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19.12.2014

09:40 Uhr

Wegen Nähe zu nordkoreanischem Regime

Gericht verbietet linke Partei in Südkorea

Die Regierenden nahmen sie als Bedrohung wahr: Denn die Vereinigte Progressive Partei Südkoreas soll Verbindungen zu Nordkorea haben. Das Verfassungsgericht zieht nun drastische Konsequenzen.

Ihre Partei ist nun offiziell von der Politik des Landes ausgeschlossen:  Lee Jung-Hee, Chefin der Vereinigten Progressiven Partei (UPP) in Südkorea. dpa

Ihre Partei ist nun offiziell von der Politik des Landes ausgeschlossen: Lee Jung-Hee, Chefin der Vereinigten Progressiven Partei (UPP) in Südkorea.

SeoulSüdkoreas Verfassungsgericht hat die Auflösung einer kleinen Oppositionspartei verfügt, der Unterstützung für das kommunistische Regime in Nordkorea vorgeworfen wird. Das Gericht gab am Freitag einem Verbotsantrag der Regierung unter der konservativen Präsidentin Park Geun Hye statt.

Die Vereinigte Progressive Partei (UPP) habe durch ihr Programm die Ideologie Nordkoreas gestützt und die „demokratische Grundordnung“ Südkoreas bedroht, hieß es in der Entscheidung. Für das Verbot stimmten acht von neun Richtern.

Außerdem verloren die fünf Abgeordnete der links außen stehenden Partei ihr Mandat. Es ist das erste Mal seit der Gründung des Verfassungsorgans 1988, dass eine politische Partei in dem Land verboten wurde. Amnesty International kritisierte den Beschluss. Dieser könne „abschreckende Folgen für die Meinungs- und Vereinigungsfreiheit“ haben, warnte die Forschungsleiterin der Menschenrechtsorganisation für Ostasien, Roseann Rife.

Das ABCD des koreanischen Erfolgs

A wie Agilität

„Ppali-ppali“ (sprich balli-balli) nennen die Koreaner diesen Charakterzug, der sich am besten als dalli-dalli übersetzen lässt. Ein deutscher Firmenchef drückt seine Erfahrung so aus: Die Koreaner würden fünf mal auf dem Weg die Richtung ändern, wären aber am Ende doppelt so schnell am Ziel wie deutsche Unternehmen. Das Erstaunliche: Die Koreaner paaren dabei Tempo und Qualität. Der Nachteil: Wenn es schiefläuft, rennen sie mit Volldampf gegen die Wand.

B wie Benchmarking

Hierunter versteht Professor Moon die Kunst des Kopierens. Dabei handelt es sich allerdings nicht um stupendes Abkupfern. Vielmehr haben die Koreaner den Ehrgeiz, durch Imitation den Meister zu übertreffen.

C wie Convergence (Konvergenz)

Hierunter versteht Moon die gezielte Schaffung von Synergien. Pangyo ist ein Beispiel für den nächsten Entwicklungssprung, die Chaebol für die Vergangenheit. Da sie so breit aufgestellt waren, konnten sie sich gegenseitig Aufträge zuschanzen. Und durch den internen Kreislauf konnten die Konzerne rasch Kapital und Technik akkumulieren.

D wie Dedication (Einsatz und Hingabe)

In Südkorea verbinden sich Fleiß mit extremen Leistungsdruck paart. „Juk-gi-sal-ki-ro“, Tod oder Leben, ist das Motto in der Firma wie in der Schule. Mit 2193 geleisteten Arbeitsstunden ist Korea Spitzenreiter in der OECD. Und fast alle Schüler verbringen ihre Abende in Paukschulen, um die Aufnahmeprüfung für Eliteschulen oder -universitäten zu bestehen. Wer das Tempo nicht mithält, fliegt.

Vor dem Gerichtsgebäude in Seoul protestierten Parteimitglieder und Anhänger gegen die Auflösung. Parteichefin Lee Jung Hee wies nach Berichten des südkoreanischen Rundfunks Vorwürfe zurück, die Partei sei verfassungsfeindlich und habe Instruktionen von Nordkorea erhalten. Bei einer Gegenkundgebung begrüßten konservative Gruppen die Gerichtsentscheidung.

Im Februar hatte ein Gericht den UPP-Abgeordneten Lee Seok Ki und andere Parteimitglieder wegen Hochverrats zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Ein Berufungsgericht milderte die Strafe für Lee später von zwölf auf neun Jahre ab. Lee habe mit anderen Mitgliedern mögliche Umsturzpläne diskutiert, hatte es geheißen. Es gebe aber keine Beweise für eine Verschwörung gegen die Regierung.

Von

dpa

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