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29.01.2011

12:55 Uhr

WEF in Davos

Märkte spekulieren nicht mehr auf Euro-Zusammenbruch

VonDaniel Goffart

Der Schwur der Politik auf den Euro zeigt Wirkung: Die Finanzmärkte spekulieren nicht mehr darauf, dass die Eurozone auseinanderbrechen könnte. Der Ausblick auf die Weltwirtschaft in Davos ist geprägt von Sorge um wachsende Inflation und steigende Staatsschulden.

Finanzminister Wolfgang Schäuble mit seiner französischen Amtskollgegin Christine Lagarde in Davos. Furcht vor Inflation und Staatsverschuldung stehen im Mittelpunkt der Diskussion. Reuters

Finanzminister Wolfgang Schäuble mit seiner französischen Amtskollgegin Christine Lagarde in Davos. Furcht vor Inflation und Staatsverschuldung stehen im Mittelpunkt der Diskussion.

DAVOS. „Die Frage, ob der Euro als Währung überlebt, liegt nicht mehr auf dem Tisch“, sagt Robert Diamond, CEO der Barclays Bank, nach einer Diskussion mit den Finanzministern von Deutschland, Frankreich und England. „Die Märkte haben inzwischen verstanden, dass die Politik den Euro nicht aufgeben wird.“ Wie schnell allerdings das Vertrauen der Investoren in die Stabilität der Gemeinschaftswährung zurückkehre, hänge davon ab, ob die Euroländer sich auf einen nachhaltigen Krisenmechanismus und auf einen Abbau der Defizite in den nationalen Haushalten verständigen könnten. „Es wird deshalb bei den Staatsanleihen der Eurozone weiter Schwankungen geben“, sagte Diamond voraus.

Zuvor hatten die Finanzminister von Deutschland und Frankreich, Wolfgang Schäuble und Christine Lagarde, bekräftigt, dass der Ausschluss einzelner Länder aus dem Euroverbund nicht in Frage komme. Schäuble kritisierte bei dieser Gelegenheit, dass „die Wirkungsmechanismen einer komplexen Gemeinschaftswährung nicht immer verstanden werden.“ Ebenso wie seine Amtskollegin Lagarde unterstrich er, dass den finanzschwachen EU-Ländern geholfen werde, allerdings nur unter der Auflage, dass sie ihre Defizite verringern.

Schäuble wies Befürchtungen zurück, dass die nationalen Sparbemühungen und der Verzicht auf weitere Konjunkturprogramme den wirtschaftlichen Erholungsprozess abwürgen könnten. Deutschland habe mit 3,6 Prozent Wachstum in 2010 und mit einem erwarteten Wachstum von 2,3 Prozent in 2011 bewiesen, dass sich „sparen und wachsen nicht ausschließen“, sagte Schäuble. Wichtig sei, dass das deutsche Wachstum nicht wie in den letzten Jahren vom Export getrieben sei, sondern dass mittlerweile auch die lange schwache Binnenkonjunktur wieder anziehe. „Wir werden den Konsolidierungskurs fortsetzen, denn zu große Defizite in den Etats der einzelnen Staaten sind die größten Risiken für eine neue Krise“, betonte Schäuble.

Kommentare (51)

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Xavi

29.01.2011, 15:39 Uhr

Was hat der Euro mit Diktatur zu tun? Ein paar Spinner, die den Euro abschaffen wollen, repräsentieren nicht die Völker Europas. ich jedenfalls bin gegen die Mark, gegen Nazis und gegen Kaputtnix.

Peter Scholz

29.01.2011, 15:43 Uhr

[1] Eurose
"... in Europa eine EU-Diktatur zu installieren. Das machen die Völker nicht mit"

Doch, denn am Gelde hängts, zum Gelde drängts.
Wenn es absolut alle ist, dann geht es los.

Eurose

29.01.2011, 16:00 Uhr

@ [2] Xavi

Der Euro ist die Diktatur des Großkapitals und der banken gegen die Kaufkraftinteressen des Normalbürgers.
Oder ist ihnen in den letzten Wochen entgangen, wie die Lebensmittelpreise explodieren.
Heute ist 1,00 Euro das, was vor 9 Jahren 1,00 D-Mark war.
Mein Gehalt hat sich aber keineswegs verdoppelt, sondern stagniert seit Jahren.
Der Euro ist für diejenigen klasse, die über genug Geld verfügen. Da Dienstleistungen und dergleichen immer billiger werden, profitieren sie in größtem Maße davon. Das gleiche gilt für den Kauf von Elektronikartikeln, Autos und mehr und dann gibts ja noch ebay, wo man ebenfalls das ein oder andere Schnäppchen machen kann.
Für Menschen mit dem nötigen Kleingeld und Verdienst ist der Euro natürlich eine tolle Sache.
Für den Normalverdiener, Leiharbeiter, Arbeitssuchenden, Kranken, Rentner und Sozialhilfeempfänger ein finanzielles Desaster.
Das Geld in ihrem Geldbeutel ist weniger wert, seitdem der Euro offizielles Zahlungsmittel geworden ist. Wirtschaftsinstitute und unabhängige Experten haben nachgewiesen: Die Statistiker beschönigen die Lage, wenn sie den "Teuro"-Effekt leugnen. Tatsächlich ist die inflation viel höher, als offiziell zugegeben wird. Zwar hat sich das Preisniveau in einigen bereichen nicht verändert: So sind die Preise bei Elektronikgeräten und Mieten meist gleich geblieben, doch Fakt ist, seit 1949 gab es in Deutschland noch nie einen derartigen Preisanstieg. Vor allem die Preise der Verbrauchgüter und im Dienstleistungssektor haben, seit der Abschaffung der D-Mark, astronomische Höhen erreicht. Familien, Sozialhilfeempfänger und Geringverdiener haben am meisten unter dem hohen Preisniveau zu leiden. Der Teuro schlägt aber auch bei den Großverdienern zu: Wer im Dezember 2001 noch Ersparnisse von 10.000 DM hatte, der hat heute nur noch einen Wert von etwa 7600 DM. Ende 2010 sind mittlerweile noch 3,2 Mio. Menschen in Deutschland arbeitslos und die Tendenz ist weiter steigend. Ca. weitere 4 Mio. sind Hartz iV bezieher. Der Euro ist zum Wohlstandskiller Nummer 1 geworden: Gab es mit der Einführung der D-Mark 1949 sofort ein Wirtschaftswunder, so brachte der Euro Rezession und einen Wohlstandsabbau.
Problematisch ist zusätzlich die Aufweichung des Euro-Stabilitätspakt. Mit dem Stabilitätspakt setzen sich demokratisch regierte Länder erstmals kontrollierbare und mit Sanktionen versehene Obergrenzen für die öffentliche Verschuldung. Auch vor der Euro-Einführung gab es in verschiedenen Verfassungen (wie z.b. im Grundgesetz der bundesrepublik Deutschland) entsprechende Regelungen die dafür sorgten, dass die D-Mark stabil bleibt. Eine Aufweichung der Euro-Stabilitätskriterien hat daher für eine weitere Destabilisierung der Euro-Währung gesorgt.

Hier weitere infos:
http://www.kostenlos.com/inflationsrate.html

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