Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

16.05.2018

04:58 Uhr

Das historische Treffen könnte noch scheitern. AP

Donald Trump und Kim Jong Un

Das historische Treffen könnte noch scheitern.

Wegen Militärmanöver

Nordkorea droht mit Absage von Gipfeltreffen mit Trump

Das historische Treffen zwischen Kim Jong Un und Donald Trump könnte noch platzen. Denn Nordkorea sieht wichtige Voraussetzungen nicht erfüllt.

SeoulNordkorea droht damit, das für den 12. Juni geplante Gipfeltreffen von Machthaber Kim Jong Un mit US-Präsident Donald Trump abzusagen. Pjöngjang habe kein Interesse an dem Treffen, falls es auf „einseitigen“ US-Forderungen nach einer nordkoreanischen Abkehr von Atomwaffen beruhe, sagte der nordkoreanische Vize-Außenminister Kim Kye Gwan am Mittwoch laut der staatlichen Nachrichtenagentur KCNA.

Bereits zuvor teilte südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap mit, dass Nordkorea damit drohe, das Gipfeltreffen platzen zu lassen. Als Grund wurden die gemeinsamen Militärübungen von Südkorea und den USA genannt. Die für Mittwoch angesetzten Gespräche zischen Nord- und Südkorea sind laut Yonhap bereits gestrichen worden.

Das Vereinigungsministerium in Seoul bedauerte die Absage und rief das Nachbarland auf, so früh wie möglich Gespräche zu führen, die „dem Frieden und Wohlstand auf der koreanischen Halbinsel“ dienten. Die Regierung sei entschlossen, die gemeinsame Erklärung des bilateralen Gipfeltreffens vom 27. April umzusetzen. Nach Wochen der scheinbaren Annäherung stellt die jüngste Entwicklung einen schweren Rückschlag im Konflikt auf der koreanischen Halbinsel dar.

Kehrtwende bei Kim Jong Un

US-Sprecherin – „Nehmen Nordkoreas Absage zur Kenntnis“

Kehrtwende bei Kim Jong Un: US-Sprecherin – „Nehmen Nordkoreas Absage zur Kenntnis“

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

„Wir sind uns des Medienberichts aus Südkorea bewusst. Die Vereinigten Staaten werden prüfen, was Nordkorea unabhängig davon gesagt hat“, sagte Trumps Sprecherin Sarah Sanders. Das US-Außenministerium erklärte zuvor, es verfüge über keine Informationen aus Nordkorea, dass der Gipfel in Gefahr sei. Man sehe keinen Grund dafür, das Treffen abzusagen oder zu verschieben.

„Wir machen weiter und treiben die Planungen für das Treffen von Präsident Trump und Kim Jong Un voran“, sagte die Sprecherin des Ministeriums, Heather Nauert, in Washington. Die Militärübungen der Amerikaner mit Südkorea stellten keinesfalls eine Provokation dar, fügte sie hinzu. „Das sind Dinge, die wir auf der ganzen Welt machen“, sagte sie.

Ein Sprecher des US-Verteidigungsministeriums erklärte, die Militärübungen seien lange angekündigt gewesen, es handele sich um regelmäßige Frühlingsmanöver. Diese seien seit Jahrzehnten defensiver Natur und dienten dazu, Südkoreas Verteidigungsfähigkeit zu sichern.

Die Übung verletze die Vereinbarungen von Süd- und Nordkorea nach dem Gipfeltreffens vom 27. April, zitiert Südkoreas Yonhap die nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA. Mit dem zweiwöchigen Manöver namens „Max Thunder“ simulierten die beiden Länder Attacken auf den Norden, heißt es weiter. Dies sei eine vorsätzliche militärische Provokation.

„Es gibt eine Grenze dafür, guten Willen zu zeigen und Möglichkeiten zu eröffnen“, heißt es in dem KCNA-Bericht weiter. „Die historische Panmunjom-Erklärung kann nicht allein durch die unilateralen Bemühungen einer Seite umgesetzt werden.“ Das „Schicksal des Gipfeltreffens zwischen Nordkorea und den USA“ stehe auf dem Spiel, dessen müsse sich Washington bewusst sein.

Ungeachtet der Entspannungssignale von Seiten Nordkoreas hatten die USA und Südkorea am Freitag die jährliche Übung „Max Thunder“ gestartet. An dem Manöver nehmen nach Berichten südkoreanischer Medien etwa 100 Kampfflugzeuge teil.

Die für Mittwoch geplanten Gespräche auf hoher Ebene sollten auf der südlichen Seite des Waffenstillstandsdorfes Panmunjom stattfinden, um Folgemaßnahmen zu dem Gipfeltreffen der beiden koreanischen Führer im letzten Monat zu diskutieren. Durch die Gespräche wollte Südkorea versuchen, „die Grundlage für eine nachhaltige Entwicklung und einen dauerhaften Frieden zu schaffen“.

Der Konflikt zwischen Nord- und Südkorea schwelt seit Jahrzehnten. Der Krieg (1950-1953) zwischen dem kommunistischen Nordkorea und der Republik Südkorea mit mehreren Millionen Toten zementierte die Spaltung. Einen Friedensvertrag gibt es bis heute nicht - zuletzt standen die Zeichen aber auf Wandel.

Doch offensichtlich sieht der Norden wichtige Voraussetzungen nicht erfüllt – und wirft den USA eine Mitschuld vor. Das Treffen zwischen Kim Jong Un und Trump, das erste direkte zwischen den Staatschefs Nordkoreas und den USA, soll in Singapur stattfinden und hatte Hoffnungen auf eine Lösung des Atomkonflikts genährt.

Kommentar: Warum Nordkorea unberechenbar ist und bleibt

Kommentar

Warum Nordkorea unberechenbar ist und bleibt

Erst probte Kim Jong Un die Annäherung an die Weltgemeinschaft. Jetzt droht Pjöngjang, das Treffen mit Trump abzusagen – und bleibt so seiner Taktik treu.

Vorausgegangen war das Gipfeltreffen Nord- und Südkoreas vom 27. April, das mit einer gemeinsamen Erklärung über Frieden und Aussöhnung endete. Kim Jong Un erklärte sich bei seinem Treffen mit dem südkoreanischen Präsidenten Moon Jae In unter anderem zum Abbau des nordkoreanischen Atomprogramms bereit. Wie und bis wann die „komplette Denuklearisierung“ erreicht werden soll, blieb unklar.

Der Atomstreit mit Nordkorea gilt als einer der gefährlichsten Konflikte weltweit. Beide Staaten erklärten sich dazu bereit, auf alle Feindseligkeiten zu verzichten und eine neue Friedensordnung für die koreanische Halbinsel anzustreben. Zudem sollen humanitäre Projekte, etwa direkte Kontakte zwischen getrennten Familien, wieder aufgenommen und der Austausch und die Zusammenarbeit in verschiedenen Bereichen verstärkt werden.

Nordkorea hatte kürzlich mit dem versprochenen Abbau seines Atomtestgeländes begonnen. Einige wichtige Einrichtungen an den Eingängen des Testgeländes Punggye-ri im Nordosten des Landes seien abgerissen worden, berichteten Fachleute der auf Nordkorea spezialisierten Nachrichtenseite „38 North“ des US-Korea-Instituts.

Nordkorea hatte am Wochenende angekündigt, die Testanlage zwischen dem 23. und dem 25. Mai zu sprengen. In Punggye-ri hatte Nordkorea seine sechs Atomtests durchgeführt, den bisher letzten im September 2017. Der UN-Sicherheitsrat hatte daraufhin die Sanktionen gegen das abgeschottete Land verschärft. Die Führung in Pjöngjang will mit der Zerstörung des Atomtestgeländes demonstrieren, dass es das Land mit seinen Ankündigungen ernst meint und verhandlungsbereit ist.

Kein Land ist so abgeschottet wie Nordkorea. Vor dem Trump-Kim-Gipfeltreffen hat unser Reporter den Staat bereist – und exklusive Videos gemacht. Hier finden Sie sein Multimedia-Special „Innenansichten eines gleichgeschalteten Staates“.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.

Von

dpa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×