vor Massenüberwachung im Internet schwach ausgeprägt. Im Jahr 2013 galt das noch für 63 Prozent aller Länder. Zensur gibt es in 38 Prozent der Länder, im Vorjahr waren es noch 32 Prozent. Die Foundation kritisiert, dass in vielen Ländern das Internet noch nicht als Teil der öffentlichen Infrastruktur wie andere Versorgungsnetze angesehen wird. Entsprechend dünn seien die gesetzlichen Regelungen.

Besonders große Fortschritte hätten in den vergangenen Jahren Länder wie Brasilien, Estland, Island oder Südkorea gemacht. Im Internet-„Mutterland“ USA, auf Rang sechs im Webindex abgerutscht, gebe es hingegen die Gefahr von Rückschritten durch Ungleichbehandlungen und Wettbewerbsverzerrungen.

Bei den Ländern mit mittlerem Einkommen ist dem Index zufolge Ungarn vorn, vor Argentinien und Costa Rica. Bei den armen Ländern führt Kenia den Index an vor Bangladesch und Uganda. Der Webindex stellt weiterhin ein starkes Ungleichgewicht bei der Nutzung des Netzes und damit beim Zugang zu Information zwischen Ländern mit niedrigem Einkommen und denen mit hohem Einkommen fest.

In hoch entwickelten Weltgegenden habe sich die Nutzung seit dem Jahr 2005 von 45 auf 78 der Bevölkerung hochgeschraubt. In den armen Ländern stagniere sie unter zehn Prozent. Nach wie vor sei das Internet auch ein Ort, an dem nicht ausreichend gegen die Gewalt gegen Frauen vorgegangen werde. Die Grafik zeigt, wie laut der World-Web-Foundation Strafverfolgung und Opferschutz in den Index-Ländern betrieben wird.

Kommentare (16)

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Herr Dr. Michael Gross

11.12.2014, 16:57 Uhr

Die globale Datenvernetzung bietet viele Chancen.
Doch leider wurden die Risiken lange Zeit nicht wirklich beachtet. Das hat sich seit den Enthüllungen von Edward Snowden rund um den US-Geheimdienst NSA ganz klar geändert.

Dabei muss uns klar sein: Wie die NSA-Affäre zeigt, werden heute, von der Öffentlichkeit weitgehend unbeachtet, immer mehr Bereiche des persönlichen Lebens von der Staatsmafia überwacht und kontrolliert!

Dabei sollte es in einem demokratischen, freiheitlichen System eine Selbstverständlichkeit sein, dass die Privatsphäre geachtet wird und jeder Bürger maximale Freiheiten genießt.
Doch geschieht heute genau das Gegenteil.

Hier ist es nötig, gleich zu Beginn mit einem gefährlichen Trugschluss aufzuräumen.
Die Einstellung vieler Bürger lautet in etwa: "Wer nichts auf dem Kerbholz hat, der hat vom Überwachungsstaat nichts zu befürchten. Dieser will nur Kriminelle und Terroristen jagen und das ist gut, weil es uns mehr Sicherheit bringt."

Die Frage ist dabei, was ist ein "Krimineller" oder "Terrorist" und wer lenkt zu welchem Zweck das Überwachungssystem?

Zunächst einmal ist es reine Definitionssache, was als Verbrechen oder als terroristischer Akt gilt und was nicht.

Es gibt Länder auf der Welt, in denen ist schon die Benutzung des Internets eine schwere Straftat oder in denen Bücher verboten sind. Hier verschärft sich in vielen Ländern die Lage, wobei die Definition für „Verbrechen“ immer mehr ausgeweitet wird.

Heute harmlose Bürger können so morgen schon zu "Kriminellen" oder gar "Terroristen" erklärt werden. Staatliche Überwachung bleibt eine große Gefahr.

Wenn man nur unsere jüngste Geschichte ansieht: Wer garantiert dafür, dass es nicht wieder irgendwann einmal eine Diktatur gibt, die gewaltsam die Macht übernimmt?

Was ist, wenn solch ein Regime sich dieses ausgefeilten Überwachungsnetzes bemächtigt und damit die Bevölkerung unterdrückt?

Welche Ziele verfolgen die Kreise, die an der Schaffung eines solchen Überwachungsstaates arbeiten?

Frau Annette Bollmohr

11.12.2014, 17:14 Uhr

Zitat Tim Berners-Lee: „Die Zahl der Menschen, die online sind, ist immer noch die Minderheit. Aber sie steigt.“

Unaufhaltsam. Und diese werden das Web gut zu nutzen wissen, auch wenn gewisse Leute dies mit aller Macht zu verhindern wollen. Freiheitsstreben und Wut setzen bekanntlich allemal mehr Energien frei als Furcht und Kontrollzwang es je könnten.
Die sogenannte Weltgemeinschaft darf sich von einigen rückwärtsgewandten Pfründeverteidigern gleich welcher Couleur nur ja nicht gegeneinander ausspielen lassen.
Merke: Gemeinsam sind wir unausstehlich.

Herr Dr. Michael Gross

11.12.2014, 17:17 Uhr

Die Whistleblower (Verbrechensaufdecker) Julian Assange und Edward Snowden sind uns ein Begriff.
Die US-Regierung sucht beide mit Haftbefehl.
Von Herrn Snowden wissen wir, dass unsere Forschungseinrichtungen, Unternehmen und Politiker nach allen Regeln der Kunst von britischen und amerikanischen Geheimdiensten ausgehorcht werden. Die deutsche Regierung traut sich nicht, Herrn Snowden politisches Asyl zu gewähren, was ihm zustünde.

Die US-Senatoren Tom Daschle und Patrick Leahy haben Post mit der Biowaffe Anthrax erhalten und danach aufgehört, dem Geheimdienst unangenehme Fragen zu stellen.

Senator Paul Wellstone, seine Familie und sein Wahlkampfteam sind umgebracht worden.
Die Senatorin Barbara Boxer hat diesen Mord als "eine Botschaft an uns alle" bezeichnet.

Der US-Senator Mark Dayton erklärte nach Morddrohungen seinen Rückzug aus der Politik.
Warum berichten die privaten Konzernmedien nicht darüber?

Lange bevor bekannt wurde, dass Barack Obama Präsident der USA werden wollte, ist er rund um die Uhr abgehört worden.

Die Arabisch-Übersetzerin Sibel Deniz Edmonds nennt den Grund: Der Geheimdienst sammelt Material für Erpressungen, mit denen er einflussreiche Bürger später kontrollieren kann.

Trotz der massiven Spähaktionen Großbritanniens und der USA setzt die EU das Abkommen zur Weitergabe unserer Bank-, Überweisungs- und Fluggastdaten an die USA nicht aus!
Vielleicht weil der "deutsche" BND selbst die fortschrittlichste Spionagesoftware XKeyscore für die NSA entwickelt hat?

Auf 700 Servern in 150 Standorten wird sie weltweit eingesetzt – auch gegen ihre Erfinder in Deutschland selbst. Das deutsche Bundeskanzleramt will davon nichts gewusst haben.

Die Spähprogramme der britisch-amerikanischen Geheimdienste Prism, Tempora und andere bleiben im Einsatz, als ob es Edward Snowdens Enthüllungen nie gegeben hätte.

http://deutsche-wirtschafts-nachrichten.de/2014/10/03/bnd-soll-jahrelang-daten-deutscher-staatsbuerger-an-die-nsa-weitergegeben-haben/

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