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19.07.2015

21:48 Uhr

Wegen angeblicher Terrorpropaganda

China schiebt Touristengruppe ab

Die Gruppe soll terroristische Videos angesehen haben, einige der Touristen sollen einer Terrorvereinigung angehören: Die Vorwürfe der chinesischen Behörden gegenüber einer internationalen Reisegruppe sind abenteuerlich.

In China nehmen zuletzt die Repressionen gegen Menschenrechtler und deren Anwälte zu, nun geht das Regime offenbar auch gegen Touristen vor. Reuters

Mao Zedong lässt grüßen

In China nehmen zuletzt die Repressionen gegen Menschenrechtler und deren Anwälte zu, nun geht das Regime offenbar auch gegen Touristen vor.

PekingDie Abschiebung einer Touristengruppe aus China wegen des Konsums angeblicher Terrorvideos könnte für diplomatische Verwicklungen sorgen: Wie die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua am Sonntag unter Berufung auf die chinesische Polizei berichtete, gestanden die aus Südafrika, Großbritannien und Indien stammenden Reisenden das Vergehen ein. Ein Mitglied der Gruppe erklärte später, so ein Geständnis habe es nie gegeben. Niemand habe irgendetwas Illegales geschaut.

Die 20 Reisenden aus Südafrika, Großbritannien und Indien waren laut Xinhua am Flughafen Ordos in der nordchinesischen Inneren Mongolei festgenommen worden. Elf von ihnen seien am vorvergangenen Samstag abgeschoben worden, die restlichen neun folgten demnach am Mittwoch. Die britischen Behörden bestätigten, dass alle elf Staatsbürger der Reisegruppe, darunter zwei mit doppeltem südafrikanischem Pass, inzwischen wieder zurückgekehrt seien.

Die chinesische Polizei verteidigte ihr Vorgehen. Die Touristen hätten zunächst in einem Hotel einen Dokumentarfilm und dann in kleinerer Gruppe „terroristische“ Videoclips geschaut, sagten Ermittler Xinhua. Neun von ihnen, - fünf Südafrikaner, drei Briten und ein Inder - seien wegen des Verdachts der Organisation oder Beteiligung an einer Terrorgruppe festgenommen worden. Sie hätten gestanden und sich „reumütig“ gezeigt. Auf dem Smartphone eines Südafrikaners namens Hoosain Ismail Jacobs seien zuvor „ähnliche“ Videos entdeckt worden.

Zahlen und Fakten zu China

Bevölkerung

China ist mit 1,37 Milliarden Menschen das bevölkerungsreichste Land der Erde.

Fläche

Auf einer Fläche von rund 9,5 Millionen Quadratkilometern ist China in 22 Provinzen und fünf Autonome Regionen gegliedert.

Sonderverwaltungszonen

Dazu kommen die beiden Sonderverwaltungsregionen Hongkong und Macau.

Hauptstadt

Die Hauptstadt des Reichs der Mitte ist Peking. Dort allein leben mehr als 20 Millionen Menschen – und das sind nur die offiziellen Zahlen.

Han und Minderheiten

Die große Mehrheit der Bevölkerung sind Han-Chinesen (91,6 Prozent), dazu kommen 55 Minderheiten.

Religion

Rund ein Fünftel der Bevölkerung hängt Volksreligionen an, dazu kommen sechs Prozent Buddhisten und 2,4 Prozent Muslime.

Stadt und Land

Mit 749 Millionen Menschen lebt die Mehrheit der Bürger (55 Prozent) in Städten.

Jacobs selbst teilte am Sonntag mit, weder er noch irgendein anderes Mitglied der Gruppe habe irgendetwas gestanden oder bereut. „Es gab kein Verbrechen, dass zu bereuen oder zu gestehen gewesen wäre.“ Mit Blick auf die Vorwürfe des Konsums „terroristischer“ Videos versicherte der 74-Jährige, dass niemand in der Gruppe mit dem Smartphone irgendetwas „von der Art“ geschaut hätte. „Das Einzige, was ich und die Gruppe geguckt haben, waren ein kurzer Clip über die zehn besten Cowboy-Filme aller Zeiten und eine 40-minütige BBC-Dokumentation über Dschingis Khan.“ Die Filme habe die Gruppe mit einem Laptop angeschaut.

Ein Sprecher von Jacobs hatte zuvor von einem möglichen Missverständnis der chinesischen Behörden gesprochen. Den Film über den Mongolen-Herrscher Dschingis Khan habe die Gruppe angeschaut, um mehr über die Region zu erfahren, die sie gerade bereiste. Dies könne von den Behörden als „Propaganda-Material“ missverstanden worden sein.

Die Reisegruppe war nach eigenen Angaben auf einer 47-tägigen Tour durch China unterwegs. Mehrere von ihnen sind Berichten zufolge Muslime. Chinas Polizei zwingt Verdächtige oftmals zu „Geständnissen“, bevor sie Zugang zu Anwälten erhalten.

Chinas Führung hatte im vergangenen Monat ein neues Strafgesetz im Parlament eingebracht, das die Liste „terroristischer“ Vergehen enorm ausweitet.

Von

afp

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