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22.08.2014

15:24 Uhr

Wegen Ehebruch

Islamisten steinigen Mann im Nordirak

Mossul galt als eine der tolerantesten Städte des Irak. Doch die Terrormiliz Islamischer Staat zwingt den Menschen eine extrem konservative Auslegung des Islam auf. Nun berichtet ein Zeuge von der ersten Steinigung.

Gefahr für Kosovo? Kämpfer der Extremistenorganisation Islamischer Staat während einer Parade in Raqqa. ap

Gefahr für Kosovo? Kämpfer der Extremistenorganisation Islamischer Staat während einer Parade in Raqqa.

BagdadDie radikalen Islamisten im Nordirak haben einen Mann wegen Ehebruchs gesteinigt. Die Steinigung am Donnerstag in Mossul war die erste derartige Hinrichtung, die die Extremistenorganisation Islamischer Staat (IS) im Irak vornahm. Aus Syrien, wo der Al-Kaida-Ableger ebenfalls weite Landstriche beherrscht, wurden dagegen bereits ähnliche Fälle gemeldet. Die radikalen Sunniten richten ihre Gefangenen hin, indem sie sie erschießen, enthaupten oder kreuzigen. Zuletzt veröffentlichten sie Filmaufnahmen, auf denen die Enthauptung des US-Journalisten James Foley zu sehen ist. Die sunnitischen Islamisten erklärten, sie wollten mit der Tat Vergeltung üben für Luftangriffe der USA auf ihre Stellungen im Nordirak.

Ein Taxifahrer berichtete, er habe die Steinigung in Mossul beobachtet. Er habe seinen Wagen angehalten, als ihm eine Menschenansammlung aufgefallen sei. In der Nähe hätten etwa 20 Fahrzeuge von IS geparkt. Einige der Extremisten hätten scharfkantige Felsbrocken gesammelt, während ein anderer eine Videokamera gehalten habe, berichtete der Taxifahrer. Irgendwann hätten die Islamisten einen jungen Mann in Handschellen aus einem der Autos geholt, ihn auf den Boden gesetzt und begonnen, Steine auf ihn zu schleudern. Einige Menschen in der Menge hätten sich abgewandt, als der Mann schrie, er habe nichts verbrochen.

„Ich habe nur kurz zu ihm hingeschaut und gesehen, wie einige der Steine ihn am Kopf getroffen haben“, sagte der Taxifahrer. „Dann habe ich mich weggedreht“. Nach etwa einer Viertelstunde hätten die Islamisten die Steinigung für beendet erklärt. Ein Krankenwagen habe die Leiche weggefahren. Im Leichenschauhaus in Mossul wurde der Tod des Mannes bestätigt. Laut seinem Ausweis sei er 30 Jahre alt gewesen.

Radikale Islamisten: Kampf im Namen Gottes

„Gotteskrieg“

In vielen muslimisch geprägten Staaten bestimmen radikalislamische Gruppierungen unterschiedlicher Ausprägung oft im Verbund mit dem jahrelang dominierenden Terrornetzwerk al-Qaida zunehmend das politische Geschehen. Instabile und korrupte Regierungen werden der Lage vielerorts nicht mehr Herr, während die selbst ernannten Gotteskrieger sich ausbreiten und Vermögen anhäufen.
Quelle: afp

Syrien

Der Staat wurde seit dem Beginn des Aufstands gegen Staatschef Bashar al-Assad im März 2011 mehr und mehr zum Tummelplatz radikaler Islamisten. Im daraus entstandenen Bürgerkrieg sind mit dem Terrornetzwerk al-Qaida verbundene Kämpfer ebenso aktiv wie die libanesische Hizbollah-Miliz und die Gruppe Islamischer Staat im Irak und in Großsyrien (Isis). Wer an welcher Stelle gegen wen kämpft, ist vielfach kaum zu durchschauen.

Irak

In dem Land, das vielen Beobachtern nach langjährigem US-Engagement zuletzt als leidlich stabil galt, zeigte sich in den vergangenen Tagen, über welche enormen Mittel Isis verfügt. Innerhalb weniger Tage eroberten die Dschihadisten weite Gebiete im Norden des Landes und rückten auf die Hauptstadt Bagdad vor. Inzwischen wurden sie zwar gestoppt. Isis könnte aber angesichts eines geschätzten Milliardenvermögens noch lange durchhalten.

Libyen

Seit dem Sturz des langjährigen Machthabers Muammar al-Gaddafi im Frühjahr 2011 kommt in dem Land vor allem der Osten nicht zur Ruhe. Radikalislamische Gruppen wie die Ansar-al-Scharia-Miliz kämpfen dort gegen Regierungstruppen - und seit einiger Zeit auch gegen Einheiten des abtrünnigen Generals Chalifa Haftar, der die Islamisten auf eigene Faust bekämpft.

Ägypten

In dem Land haben sowohl die Hamas als auch die Hizbollah Verbündete. Zudem greifen auf der Sinai-Halbinsel und in Großstädten Dschihadisten immer wieder Sicherheitskräfte an. An den neuen Staats- und Ex-Armeechef Abdel Fattah al-Sisi, der die Muslimbruderschaft seines Vorgängers Mohammed Mursi verbieten ließ, richtet sich die Erwartung, dass nun vorerst wieder Ruhe einkehrt.

Nigeria

Im mehrheitlich muslimischen Norden des Landes kämpft die Gruppe Boko Haram für einen islamistischen Staat. Bei zahllosen Anschlägen auf Polizei, Armee und Behörden, aber auch auf Kirchen und Schulen wurden seit dem Jahr 2009 tausende Menschen getötet. Für internationale Empörung sorgte zuletzt vor allem die Entführung von fast 300 Schülerinnen durch Boko Haram im April.

Somalia

In dem Bürgerkriegsland führt die Shebab-Miliz seit Jahren einen blutigen Kampf gegen die Regierung. Eine funktionierende Staatsgewalt im gesamten Land gibt es nicht. Auch im benachbarten Kenia, dessen Armee sich am Kampf gegen die Shebab beteiligt, häufen sich Anschläge der Islamisten. Sie bekannten sich etwa zu einem Angriff auf ein Einkaufszentrum in der Hauptstadt Nairobi mit 67 Toten im September und erst am Montag zu dem Angriff auf den Küstenort Mpeketoni mit 49 Todesopfern.

Pakistan

Vor allem in der unwegsamen Bergregion im Nordwesten des Landes an der Grenze zu Afghanistan sorgt die Gruppe Tehreek-e-Taliban Pakistan (TTP) für Angst und Schrecken. Zuletzt griffen TTP-Kämpfer den Flughafen in der südlichen Metropole Karachi an und töteten 38 Menschen. Die Armee startete daraufhin eine Großoffensive gegen Stellungen von Taliban- und Al-Kaida-Kämpfern.

Afghanistan

Seit der Entmachtung der dort herrschenden Taliban im Herbst 2001 sind in dem Land ausländische Soldaten unter Nato-Führung stationiert. Regelmäßig verüben die Islamisten dennoch blutige Anschläge mit vielen Toten. Der internationale Kampfeinsatz läuft zum Jahresende aus, danach soll es Unterstützungsmissionen geben. Viele Beobachter zweifeln allerdings an langfristiger Stabilität für das Land.

Allgemein

In der Region sorgen vor allem die Palästinenserorganisation Hamas und die Hizbollah für Unruhe, die allerdings nicht als klassische Terrororganisationen zu betrachten sind, sondern als politische Gruppen mit handfesten territorialen Interessen. Die Hamas wurde in als von internationalen Beobachtern recht freien Wahlen im Gaza-Streifen stärkste Kraft, wurde aber international nicht anerkannt. In der jüngsten Bildung einer Einheitsregierung sieht Israel einen neuen Schlag für die Friedensgespräche. Die vom Libanon aus agierende schiitische und mutmaßlich vom Iran finanzierte Hizbollah bedroht dort das multireligiöse politische System.

Überall auf den Straßen von Mossul sei über die Steinigung diskutiert worden, berichtete der Augenzeuge. Bis zur Einnahme durch die Islamisten im Juni galt Mossul als eine der tolerantesten Städte des Irak, wo viele religiöse Splittergruppen und Volksstämme friedlich zusammenlebten. IS jedoch zwang den Menschen eine extrem konservative Auslegung des Islam auf und zerstörte Statuen von Dichtern, die die Gruppe als unislamisch schmähte.

„Die meisten Leute waren nicht überrascht, weil das typisch für ihr Verhalten ist“, sagte der Taxifahrer zu der Steinigung. Ein Gericht der Islamisten habe den Mann zum Tode verurteilt. Bereits im Juli war berichtet worden, die Extremisten hätten in der syrischen Provinz Rakka zwei Frauen wegen Ehebruchs gesteinigt. Die Region grenzt an die Türkei und ist eine Hochburg von IS.

Von

rtr

Kommentare (4)

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Herr Andreas Kabrüggen

22.08.2014, 18:01 Uhr

Jedem der nun sagt: "Das hat aber nichts mit dem Islam als solchen zu tun" sei gesagt: Einfach mal den Koran lesen! Dann findet man relativ schnell heraus, dass hier genau das stattfindet was im Koran gelehrt wird! Konsequent!

„Wenn Ihr im Kriege mit den Ungläubigen zusammentrefft, dann schlagt Ihnen die Köpfe ab, bis Ihr ein Gemetzel unter ihnen angerichtet habt.” (Sure 47, Vers 4)

“Er ist es, Der Seinen Gesandten mit der Führung und der wahren Religion geschickt hat, auf daß Er sie über jede andere Religion siegen lasse. Und Allah genügt als Zeuge.” (Sure 48, Vers 28)

„Tötet sie, wo ihr sie trefft, verjagt sie, von wo sie euch vertrieben; vertreiben ist schlimmer als töten. (Sure 2, Vers 191)

„Sind aber die heiligen Monate verflossen, so tötet die Götzendiener, wo ihr sie auch finden mögt; oder nehmt sie gefangen oder belagert sie und lauert ihnen auf allen Wegen auf.” (Sure 9, Vers 5)

“Sie wünschen, daß ihr ungläubig werdet, wie sie ungläubig sind, und daß ihr ihnen gleich seid. Nehmet aber keinen von ihnen zum Freund, ehe sie nicht auswanderten in Allahs Weg. Und so sie den Rücken kehren, so ergreifet sie und schlagt sie tot, wo immer ihr sie findet.” (Sure 4, Vers 89)

“Ebenso als dein Herr den Engeln offenbarte: Ich bin mit euch, stärkt daher die Gläubigen, aber in die Herzen der Ungläubigen will ich Furcht bringen; darum haut ihnen die Köpfe ab und haut ihnen alle Enden ihrer Finger ab.” (Sure 8, Vers 12)

„Bekämpft sie, bis alle Versuchung aufhört und die Religion Allahs allgemein verbreitet ist.” (Sure 8, Vers 39)

“Und rüstet gegen sie auf, soviel ihr an Streitmacht und Schlachtrossen aufbieten könnt, damit ihr Allahs Feind und euren Feind – und andere außer ihnen, die ihr nicht kennt – abschreckt.” (Sure 8, Vers 60)

„Zieht in den Kampf, leicht und schwer, und kämpft mit Gut und Blut für die Religion Allahs; dies wird besser für euch sein, wenn ihr es nur einsehen wollt.“ (Sure 9, Vers 41)

... bürste

22.08.2014, 18:43 Uhr

ist aber verräterisch, wenn neben den Artikeln der Völkerrechtsverbrecher, Massenmörder und Kriegsverbrecher biblischen Ausmaßes, nun auch Artikel zu ihren Bedauerungswürdigen Opfern die Kommentfunktion deaktiviert wird.

Ist das nicht auch ne Überlegung Wert
für ihr Ordenbehangenes "Merkelsches figurinen Karbinett"?
dieser "de(Hilfs)regierung"
- einfach die Lautstärke abdrehen -
dann hört man nämlich die Warnenden wild Beschwörenden düster Mahnenden, die Bekundenden und Offenbarenden Stimmen der Mitdenkenden Bürger,
des Volkes Stimmen nicht mehr.

..., DIE Zukunft wirds zeigen!

zum Nahen Osten hab ich mal etwas MassenMedien-Fernes, ganz Anderes, Aufklärendes

hier:
(globalresearch.ca/die-geopolitische-strategie-hinter-dem-israelischen-angriff-auf-gaza/5314327)

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... bürste

22.08.2014, 19:07 Uhr

Propagandist?

darum wurde der Völkerechtswidrige Angeriffskrieg gegen Libyen dem ehemals reichsten und wohlhabensten Land in Afrika geführt.

Muhamar al Gadafi stand gegen den Terror und den Glaubensfanatikern im Nahen Osten und hatte seine Nachbarländer mit "Entwicklungshilfe" unterstützt.
Muhamar al Gadafi stand für die Völkerverständigung mit schwarz Afrika und war Gründer der >Afrikanische Union< mit Muhamar al Gadafi hätte es keine US/Israel Unterstützte, gemanagte ISIS gegeben! - für die Destabilisierung des Nahen Osten!

Und jetzt die Propagandisten
die den Islam zum Feindbild machen,
neben den Inländischen GENDER-Terror Geschlechterkampf!
Damit die US-Mafia im Nebel des Terrors heimlich agieren kann?

(Irak, Libyen, Syrien, Iran, Afghanistan, Pakistan - Ukraine! - schlagt mal nen Atlas auf.)
(US ist nicht die USA!)

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