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15.06.2014

14:48 Uhr

Wegen Irak-Konflikt

US-Flugzeugträger in Golf-Region

Mit brutalen Bildern von Hinrichtungen irakischer Soldaten führt die Terrorgruppe Isis ihren Kampf im Irak auch im Internet. Amerika handelt. Für alle Fälle bezieht ein US-Flugzeugträger im Persischen Golf Stellung.

Der Flugzeugträger „USS George H.W. Bush“. AFP

Der Flugzeugträger „USS George H.W. Bush“.

Bagdad/WashingtonAls Reaktion auf die Eskalation im Irak haben die USA Kriegsschiffe in den Persischen Golf entsandt. Die „USS George H.W. Bush“ sollte dort am Sonntag eintreffen. Begleitet werde das Schiff von einem mit Raketen bestückten Kreuzer und einem Zerstörer. Damit solle Präsident Barack Obama zusätzliche Flexibilität gegeben werden, sollten militärische Optionen nötig werden, um das Leben von Amerikanern und Interessen im Irak zu schützen.

Der massive Vormarsch der Terrorgruppe Isis im Irak löste international Entsetzen und Besorgnis aus. Experten warnen vor einem Kollaps des Iraks - mit Erschütterungen weit über die Krisenregion Nahost hinaus.

Die Isis-Dschihadisten haben nach eigenen Angaben hunderte irakische Soldaten hingerichtet. Am Sonntag im Internet verbreitete Fotos zeigen dutzende Leichen. Die Echtheit der Bilder, die in der Provinz Saleheddin nördlich von Bagdad gemacht worden sein sollen, konnte nicht überprüft werden. Ein Foto zeigt eine Reihe gefesselter Männer in Zivilkleidung mit auf dem Rücken gefesselten Händen. Auf einem zweiten Bild werden die Männer auf Lastwagen geladen.

Auf einem weiteren Foto ist zu sehen, wie die Männer gezwungen werden, sich in einer flachen Grube auf den Boden zu legen, während Kämpfer mit der Isis-Fahne zuschauen. Dann wird gezeigt, wie die mit Sturmgewehren bewaffneten Isil-Kämpfer offenbar in die Grube feuern.

Nachdem die irakische Armee und kurdische Peschmerga-Soldaten den Vormarsch der Dschihadisten gebietsweise stoppen konnten, verbreitet Isis zunehmend Bilder ihrer Gräueltaten in sozialen Netzwerken wie Twitter und YouTube. Dabei werden etwa Erschießungen und Auspeitschungen gezeigt.

Die Terrorgruppe Islamischer Staat

Ziel

Die Organisation Islamischer Staat (IS), früher Islamischer Staat im Irak und in Syrien (Isis) genannt, gehört zu den radikalsten islamistischen Gruppen im Nahen Osten. Sie kämpft für einen sunnitischen Gottesstaat im arabischen Raum.

Ursprung

Der IS ging aus dem irakischen Widerstand der 2003 gegründeten Gruppe „Tawhid und Dschihad“ hervor, die sich gegen die US-Invasion im Irak wandte. Erster Anführer war der für seine Grausamkeit berüchtigte Jordanier Abu Mussab al-Sarkawi. Seit 2013 leitet der Iraker Abu Bakr al-Baghdadi den IS.

Aktivitäten

Die Gruppe griff Im Irak nicht nur US-Soldaten an, sondern verübte auch Selbstmordanschläge auf Schiiten und Christen im Land. Al-Sarkawi wurde 2006 von der US-Armee getötet. Seither führen Iraker die Organisation. Deren zweiter früherer Name „Islamischer Staat im Irak und der Levante“ verdeutlicht den Anspruch, einen sunnitischen Großstaat zwischen Mittelmeer und Euphrat zu errichten.

Entwicklung

An Macht gewann der IS, als sie sich im Frühjahr 2013 in den syrischen Bürgerkrieg einmischte. Dort überwarf sie sich mit der aus syrischen Salafisten bestehenden Al-Nusra-Front, obwohl beide Gruppen damals dem Terrornetzwerk al-Qaida nahestanden.

Standorte

Vor allem im Nordosten Syriens greift der IS syrisch-kurdische Städte an und massakriert die Zivilbevölkerung. Im Irak profitiert die Miliz vom Streit der von Schiiten dominierten irakischen Regierung mit den sunnitischen Parteien des Landes. Am 29. Juni rief der IS das Kalifat in den von im kontrollierten Gebieten aus – mit al-Baghdadi als Kalif.

Finanzierung

Der IS finanzierte sich anfangs vor allem durch Spenden aus den Golfstaaten Katar und Saudi-Arabien, aber auch durch Wegzölle entlang der Grenzen zwischen Irak und Syrien. Mit den Landgewinnen nahmen die Gewinne aus illegalen Ölverkäufen der kontrollierten Felder zu.

Söldner

In den Reihen der Gruppe kämpfen internationale Brigaden, darunter Muslime aus Nordafrika und den arabischen Golfstaaten sowie Konvertiten aus Europa und Nordamerika.

Laut Medienberichten scheint sich Isis vor allem in der westirakischen Provinz Anbar und im Norden zwischen Mossul und Bagdad festgesetzt zu haben. Isis habe auf eine klassische Guerilla-Taktik im Irak verzichtet, berichtete die „New York Times“. Stattdessen hätten die Dschihadisten nach langer Vorbereitung eine Schneise ins Land getrieben. Mit der Kontrolle über die drei großen Autobahnen nördlich von Bagdad sei die Kurdenregion vom Rest des Iraks abgeschnitten, „das könnte das Land endgültig zersplittern“.

Irakische Freiwillige wollen mit den Streitkräften gegen die Rebellen kämpfen. dpa

Irakische Freiwillige wollen mit den Streitkräften gegen die Rebellen kämpfen.

Isis rückt seit Anfang der Woche auf Bagdad vor und brachte mehrere Städte unter ihre Kontrolle, darunter die nördliche Millionenmetropole Mossul. Aus verschiedenen Richtungen wollen Isis-Kämpfer Bagdad umzingeln und in die Stadt vordringen. Nach UN-Angaben wurden bei Kämpfen in den vergangenen Tagen mehrere Hundert Zivilisten getötet und etwa 1000 verletzt. Hunderttausende Iraker sind auf der Flucht.

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