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21.06.2011

12:16 Uhr

Wege aus dem Schuldendilemma

Joschka Fischers Griechenland-Szenario

VonDietmar Neuerer

„Mangelnde Entschlossenheit“, „Zögerlichkeit“, „nationale Egoismen“: Joschka Fischer geht mit den Griechen-Rettern hart ins Gericht. Und er skizziert seinen Plan zur Rettung des Mittelmeerstaats und des Euros.

Joschka Fischer. Quelle: dpa

Joschka Fischer.

DüsseldorfDie Griechenland-Krise hat ihn alarmiert. Joschka Fischer, den Vorzeige-Außenpolitiker aus rot-grünen Regierungszeiten. Wie sein damaliger Kabinettskollege, der einstige Finanzminister Peer Steinbrück (SPD), nimmt auch der Grünen-Politiker kein Blatt vor den Mund. In einem Gastbeitrag in der „Süddeutschen Zeitung“ beweist er einmal mehr, dass er etwas hat, was den heute politisch Aktiven – insbesondere den deutschen Regierungspolitikern – völlig zu fehlen scheint – die Fähigkeit glasklare Gedanken zu fassen, die schließlich in noch klarere Pläne münden. Griechenland braucht genau das, einen Rettungsplan, der nicht nur das Land vor der Pleite bewahrt, sondern auch den Euro vor seinem Ende.

Joschka Fischer hat das längst verstanden. Aber, fragt der Ex-Außenminister zu Recht: „Warum regiert statt energischem Krisenmanagement und einer visionären Neuausrichtung der EU als Antwort auf deren Existenz bedrohende Krise fast ausschließlich das Prinzip des "Zuwenig und zu spät"?“ Fischer sieht die Politik in einer verheerenden Lage und spricht von mangelnder Entschlossenheit, Zögerlichkeit und nationalen Egoismen. All das ist für ihn Beleg für ein dramatisches Führungsdefizit der EU und seiner wichtigsten Mitgliedstaaten in dieser Krise.

Dabei geht es nach Fischers Überzeugung schon gar nicht mehr nur um Griechenland: „Es droht ein von der ungeordneten Insolvenz Griechenlands ausgehender Schneeballeffekt, der weitere Länder der südlichen Peripherie der EU, darunter auch sehr große, und damit systemrelevante europäische Banken und Versicherungen mit in den Abgrund reißen wird“, skizziert er ein mögliches Worst-Case-Szenario. Es droht damit aus seiner Sicht auch eine erneute Krise des Weltfinanzsystems mit einem erneuten weltwirtschaftlichen Schock wie im Herbst 2008.

„Und“, so Fischer weiter, „es droht ein Scheitern der Eurozone, das den gemeinsamen Markt nicht unbeschädigt lassen wird und deshalb auch zum ersten Mal in seiner Geschichte ein Scheitern des europäischen Projektes als solchem.“ Fischer sieht die EU am Scheideweg, wenn er sagt: „Es geht um fast alles.“

Kommentare (111)

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Juma

21.06.2011, 12:33 Uhr

Fischer propagiert die Transferunion. Nichts anderes war von den Grünen zu erwarten.

eselstreckdich

21.06.2011, 12:40 Uhr

Joschka Fischer, soweit ich mich erinnere ist das jemand der mit Steinen auf Polizisten geworfen hat. Ferner predigte er Atomausstieg und hatte nach seiner politischen Laufbahn ersteinmal einen Beratervertrag mit eon. Also unterm Strich auch nur einer der vor allem sein eigenes Wohl im Blick hat.

Account gelöscht!

21.06.2011, 12:42 Uhr

Ich verstehe die Begeisterung für Fischer nicht ! Wie Käsmann stellt er Postulate auf, ohne konkrete Empfehlungen zu geben.

Das ist wohlfeil und wenig hilfreich.

Woie schön, dass wir den nicht mehr haben.

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